Hintergrund und Ziele

Erfahren Sie hier, wie das BQ-Portal entstanden ist und wie es seither zur Fachkräftesicherung in Deutschland beiträgt.

Aktuelle Fachkräftebedarfe in Deutschland

Die Folgen des demografischen Wandels in Deutschland machen sich trotz Corona-Krise immer noch deutlich bemerkbar und stellen Unternehmen vor eine große Herausforderung. Nach Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen aktuell rund 145.000 qualifizierte Arbeitskräfte in den 36 sogenannten MINT-Berufen. Allein in den MINT-Facharbeiter/innen- und MINT-Spezialisten/innenberufen (z.B. Techniker/innen, Meister/innen) lag die Lücke im April 2021 bei 73.200 fehlenden Arbeitskräften.

Die Fachkräftelücke ist zwar insgesamt seit dem Corona-Jahr 2020 kleiner geworden. Dennoch weisen einige Berufsfelder und Branchen, die vergleichsweise stabil durch die Krise gekommen sind, bereits jetzt einen positiven Beschäftigungstrend mit wieder steigenden Fachkräfteengpässen auf (siehe KOFA Studie 1/2021 und KOFA kompakt 5/2021). Dazu gehören die Bauwirtschaft und Teile des Handwerks. Aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung wird die Zahl gesuchter Fachkräfte in den kommenden Jahren (wieder) größer werden. Das gilt vor allem für Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung.

Hinzu kommt, dass durch den demografischen Wandel der Anteil der Rentner/innen im Vergleich zur erwerbstätigen Bevölkerung weiterhin stark ansteigen wird. So rechnet etwa die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ damit, dass bis zum Jahr 2045 die Zahl der versicherungspflichtigen Beschäftigten und Arbeitslosengeldbezieher/innen von über 35 Millionen im Jahr 2018 auf etwa 32 Millionen sinkt. Zugleich wird in diesem Zeitraum die Zahl der Rentner/innen von knapp 20 auf über 24 Millionen anwachsen.

Umso wichtiger ist es, alle vorhandenen Potenziale zu erschließen.

Berufsanerkennung als Chance

Damit alle hier lebenden Fachkräfte mit ausländischen Berufsabschlüssen eine Chance haben, im erlernten Beruf zu arbeiten, müssen im Ausland erworbene Berufsabschlüsse mit deutschen Abschlüssen verglichen werden können. Diese Möglichkeit wurde mit dem sogenannten "Anerkennungsgesetz" bereits im April 2012 geschaffen.

Durch das Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetztes (FEG) im März 2020 hat die Berufsanerkennung aus einem weiteren Grund an Bedeutung gewonnen: Um aus Drittstaaten zum Zwecke der Erwerbstätigkeit nach Deutschland einwandern zu können, ist seither die Anerkennung des ausländischen Berufs- oder Hochschulabschlusses in vielen Fällen eine Voraussetzung.

Seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von zuständigen Stellen (z.B. die Berufskammern) mit der Aufgabe betraut, im Ausland erworbene Berufsqualifikationen mit deutschen Abschlüssen zu vergleichen. Dazu führen sie sogenannte Gleichwertigkeitsprüfungen durch, bei denen ausländische Berufsabschlüsse deutschen Referenzberufen gegenübergestellt werden. Das setzt umfangreiches Wissen über ausländische Berufsbildungssysteme und Berufsabschlüsse voraus. Entsprechende Informationen waren in der Vergangenheit jedoch nur schwer zugänglich.

Hier setzt das 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) ins Leben gerufene BQ-Portal an:

Das Informationsportal für ausländische Berufsqualifikationen bündelt auf einer Plattform alle relevanten Informationen zu ausländischen Berufsqualifikationen und Berufsbildungssystemen.

  • Es trägt als lernendes System zu einem kontinuierlichen Wissens- und Informationsaufbau bei. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf Ländern und Berufsgruppen, zu denen besonders viele Anträge auf Berufsanerkennung gestellt wurden oder voraussichtlich gestellt werden.
  • Bewertungsverfahren werden durch die Abstimmung über diese Plattform einheitlicher und transparenter.
  • Es optimiert den Informationsaustausch sowie die Vernetzung der Kammermitarbeiterinnen und -mitarbeiter.
  • Zum jetzigen Zeitpunkt befinden sich 99 veröffentlichte Länderprofile mit mehr als 4.500 Berufsprofilen im BQ-Portal. 
  • Über 430 Nutzerinnen und Nutzer sind im BQ-Portal registriert.
  • Hintergrundinformationen zur Bewertungspraxis in Deutschland, vielfältige Austausch- und Vernetzungsmöglichkeiten, fundierte Arbeitshilfen sowie individuelle Beratungs- und Schulungsangebote für registrierte Nutzerinnen und Nutzer runden das Angebot des BQ-Portals ab.
Das BQ-Portal einfach erklärt
Das BQ-Portal als Beitrag zur Fachkräftesicherung

Bereits 2011 hat die Bundesregierung vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung Ziele und Maßnahmen zur Sicherung der Fachkräfte verkündet. 
Eine Maßnahme im Rahmen des damaligen Sicherungspfades 5 „Integration und qualifizierte Zuwanderung“ war die Verabschiedung des Gesetzes zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen (BQFG). Damit sollen Qualifikationspotenziale von Migrantinnen und Migranten besser erschlossen und die qualifikationsadäquate Integration in das Erwerbsleben gefördert werden. In diesem Kontext hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi – damals Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie) das BQ-Portal ins Leben gerufen, um einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung zu leisten. 

