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Abbildung Russland - aktuell

Russland

Gültigkeit Seit 01.09.2013
Amtssprache Russisch Russlandweit ist Russisch die allgemeingültige Amtssprache. Allerdings werden in 33 Teilrepubliken und autonomen Kreisen die jeweiligen Volkssprachen als zweite Amtssprache verwendet. Dies wird auch zum Beispiel durch den Einsatz im Unterricht, in den Massenmedien und der Kulturpolitik offiziell gefördert.

Beschreibung

Das staatliche Bildungswesen in der Russischen Föderation ist zentral organisiert: Die Struktur sowie zu einem großen Teil die Inhalte und die Anforderungen an das Lehrpersonal sind staatlich auf der föderalen Ebene vorgegeben. Allerdings delegierte bzw. trat die föderale Regierung einige Kompetenzen an die Föderationssubjekte und Munizipalitäten (kommunale Ebene) ab, sodass alle drei administrativen Ebenen an der Organisation und Verwaltung unterschiedlicher Bereiche des Bildungssystems beteiligt sind.

Grundlegend für das aktuelle Bildungssystem der Russischen Föderation ist das Föderale Gesetz Nr. 273 vom от 29.12.2012 „Über die Bildung der Russischen Föderation“, das sogenannte Bildungsgesetz (in Kraft seit 1.9.2013).

Laut dem Bildungsgesetz werden im allgemeinen Bildungswesen der Russischen Föderation folgende Stufen unterschieden:

1. vorschulische Bildung (дошкольное образование)
2. Grundschulbildung (начальное общее образование)
3. grundlegende Allgemeinbildung (основное общее образование); am Ende erwirbt man ein Zeugnis der grundlegenden Allgemeinbildung (аттестат об основном общем образовании)
4. mittlere Allgemeinbildung (среднее общее образование); man erwirbt ein Zeugnis der vollständigen Allgemeinbildung (аттестат о среднем общем образовании), nachdem man die Einheitliche staatliche Prüfung (Единый Государственный Экзамен/ЕГЭ) erfolgreich abgelegt hat.

In der beruflichen Bildung werden folgende Bereiche (Stufen) unterschieden:

1. mittlere Berufsbildung (среднее профессиональное образование):
1.1 Ausbildung von qualifizierten Arbeitern und Angestellten (подготовка квалифицированных рабочих и служащих), ehemals „grundlegende Berufsbildung", russ. Abk. NPO; am Ende erwirbt man ein Zeugnis der mittleren Berufsbildung mit Erwerb der Qualifikation als qualifizierter Arbeiter oder Angestellter (диплом о среднем профессиональном образовании с присвоением квалификации квалифицированного рабочего или служащего)

1.2 Ausbildung von Fachkäften der mittleren Ebene (подготовка специалистов среднего звена), ehemals "mittlere Berufsbildung", russ. Abk. SPO; am Ende erwirbt man ein Zeugnis über die mittlere Berufsbildung mit Erwerb der Qualifikation als Fachkraft der mittleren Ebene (диплом о среднем профессиональном образовании с присвоением квалификации специалистов среднего звена)

2. Hochschulbildung (высшее образование):
2.1 das Bachelorstudium (бакалавриат) endet mt dem Erwerb eines Bachelordiploms bzw. eines Diploms über die Bachelorqualifikation (диплом бакалавра) und des entsprechenden akademischen Grades
2.2 das Fachstudium und das Magisterstudium (специалитет, магистратура) enden mit dem Erwerb eines Fachdiploms (диплом специалиста) oder eines Magisterdiploms (диплом магистра) und des entsprechenden akademischen Grades
2.3 Ausbildung von Fachkräften der höchsten Qualifikationsebene (подготовка кадров высшей квалификации). Hierbei handelt es sich um die Vorbereitung des wissenschaftlich-pädagogischen Personals (научно-педагогические кадры) in Form von Promotion (аспирантура), Promotion im Militärbereich (адъюнктуре), Facharztausbildung (ординатура) und Promotion im Kunst- und Kulturbereich (ассистентура-стажировка). Die Absolventen erwerben den entsprechenden akademischen Grad/Titel und ein Diplom über den Abschluss des entsprechenden Promotionsstudiums sowie ein Diplom des Kandidaten der Wissenschaften (entspricht in etwas dem deutschen Doktorgrad aufgrund von Vereinbarungen zwischen Deutschland und Russland).

