Länderprofil
Abbildung Slowakei - aktuell

Slowakei

Gültigkeit Seit 01.01.1993
Amtssprache Slowakisch

Beschreibung

Im September 2015 wurde ein neues duales Ausbildungssystem in der Slowakei eingeführt. Zielsetzung ist eine stärkere Bedarfs- und Praxisorientierung der Berufsausbildung. Dieses neue Ausbildungsmodell wird als Ergänzung zum bestehenden, weitgehend schulischen, Ausbildungsmodell eingeführt. Die insgesamt vierjährige Ausbildung hat einen Praxisanteil von 50 % und führt zu einem doppelten Abschluss (Abitur und Berufsabschluss). Die Betriebe wählen ihre Auszubildenden aus und schließen mit ihnen einen Lehrvertrag, der die Dauer und die Inhalte der Ausbildung regelt.

Bislang war das slowakische Berufsbildungssystem weitgehend schulisch organisiert. Die slowakische Regierung hat die duale Ausbildung als weiteres Segment im Berufsbildungssystem eingeführt. Die gesetzlichen Grundlagen sind am 01. April 2015 in Kraft getreten.

Seit 2008 gibt es nur noch zwei Arten von Sekundarschulen. Die vormaligen Berufsschulen (secondary vocational schools, stredné odborené uciliste, SOU) firmieren seitdem ebenfalls unter Spezialisierte Sekundarschule (secondary specialised school - stredná odborná skola, SOS). Der allgemeinbildende Sekundarbereich II wird an den Gymnasien (Grammar Schools - Gymnázium angeboten.

Innerhalb der Gruppe der SOS gibt es Programme mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Praxisbezug. Stärker praxisbezogen sind die „Study branches with vocational training“ (odbor s odbornýn výcvikom; beinhalten Praktika, meist im Sommer) im Gegensatz zu den „Study branches with practice“ (odbor s praxou; sie beinhalten curricular einen Wechsel zwischen Theorie und Praxis, die in Form von Schulworkshops oder an von der Schule ausgewählten Ausbildungsorten/Bildungszentren vermittelt wird).

Berufliche Erstausbildung
Die berufliche Erstausbildung je nach angestrebtem Qualifikationsniveau in drei Zweige unterteilt.

  • Die einfache berufliche Sekundarbildung (nižšie stredné odborné vzdelanie, Sek I) vermittelt in einem zweijährigen Programm allgemeine und berufsbezogene Fächer und schließt mit einem Abschlusszertifikat "vysvedčenie o záverečnej skúške" ab. In bestimmten Lehrlingsfächern kann der Abschluss zusätzlich aus einem Berufsabschluss sog. „Certificate of Apprenticeship“ (výučný list) bestehen.
  • Die berufliche Sekundarbildung (stredné odborné vzdelanie, Sek. II) vermittelt in einem mindestens drei- bis vierjährigen Programm allgemeine und berufsbezogene Fächer und schließt mit einem Abschlusszertifikat "vysvedčenie o záverečnej skúške" für den erreichten Bildungsgrad und einem Berufsabschluss sog. „Certificate of Apprenticeship“ (výučný list) die erreichte Qualifikation ab.
  • Die berufliche Sekundarbildung mit Reifezeugnis (úplné stredné odborné vzdělanie, Sek. II) vermittelt in einem mindestens vier- bis fünfjährigen Programm allgemeine und berufsbezogene Fächer und schließt für den erreichten Bildungsgrad und die erreichte Qualifikation mit dem Reifezeugnis "Vysvedčenie o maturitnej skúške" ab, das den Zugang zu den Hochschulen ermöglicht. In bestimmten Studienfächern kann der Abschluss zusätzlich in einem Berufsabschluss sog. „Certificate of Apprenticeship“ (výučný list) bestehen.