Seither hat sich das BQ-Portal unter anderem verschiedenen Schwerpunktländern und -zielgruppen gewidmet, unter anderem:

Qualifikationen von Flüchtlingen

Seit 2015 stellt das BQ-Portal erweiterte Informationen zur Berufsbildung in den Hauptherkunftsländern von Geflüchteten bereit. Dadurch leistet es einen Beitrag zu deren Arbeitsmarktintegration. Diese Informationen werden einerseits für die Berufsanerkennung benötigt. Gleichzeitig sorgen sie für größere Transparenz bei Unternehmen, die Geflüchtete integrieren möchten und Beratungsstellen, welche Geflüchteter auf dem Weg in den Arbeitsmarkt unterstützen. Sie finden im Portal beispielsweise über 100 Berufsprofile zu Berufsbildungsabschlüssen aus Syrien. In der Rubrik „Qualifikationen von Flüchtlingen“ geben acht Ländersteckbriefe einen Überblick zum Bildungsstand und der Integration von Geflüchteten.

Fachkräfteeinwanderung und Berufsanerkennung

Mit dem Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes im März 2020 liegt neben dem Themenbereich “Ausländische Fachkräfte im Inland” ein weiterer Schwerpunkt des Portals auf dem Themenbereich „Fachkräfte aus dem Ausland“. In Berufsprofilen und Ländersteckbriefen finden die zuständigen Stellen und Unternehmen Informationen rund um die Berufsbildung in ausgewählten Fokusländern. In einem Report haben wir die Anerkennungspotenziale beruflicher Abschlüsse aus ausgewählten Fokusländern analysiert. Die Fokusländer wurden in enger Abstimmung mit der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit ausgewählt.

Unterstützung für Unternehmen

Auch unterstützt das BQ-Portal Unternehmen, die beruflich qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren wollen, bei der Recherche nach bestimmten Berufsbildern für die Berufsanerkennung. Die Koordination läuft dabei über die jeweils zuständige Stelle (Kammer) vor Ort. Finden Sie sich hier wieder? Dann sprechen Sie uns gerne an. 

Zielgruppen

Das BQ-Portal bietet für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zuständigen Stellen (insbesondere Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Landwirtschaftskammern und Kammern der Freien Berufe) wertvolle Informationen und praktische Orientierungshilfen für die Bewertung ausländischer Berufsabschlüsse, denen als Referenzberuf in Deutschland ein bundesrechtlich geregelter dualer Aus- oder Fortbildungsabschluss zugrunde liegt. Informationen zu ausländischen Bildungsnachweisen, die z. B. einem schulischen, akademischen oder landesrechtlich geregelten Bildungsabschluss entsprechen, stellt die Datenbank anabin bereit.

Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Unternehmen. Diese finden hier Informationen, um beispielsweise im Ausland erworbene Qualifikationen und Abschlüsse von Bewerberinnen und Bewerbern oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besser einschätzen zu können. Weiterhin erhalten Unternehmen Informationen rund um die Berufsanerkennung im Zuge der Fachkräfteeinwanderung. Praxisbeispiele von Unternehmen, die bereits Anerkennungsprozesse begleitet haben, runden das Angebot für Unternehmen ab.

Weiterhin richtet sich das Portal an Beratungsstellen, die Fachkräfte mit ausländischen Berufsqualifikationen zu den Möglichkeiten der Anerkennung informieren und bei der Antragstellung unterstützen.

Auch Antragstellerinnen und Antragsteller mit ausländischen Berufsabschlüssen sowie Besucherinnen und Besucher finden im BQ-Portal wertvolle Informationen zu ausländischen Berufsbildungssystemen und Berufen. Die erste Anlaufstelle für Antragstellerinnen und Antragsteller ist allerdings die Seite von Anerkennung in Deutschland. Hier finden sie unter anderem einen Anerkennungsfinder zur Identifikation der für sie zuständigen Stellen,um einen Berufsabschluss in Deutschland anerkennen zu lassen.

Preisträger des European Public Sector Awards

Im November 2015 gewann das BQ-Portal den europäischen Wettbewerb "European Public Sector Award" für innovatives und effizientes Verwaltungshandeln in der Kategorie "European, National and Regional Award". Es setzte sich damit erfolgreich gegen 265 Vorschläge aus 36 europäischen Ländern durch. Die Auszeichnung durch das Europäische Institut für öffentliche Verwaltung (EIPA) stand unter dem Motto "Die öffentliche Hand als Partner für eine bessere Gesellschaft". Ausgezeichnet wurden herausragende Projekte, die mit innovativen Ideen zur Lösung von wichtigen gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen.

EPSA Award