Neben dem beruflichen Bildungssystem gibt es noch zwei Bereiche, in denen (berufliche) Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse bzw. Qualifikationen erworben oder ausgeweitet werden können:

3. Weiterbildung (дополнительное образование):
3.1 allgemeine Weiterbildung (дополнительные общеразвивающие программы)
3.2 vorberufliche Weiterbildung (дополнительные предпрофессиональные программы)
3.3 berufliche Weiterbildung (дополнительное профессиональное образование) In der beruflichen Weiterbildung werden folgende Bereiche unterschieden:
3.3.1 Höherqualifizierung (повышение квалификации): Erwerb einer neuen oder Ausweitung/Verfeinerung einer bestehenden Kompetenz bzw. Steigerung des beruflichen Könnens im Rahmen der vorhandenen Qualifikation.
3.3.2 berufliche Umschulung (профессиональная переподготовка): Erwerb einer Kompetenz, die zum Ausführen einer neuen Arbeitsaufgabe notwendig ist oder Erwerb einer neuen Qualifikation.

Zielgruppe der beruflichen Weiterbildungsgänge sind Personen, die bereits einen Abschluss der mittleren Berufsbildung oder der Hochschulbildung haben, bzw. sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden. Ein beruflicher Weiterbildungsgang schließt mit einer Abschlussprüfung ab. Erfolgreiche Absolventen erhalten eine Bescheinigung über die Höherqualifizierung bzw. ein Diplom/Zeugnis über die berufliche Umschulung.

4. Außerdem gibt es noch einen Bereich des beruflichen Qualifikationserwerbs (профессиональное обучение), der nicht zum beruflichen Bildungssystem gehört und nicht mit einer Steigerung des (Aus-) Bildungsniveaus verbunden ist. Er besteht aus folgenden Richtungen:
4.1 Erwerb einer Kompetenz, einer Qualifikationsstufe, einer Berufsklasse oder -kategorie in einem Arbeiter- oder Angestelltenberuf
4.2 berufliche Vorbereitung in einem Arbeiter- oder Angestelltenberuf bei Personen ohne einen Berufsabschluss
4.3 Umschulung in Arbeiter- oder Angestelltenberufen
4.4 Höherqualifizierung innerhalb von Arbeiter- oder Angestelltenberufen

Solche Bildungsgänge enden ebenfalls mit einer Abschlussprüfung und sind daher u.U. ebenfalls relevant im Rahmen der Anerkennungsverfahren in Deutschland.

Für alle Bereiche (Stufen) des Bildungssystems wurden bzw. werden Bildungsstandards entwickelt, die Mindestanforderungen an Inhalte und die grobe zeitliche Planung der (Aus-) Bildungsgänge enthalten. Außerdem gibt es Ausbildungsstandards für einzelne Berufe, die ebenfalls berufs- und niveauspezifisch die zeitliche und inhaltliche Vorgaben definieren.

Quelle:

- das Bildungsgesetz 2012

Aktuelle Reformprozesse

Stand 2016:

Die Erarbeitung der Ausbildungsstandards orientierte sich bisher u.a. an den arbeitsmarktorientierten Beschreibungen der Berufsqualifikationen aus der sog. ETKS-Klassifikation (Einheitliches Verzeichnis der Tarife und Qualifikationen für Arbeitertätigkeiten und -berufe). Diese stellen Aufgabenbeschreibungen, notwendige Kenntnisse und Tätigkeitsbeispiele für jeden Beruf dar. Für Angestellte wird in diesem Kontext stattdessen das Einheitliche Verzeichnis der Qualifikationen für leitende Angestellte, Fachkräfte und sonstige Angestellten (russ. Abk. EKS) verwendet. In der Zukunft plant man, die ETKS- und EKS-Klassifikationen durch Berufsstandards, ergänzt durch einzelne Branchenanforderungen an Arbeiterklassifikationen, zu ersetzen. Für viele Berufe existieren bereits solche Berufsstandards. Informationen hierzu finden auf der Seite des Rechtsportals Consultant (Russisch).

