Länderprofil
Darstellung des Berufsbildungssystems der Slowakei. Die Inhalte der Grafik werden im folgenden Text ausführlich beschrieben

Slowakei

Gültigkeit Seit 01.01.1993
Amtssprache Slowakisch

Beschreibung

Im September 2015 wurde ein duales Ausbildungssystem in der Slowakei eingeführt. Zielsetzung war eine stärkere Bedarfs- und Praxisorientierung der Berufsausbildung. Das duale Modell wurde als Ergänzung zum bestehenden, weitgehend schulisch organisierten Modell eingeführt. Betriebe wählen ihre Auszubildenden aus und schließen mit ihnen einen Lehrvertrag.

Das duale Bildungssystem verbindet theoretische Bildung in der Schule mit praktischer Ausbildung bei einem konkreten Arbeitgeber. Die praktische Ausbildung findet unter Anleitung eines erfahrenen Ausbilders in realen Arbeitsbedingungen statt. Der Arbeitgeber kann gemeinsam mit der Vertragsschule Inhalte des schulischen Bildungsprogramms an aktuelle technologische, regionale und arbeitsmarktbezogene Anforderungen anpassen.

Die obere Sekundarbildung beginnt in der Regel im Alter von 15 Jahren und ist allgemeinbildend, beruflich oder künstlerisch ausgerichtet. Berufsbildung wird an mittleren berufsbildenden Schulen und mittleren Industrieschulen angeboten. Bildungsgänge an mittleren berufsbildenden Schulen dauern je nach Programm zwei bis fünf Jahre.

Die aktuellen Typen berufsbildender Sekundarschulen umfassen unter anderem mittlere berufsbildende Schulen mit fachlicher Ausrichtung, mittlere Industrieschulen mit fachlicher Ausrichtung, mittlere Gesundheitsschulen, Handelsakademien, Hotelakademien sowie Polizei- und Brandschutzschulen.

Berufliche Erstausbildung


Die berufliche Erstausbildung ist nach dem angestrebten Bildungs- und Qualifikationsniveau differenziert.

  • Berufliche Bildung auf der unteren Sekundarstufe (nižšie stredné odborné vzdelanie, ISCED 253): Sie endet mit einer Abschlussprüfung (záverečná skúška). Der Bildungsstand und die erworbene Qualifikation werden durch ein Abschlusszeugnis bescheinigt. In bestimmten Bildungsgängen kann zusätzlich ein Lehrbrief (výučný list, Certificate of Apprenticeship) erworben werden.
  • Mittlere berufliche Bildung (stredné odborné vzdelanie, ISCED 353): Sie endet mit einer Abschlussprüfung. Das Zertifikat über Bildungsstand und erworbene Qualifikation wird durch einen Lehrbrief (výučný list, Certificate of Apprenticeship) ergänzt.
  • Vollständige mittlere berufliche Bildung mit Reifeprüfung (úplné stredné odborné vzdelanie, ISCED 354/454): Sie endet mit der Reifeprüfung (maturita). In Bildungsgängen mit praktischer Ausbildung in Form einer beruflichen Ausbildung kann zusätzlich ein Lehrbrief erworben werden. Die Reifeprüfung berechtigt grundsätzlich zur Bewerbung um einen Hochschulstudienplatz.

Weiterführende Formen der beruflichen Bildung sind die Aufbauausbildung, die postsekundare Ausbildung und die verkürzte Ausbildung. Die Aufbauausbildung schließt an eine berufliche Ausbildung an und endet mit der Reifeprüfung. Die postsekundare Ausbildung umfasst Qualifikations-, Spezialisierungs- und höhere berufliche Bildung. Die verkürzte Ausbildung kann als ein- oder zweijähriger 
Bildungsgang organisiert werden und richtet sich an Personen, die bereits mindestens eine mittlere berufliche Bildung erworben haben.

Höhere Fachschulbildung

Die höhere berufliche Bildung (vyššie odborné vzdelanie) dient der weiteren Spezialisierung und der Vertiefung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten. Sie wird an mittleren berufsbildenden Schulen und Schulen für angewandte Kunst angeboten. Die Ausbildung endet mit einer höheren beruflichen Abschlussprüfung; der Abschluss wird durch ein Diplom bescheinigt. Absolventinnen und Absolventen 
beruflicher Bildungsgänge dürfen die Bezeichnung „Diplomierter Spezialist“ (Diplomovaný špecialista, DiS.) führen.