Höhere Fachschulbildung

Die Höhere Fachschulbildung (vyššie odborné vzdelanie) dient zur weiteren Spezialisierung bzw. zur Erhöhung der Qualifikation in bestimmten Berufsrichtungen und erfolgt in einem mindestens zweijährigen und höchstens dreijährigen Programm und wird mit dem Abschluss Diplomierter Spezialist "Diplomovaný špecialista" abgeschlossen

Berufliche Fortbildung

Die berufliche Fortbildung teilen sich öffentliche und staatliche Schulen, Hochschulen und private Bildungsträger. Dabei sind in der Slowakischen Republik öffentliche Schulen Einrichtungen im öffentlich-rechtlichen Sinne und werden in der Regel von einem Organ der regionalen Selbstverwaltung gegründet und finanziert, dem Regionalschulamt (Krajský školný urad). Staatliche Schulen unterstehen dagegen der zentralen staatlichen Verwaltung, sie werden aus dem Staatshaushalt finanziert.

Während die Angebote an öffentlichen und staatlichen Schulen und Hochschulen hauptsächlich der Vollendung der Sekundarbildung sowie der Hoch- und Fachschulbildung bzw. zur gezielten Vorbereitung auf bestimmte Studienfächer dienen, kümmern sich private Bildungsträger vor allem um die betriebliche Weiterbildung. Die Anbieter müssen über eine Akkreditierung des Bildungsministeriums verfügen. Ergänzt wird dieses Angebot durch Organisationen wie die Industrie- und Handelskammern. Die Angebote sind als Teilzeit- und Abendstudium (štúdium popri zamestnaní) für Erwachsene konzipiert.

Zuständigkeiten

Die Zuständigkeit für die Regelung der beruflichen Erstausbildung und Fortbildung liegt beim Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Sport (MSVVaS, Ministerstvo skolstva, vedy, výskumu a sportu). Die anderen Ministerien spielen eine eher untergeordnete Rolle, mit Ausnahme bei besonderen Sekundarschulen, beispielsweise in den Bereichen Gesundheit oder Polizei. Gleichwohl ist ihre Rolle nach der Einführung des Berufsbildungsgesetzes von 2009 durch ihre Vertretung im Regierungsausschuss zur beruflichen Bildung gewachsen. So werden z. B. die Sektorausschüsse von den Vertretern der Wirtschaftsverbände und Kammern in Kooperation mit dem Ministerium für Arbeit, Soziales und Familie (MPSVR, Ministerstvo práce, sociálnych veci a rodiny) besetzt.

Wichtige Institutionen, die im Zuständigkeitsbereich des MSVVaS liegen, sind u. a.:

  • Das Nationale Institut für Bildung (SPÙ, Státny pedagogický ústav), das im Bereich der beruflichen Bildung Unterstützung bei Curriculumsentwicklung der allgemeinbildenden Fächer an den beruflichen Schulen leistet.
  • Das Staatliche Institut für berufliche Bildung (SIOV, Státny institút odborného vzdelávania), leistet Unterstützung bei der Entwicklung der beruflichen Schulcurricula und ist verantwortlich für die Entwicklung der nationalen Rahmencurricula.

Das MSVVaS ist auch für die Reglementierung von Weiterbildung und des lebenslangen Lernens zuständig.

Rolle der Betriebe in der Berufsbildung

Eine praktische Ausbildung ist Bestandteil der Berufsausbildung und erfolgt in Schulen, Zentren für praktische Ausbildung (schulübergreifende gemeinsame Einrichtungen mit Labor oder Werkstätten), medizinischen Einrichtungen sowie in Partnerbetrieben der Schulen individuell an Arbeitsplätzen.

Der Automobilsektor ist der führende Wirtschaftsbereich in der Slowakischen Republik. Hier gab es zahlreiche Aktivitäten, deren Ergebnisse in das Berufsbildungsgesetz von 2009 eingeflossen sind. Sie betreffen beispielsweise die Art und Weise der Planung und Entwicklung von Ausbildungsprogrammen unter Einbeziehung der Wirtschaft, Prüfungsgestaltung und das Lehrpersonal.