Stand: 2013

Am 1. September 2013 ist ein neues Bildungsgesetz in der Russischen Föderation in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz gehen einige strukturelle Änderungen des gesamten Bildungswesens einher:

  1. Der Elementarbereich (Kindertagesstätten usw.) wird als eine eigenständige Bildungsstufe umdefiniert.
  2. Im Sekundarbereich der Allgemeinbildung wird die "mittlere vollständige Allgemeinbildung" in "mittlere Allgemeinbildung" umbenannt.
  3. Die bisher existierenden zwei Stufen der Berufsbildung - die "grundlegende" und die "mittlere Berufsbildung" - werden zu einer Berufsbildungsebene zusammengefasst - der "mittleren Berufsbildung" (russ. среднее профессиональное образование, russ. Abk. SPO). Diese Ebene ist jedoch in zwei Unterbereiche unterteilt:
    - Ausbildung von qualifizierten Arbeitern und Angestellten (ehemals "grundlegende Berufsbildung", russ. Abk. NPO) und
    - Ausbildung von Fachkäften der mittleren Ebene (ehemals "mittlere Berufsbildung", russ. Abk. SPO).
    Personen, die sich vor dem 1. September 2013 in NPO-Lehrgänge eingeschrieben haben, gelten als SPO-Auszubildende.
  4. Eine weitere für das Berufsbildungssystem relevante Änderung ist, dass das bisher als "berufliche Hochschulbildung" bekannte Hochschulstudium, seit dem 1. September 2013 als "Hochschulbildung" (ohne den Zustaz "beruflich") bezeichnet wird.

Für alle Stufen des Bildungswesens Bildungsstufen - vom Kindergarten bis zur Promotion - werden einheitliche föderale Bildungsstandards und Bildungsprogramme eingeführt. Staatlich akkreditierte Bildungseinrichtungen sind verpflichtet, diese Vorschriften in Ihrer Bildungstätigkeit einzusetzen.

Nach wie vor ist das Berufsbildungssystem vorwiegend vollzeitschulisch organisiert. Der theoretische Unterricht wird aber durch betriebliche Praxisphasen ergänzt.

Quellen:

- das Bildungsgesetz 2012

- Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation, 2013, Präsentation (in Russisch) "Gesetz über die Bildung - Änderungen und Neuerungen.pdf"

Seit der Einführung des neuen Bildungsgesetzes sollen demnächst weitere gesetzliche Vorschriften im Bildungswesen angepasst bzw. entwickelt werden.

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1992 bis 2013
Gültigkeit: 10.07.1992 - 30.08.2013

Beschreibung

Das russische Berufsbildungssystem war in diesem Zeitraum vorwiegend vollzeitschulisch organisiert. Der theoretische Unterricht wurde aber durch betriebliche Praxisphasen ergänzt. Es wurden zwei nicht-akademische berufliche Qualifikationsebenen angeboten:

  • grundlegende Berufsbildung (russ. начальное профессиональное образование, russ. Abk.: NPO) und
  • mittlere Berufsbildung (russ. среднее профессиональное образование, russ. Abk.: SPO).

Diese führten zu Abschlüssen, die auf zwei verschiedenen betrieblichen Hierarchiebenen angesiedelt waren: Arbeiter (bei NPO) und mittleres Leitungspersonal (russ. Techniker, Meister, bei SPO). Für alle Ausbildungsformen galten und gelten einheitliche föderale staatliche Mindestanforderungen bzw. Bildungsstandards. Das konkrete Bildungsprogramm und der Lehrplan einer Bildungsinstitution wurden auf der Basis der entsprechenden föderalen Bildungsstandrds erarbeitet und um regionale sowie schulspezifische Aspekte ergänzt.