Berufliche Fortbildung

Berufliche Fortbildung und Erwachsenenbildung ermöglichen es, bereits erworbene Bildung zu ergänzen, zu erweitern oder zu vertiefen, Qualifikationen neu zu erwerben oder sich beruflich neu zu orientieren. Sie finden in Schulen, Hochschulen sowie in weiteren schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen statt.

Der ŠIOV koordiniert nach eigenen Angaben die berufliche Bildung und Ausbildung sowie die Erwachsenenbildung in der Slowakei. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem die Entwicklung nationaler Bildungsstandards und staatlicher Bildungsprogramme, die Analyse von Qualifikations- und Entwicklungsbedarfen sowie die Unterstützung des Bildungsministeriums bei Strategien und Maßnahmen.

Zuständigkeiten

Das Ministerium für Bildung, Forschung, Entwicklung und Jugend der Slowakischen Republik (Ministerstvo školstva, výskumu, vývoja a mládeže Slovenskej republiky) ist die zentrale staatliche Verwaltungsbehörde für Primar-, Sekundar- und Hochschulbildung, Bildungseinrichtungen, lebenslanges Lernen sowie die staatliche Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Jugend.

Die höheren Gebietskörperschaften (vyššie územné celky, Selbstverwaltungsregionen) sind für einen großen Teil der weiterführenden Schulen zuständig und treten häufig als Schulträger auf. Gemeinden sind insbesondere im Bereich der Vorschul-, Primar- und unteren Sekundarbildung tätig.

Der Staatliche Berufsbildungsinstitut (Štátny inštitút odborného vzdelávania, ŠIOV) ist eine dem Bildungsministerium unmittelbar unterstellte Organisation. Er koordiniert die berufliche Bildung und Ausbildung sowie die Erwachsenenbildung und unterstützt die Entwicklung staatlicher Bildungsprogramme und Qualifikationen.

Das Nationale Institut für Bildung und Jugend (Národný inštitút vzdelávania a mládeže, NIVAM) ist in der aktuellen Bildungslandschaft als fachliche Einrichtung genannt. Das im Ausgangstext genannte Nationale Institut für Bildung (SPÚ) wird deshalb nicht mehr als unveränderte aktuelle Institutionsbezeichnung fortgeführt.

Das Innenministerium ist für Polizei- und Brandschutzschulen als berufsbildende Sekundarschulen zuständig. Weitere Ressortministerien und staatliche Stellen können in ihrem jeweiligen Fachbereich beteiligt sein.

Rolle der Betriebe in der Berufsbildung

Eine praktische Ausbildung ist Bestandteil der Berufsbildung. Sie kann in Schulen, schulübergreifenden Einrichtungen und Ausbildungszentren, medizinischen Einrichtungen oder Partnerbetrieben der Schulen stattfinden.

Im dualen Bildungssystem findet die praktische Ausbildung bei einem Arbeitgeber statt, der mit der Schule einen Vertrag über die duale Ausbildung schließt. Der Arbeitgeber schließt mit dem Schüler beziehungsweise der Schülerin außerdem einen Lehrvertrag, wählt die Auszubildenden aus und organisiert die praktische Ausbildung am Arbeitsplatz. Die Eignung des Arbeitgebers wird durch eine 
Berufs- oder Branchenorganisation überprüft.

Mit der Änderung des Berufsbildungsgesetzes durch Gesetz Nr. 324/2025 Slg. wird ein Agentursystem für die duale Ausbildung eingeführt. Dadurch sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen teilnehmen können. Außerdem werden praktische Ausbildungsformen außerhalb der Betriebsstätte des Arbeitgebers ermöglicht.

Landesspezifische Besonderheiten

Curriculumsentwicklung

Die staatlichen Bildungsprogramme (štátne vzdelávacie programy, ŠVP) legen den staatlich garantierten Pflichtinhalt der beruflichen Bildung fest. Sie werden vom Bildungsministerium veröffentlicht und nach Beratung mit Arbeitgebern, Schulträgern, Berufs- und Interessenverbänden sowie den fachlich zuständigen Ressortministerien erstellt. Sie sind verbindliche curriculare Dokumente für schulische Bildungsprogramme, Lehrbücher, Unterrichtstexte und die Bewertung der Bildungsergebnisse.

