Länderprofil
Abbildung Libyen

Libyen

Gültigkeit Seit 01.01.1969
Amtssprache Arabisch

Beschreibung

Das libysche Bildungssystem ist stark zentralisiert. Schulpflicht besteht für 9 Jahre, davon 6 Jahre in der Grundschule und 3 Jahre in einer weiterführenden Schule.

Berufliche Qualifikationen können in Libyen an Schulen und Einrichtungen des Bildungsministeriums  (Ministry of Education / وزارة التربية والتعليم) erworben werden, das für die Organisation und die Entwicklung der Lehrpläne zuständig ist. Die meisten beruflichen Qualifikationen werden an Sekundarschulen erworben. Anders als in Deutschland ist in Libyen der Bereich der allgemeinen Schulbildung nicht klar vom beruflichen Bildungssektor zu trennen. So gehört in Libyen die rein schulische Ausbildung an der Technischen Sekundarschule bereits zur beruflichen Bildung.

Nach Abschluss der ersten 9 Schuljahre (6 Jahre Grundschule und 3 Jahre Elementarschule) können libysche Schüler/innen zwar ihre präferierten weiterführenden Bildungseinrichtungen angeben, zugeteilt werden sie jedoch entsprechend ihrer Ergebnisse in der Abschlussprüfung (Basic Education Certificate / شهادة اتمام مرحلة التعليم الاساسى).

Die Oberstufe der Sekundarschule gliedert sich in einen allgemeinbildenden und einen beruflich orientierten Bereich. An der 3-jährigen allgemeinbildenden Oberstufe (General Secondary School/ الثانوية العامة), die ab der 11. Klasse in einen literarisch-geisteswissenschaftlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig aufgeteilt wird, können Schüler/innen die allgemeine Hochschulreife (General Certificate of Secondary Education/ شهادة الثانوية العامة) erwerben. Allerdings ist die Belegung von mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge von Absolventen des literarisch-geisteswissenschaftlichen Zweiges nicht vorgesehen. Darüberhinaus können libysche Schüler/innen an den beruflichen und technischen Sekundarschulen folgende berufliche Abschlüsse (bzw. Fachabitur) erwerben:

An der 3-jährigen technischen Sekundarschule können Schüler/innen im Bereich Industrie den Abschluss „Industrial Secondary Schools Diploma/ دبلوم المدارس الثانوية الفنية الصناعية”, im Bereich Handel den Abschluss „Technical Secondary Schools of Commerce Diploma/ دبلوم المدارس الثانوية الفنية التجارية” sowie im Bereich Landwirtschaft den Abschluss „Technical Secondary Schools of Agriculture Diploma/ دبلوم المدارس الثانوية الفنية الزراعية“ erwerben.

Nach Abschluss der Technischen Sekundarschule können Inhaber eines überdurchschnittlichen Diploma ein Studium in ihrer jeweiligen Fachrichtung an einer Universität aufnehmen. Wenn die Note für ein universitäres Studium nicht ausreicht, können die Absolventen auf ein Höheres Technisches Institut  (High Institute/ معهد عالى اربعة سنوات) wechseln, um dort nach einem 4-jährigen Studium einen Bachelor (بكالريوس ) zu erlangen. Absolventen, deren Notendurchschnitt weder die Anforderungen für die Zulassung zur Universität noch zum Höheren Technischen Institut erfüllt, haben die Möglichkeit, ein 2-jähriges, staatliches Technisches Institut (Intermediate Institute, معهد متوسط سنتان) zu besuchen und dort ein „Industrial Institute Diploma/ دبلوم المعاهد الفنية الصناعية” zu erwerben.

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten finden sich in der Industrie, bei privaten Bildungsanbietern oder im informellen Sektor, der vielen Jugendlichen über das Prinzip „Learning by Doing“ einen Einstieg in das Berufsleben ermöglicht. Manche Unternehmen betreiben darüber hinaus eigene Ausbildungszentren.

Neben den Technischen Sekundarschulen, die dem Bildungsministerium unterstellt sind, betreiben zahlreiche Ministerien eigene oder ihnen unterstellte Berufsbildungszentren (z.B. das Verteidigungsministerium, das Ministerium für Handel und Industrie, das Ministerium für Hochschulwesen, das Gesundheitsministerium, das Bauministerium, das Landwirtschaftsministerium, das Ministerium für Arbeitskräfte und Migration sowie das Ministerium für soziale Angelegenheiten).

Das Weiterbildungsangebot fällt in die weitgehende Verantwortung des Arbeitsministeriums. Dieses betreibt vier Zentren, die sich auf den Bausektor, Ingenieurberufe, Soft Skills, IT und Management spezialisiert haben. Jedoch finden hier die meisten Angebote in etwa 450 privaten Zentren statt, wobei sich die Angebote hauptsächlich auf die englische Sprache, IT und die Management konzentrieren.

Landesspezifische Besonderheiten

Das Bildungssystem in Libyen ist stark zentralisiert. Sämtliche Lehrpläne, Schulbücher und Prüfungen für das allgemeine Schulwesen werden vom Bildungsministerium (Ministry of Education) erstellt. Auch Privatschulen werden vom Ministerium regelmäßig kontrolliert. Das libysche Berufsbildungssystem zeichnet sich durch eine Vielzahl von Parallelstrukturen aus und ist in seiner Gesamtheit sehr komplex.

Libyen ist ein, geografisch betrachtet, großes Land und hat eine Bevölkerung von fast sechseinhalb Millionen Menschen (2011). Neunzig Prozent der Bevölkerung leben in weniger als 10% des Landes, vor allem in den vier großen Städten an der Küste. Die Bevölkerungswachstumsrate verlangsamte sich von einem jährlichen Wachstum von 2,17% im Jahr 2007 auf 1,06% im Jahr 2011.

Die 15-Jährigen machen derzeit fast 30% der Bevölkerung aus, was erhebliche öffentliche Investitionen in Bildung, Gesundheit, Beschäftigung, Wohnen und Infrastruktur erfordert. Derzeit steigt der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (15-64) immer noch an (65%), während der Anteil der Altersgruppe 65+ gering ist (4,88%; 2011).

Libyen ist eines der wichtigsten Zentren Afrikas für irreguläre Migranten, insbesondere auf dem Weg nach Europa. Es ist auch ein attraktives Ziel für Arbeiter aus den arabischen Nachbarstaaten und Wirtschaftsmigranten aus den angrenzenden Ländern südlich der Sahara. Obwohl aufgrund fehlender Daten bei der Verwendung von Statistiken Vorsicht geboten ist, wird geschätzt, dass vor der Krise im Jahr 2011 bis zu 2,5 Millionen Ausländer in Libyen gelebt haben (International Organisation for Migration, 2011).

Weiterführende Informationen

Quellen und Links
Informationen des Auswärtigen Amtes