Landesspezifische Besonderheiten

Curriculumsentwicklung

Zuständig für den Erlass der Curricula, bzw. der staatlichen Bildungsprogramme ist das Ministerium für Bildung. Vorbereitet werden sie in der Regel vom Staatlichen Institut für berufliche Bildung (SIOV, Státny institút odborného vzdelávania), das in den Prozess der Curriculumsentwicklung Fachexperten sowie Lehrer und Praktiker mit einbezieht. Auf der Basis der staatlichen Rahmenvorgaben, werden von den Schulen spezifischere regional angepasste Bildungsprogramme entwickelt. Hierzu werden insbesondere Vertreter der Berufs- und Arbeitgeberverbände zu Schulleitung und Lehrern mit hinzugezogen.

Aktuelle Reformprozesse

Im Zentrum der gesetzlichen Neuregelungen der letzten Jahre stand erkennbar das Ziel, die Verbindung zwischen der schulischen Berufsbildung und den Bedarfen des Arbeitsmarktes zu verbessern.

  • Seit 2008 werden die Curricula dezentral entwickelt (Education Act No. 245/2008). Gleichzeitig ist seitdem vorgesehen, dass sowohl der nationale Rahmen der Bildungsprogramme als auch die autonom entwickelten Schulprogramme vor Inkraftsetzung mit Unternehmen abgestimmt werden müssen.
     
  • Das Gesetz von 2009 (Act on VET No. 184/2009), dem ersten, das ausschließlich die Berufsbildung zum Regelungsgegenstand hat, sieht ausdrücklich die Verpflichtung zur Berücksichtigung von Arbeitsmarktbedarfen bei der Steuerung der berufliche Bildung vor. Die Rolle der Kammern bei der Entwicklung und Evaluation von beruflicher Bildung wurde gesetzlich definiert. (In einem Folgeerlass wurden im Einzelnen die einzubeziehenden Partner aus der Wirtschaft festgelegt, die sog. „sectoral assignees“.)
     
  • Seit 2009 wurden Berufsbildungsausschüsse auf nationaler und regionaler Ebene sowie sektorspezifische Ausschüsse eingerichtet.
     
  • Im Laufe von 2010 haben alle 8 selbstverwaltenden Regionen in Kooperation mit den jeweiligen Berufsbildungsausschüssen regionale Berufsbildungsstrategien entwickelt.
     
  • Es wurden steuerrechtliche Erleichterungen für diejenigen Unternehmen eingeführt, die mit Berufsschulen kooperieren.
     
  • Das Bildungsministerium fördert eine Kampagne zur Unterstützung des Handwerks, „Let´s Support Crafts“, https://podpormeremeslanaslovensku.sk/

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Informationen zum Bildungssystem finden sich auf der Seite von Eurypedia, der Europäischen Enzyklopädie der nationalen Bildungssysteme.

Informationen zum Berufsbildungssystem sind ebenfalls unter Slovak ReferNet erhältlich.


Informationen zum Bildungssystem und zur beruflichen Erstausbildung und Weiterbildung finden sich auf der Seite des Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Sport.

Stromová 1,
81330 Bratislava
Tel.+421 2/59374111 ,
e-mail: info@minedu.sk


Informationen zu beruflichen Schulcurricula und nationalen Rahmencurricula können beim Staatliches Institut für berufliche Bildung (SIOV) erfragt werden.

Bellova 54/a
837 63 Bratislava
Tel.+421 / 2 / 5477 6774 
Fax: +421 / 2 / 5477 6277 
e-mail: www.siov.sk


Informationen zu den Berufsschulcurricula der allgemeinbildenden Fächer können beim Nationalen Institut für Bildung eingeholt werden.

Pluhová 8
830 00  Bratislava
Slovakia
Tel: +421 2 49 276 111      
Fax: +421 2 49 276 195 
e-mail: spu@statpedu.sk

 

Informationen des Auswärtigen Amtes