Der ŠIOV unterstützt die Entwicklung der staatlichen Bildungsprogramme und nationalen Bildungsstandards. Fachkommissionen beraten zu Inhalten der beruflichen Bildung, curricularen und methodischen Aufgaben sowie zur Entwicklung staatlicher Bildungsprogramme. In den Kommissionen wirken unter anderem Lehrkräfte berufsbildender Schulen, Ministeriums- und Ressortvertreter, Arbeitgeber- und Berufsorganisationen sowie Hochschulen mit.

Auf der Grundlage der staatlichen Vorgaben erstellen die Schulen schulische Bildungsprogramme. Dabei können regionale Bedingungen, die Ausstattung der Schule, die Kooperation mit Unternehmen und die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsmarktes berücksichtigt werden.

Aktuelle Reformprozesse

Neue Reform: Zentren für Exzellenz in der beruflichen Bildung und 
Ausbildung

Das nationale Projekt „Zentren für Exzellenz in der beruflichen Bildung und Ausbildung“ soll ein System von Kompetenzzentren entwickeln und erproben. Die Zentren sollen Schulen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Lehrkräfte, Ausbilderinnen und Ausbilder sowie die Erwachsenenbildung in ausgewählten Wirtschaftsbereichen verbinden. Ziel ist eine höhere Qualität, Flexibilität und 
Anpassungsfähigkeit der beruflichen Bildung, einschließlich der Entwicklung von Erwachsenenbildungsprozessen. Das Projekt soll mindestens acht Pilotzentren vorbereiten. Zu den vorgesehenen Aufgaben gehören die Entwicklung einer Methodik, die berufliche Weiterentwicklung des Bildungspersonals, die Qualifizierung von Lehrkräften und Ausbildern, die Zusammenarbeit mit Unternehmen und die Verknüpfung mit Qualitätssicherung nach EQAVET.

Die Änderung des Berufsbildungsgesetzes sieht die Einrichtung von Zentren für Exzellenz vor. Nach der aktuellen Eurydice-Darstellung treten die einschlägigen Bestimmungen zur Einrichtung am 01.09.2027 in Kraft. Bis dahin ist zwischen Projektaktivitäten und dem dauerhaften gesetzlichen Status einzelner Zentren zu unterscheiden.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Informationen zum slowakischen Bildungssystem finden sich in der Eurypedia, der Europäischen Enzyklopädie der nationalen Bildungssysteme:

https://eurydice.eacea.ec.europa.eu/eurypedia/slovakia/overview

Informationen zum Berufsbildungssystem und zu aktuellen Entwicklungen sind unter ReferNet Slovakia erhältlich:

https://www.refernet.sk/hlavna-stranka?lang=en https://www.refernet.sk/narodne-spravy-OVP

Informationen zum Bildungssystem, zur beruflichen Erstausbildung und zur Weiterbildung bietet das Ministerium für Bildung, Forschung, Entwicklung und Jugend der Slowakischen Republik (Ministry of Education, Research, Development and Youth of the Slovak Republic):

https://www.minedu.sk/about-the-ministry/ https://www.minedu.sk/contacts/

Postanschrift:
Černyševského 50, 851 01 Bratislava, Slovak Republic

Informationen zu beruflichen Schulcurricula, staatlichen Bildungsprogrammen und zur dualen Bildung bietet das Staatliche Institut für berufliche Bildung (Štátny inštitút odborného vzdelávania – ŠIOV):

ŠIOV - Štátny inštitút odborného vzdelávania

Informationen zu staatlichen Bildungsprogrammen und allgemeinbildenden Fächern bietet das Národný inštitút vzdelávania a mládeže (NIVAM), auf Deutsch etwa Nationales Institut für Bildung und Jugend:

https://nivam.sk/ https://nivam.sk/kontakt/

Landeskundliche Informationen zu Politik, Wirtschaft und Kultur sowie Reise- und Sicherheitshinweise bietet das Auswärtige Amt:

https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/slowakei-node https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/slowakei-node/politisches-portraet/206608 https://www.auswaertiges-amt.de/de/reiseundsicherheit/slowakeisicherheit-206360

Stand der Prüfung: 2. September 2026.

Informationen des Auswärtigen Amtes