Systemimmanente Probleme:

  • Die Leistungsfähigkeit des Berufsbildungssystems hinkt den Anforderungen der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes hinterher.
  • Das Berufsbildungssystem kann momentan nicht adäquat auf die demografischen Entwicklungen reagieren.
  • Das russische Berufsbildungssystem integriert sich zu langsam in die internationale Bildungslandschaft.
  • Popularität der Hochschulbildung in Zukunftsplänen von Schulabsolventen und die dadurch gestiegenen Studierendenzahlen lassen die Hochschulbildung zu einem Massenphänomen werden - auf Kosten des berufsbildunden Bereichs (NPO- und SPO-Bereich).
  • Eine ganzheitliche Strategie zur Modernisierung der Ingenieursausbildung fehlt.

Quelle: Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation, Michailow, N. N., 2011

Prioritäre Reformrichtungen:

  • Erneuerung der Ausbildungsinhalte: Einführung neuer Bildungsstandards auf allen Ebenen des Berufsbildungssystems (Kompetenzansatz, Beteiligung der Arbeitgeber),
  • Qualitative Anpassung der Lernumgebungen und Modernisierung der Lehrprozesse: Pilotprojekte zur Erprobung der Programme des "angewandten Bachelors" in 49 Bildungseinrichtungen (vorwiegend SPO), Fachrichtungen: Metallurgie, Maschinenbau, Metalverarbeitung, Informatik und EDV, Wirtschaft und Management, Pädagogik, Energiewissenschaft, Energie-Maschinenbau, Elektrotechnik,
  • Personalmaßnahmen im Bildungsbereich,
  • Aufbau eines externen unabhängigen Qualitätsprüfungssystems für das Bildungswesen: Bildung eines staatlichen Gremiums zur Qualitätsprüfung, eines Zertifizierungssystems für Qualifikationen von Absolventen, Akkreditierungsmodelle für Bildungsprogramme und Expertise der Ergebnisse der beruflichen Bildung,
  • Ausbau des Netzes von beruflichen Bildungseinrichtungen und Entwicklung einer Grundlage zur Kooperation verschiedener Verwaltungsebenen des Berufsbildungssystems (Regionalisierung und Diversifikation des NPO- und SPO-Bereichs, Optimisierung des föderalen Netzes der NPO- und SPO-Einrichtungen, bspw. Klasterung), Weiterentwicklung der Elitehochschulen in föderaler Zuständigkeit),
  • Bessere Verzahnung zwischen dem BBiS und der Wirtschaft, stärkere Regionalisierung, Förderung von besonders herausragenden Bildungseinrichtungen.

Quelle: Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation, Michailow, N. N., 2011

Bildungsstatistik (Stand 01.10.2010):

  • Grundlegende Berufsbildung (NPO): 2.658 Bildungseinrichtungen und 1 Mio. Studenten;
  • Mittlere Berufsbildung (SPO): 2.866 Bildungseinrichtungen und mehr als 2 Mio. Studenten;
  • Hochschulbereich: 1.114 Bildungseinrichtungen und mehr als 7 Mio. Studenten.

Fazit: Priorität des Hochschulstudiums im Vergleich zur beruflichen Bildung (Verteilung der Absolventen 2009/2010 ungefähr: NPO 21% / SPO 24% / WPO 55%); Weiter-/Fortbildungsbereich: 1.547 Bildungseinrichtungen (Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen) und 0,154 Mio. Teilnehmer.

Anteil der Bildungsausgaben im Budget der Russischen Föderation 2009: 4 Prozent.

Quelle: Ministerium für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation, Michailow, N. N., 2011

Berufsbildungssystem zur Zeit der Sowjetunion von 1950 bis 1992
Gültigkeit: 01.01.1950 - 10.07.1992

Beschreibung

Eine Beschreibung des Berufsbildungssystems der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, kurz UdSSR, findet sich hier.