Länderprofil
Darstellung des Berufsbildungssystems Syriens. Die Inhalte der Grafik werden im folgenden Text ausführlich beschrieben

Syrien

Gültigkeit Seit 01.09.2014
Amtssprache Arabisch

Beschreibung

Das syrische Bildungssystem ist stark zentralisiert. Schulpflicht besteht für 9 Jahre, davon 6 Jahre in der Grundschule und 3 Jahre in einer weiterführenden Schule.

Berufliche Qualifikationen können in Syrien an Schulen und Einrichtungen des Bildungsministeriums (Ministry of Education (MoE)/ وزارة التربية والتعليم) und des Ministeriums für Hochschulwesen (Ministry of Higher Education (MoHE)/ وزارة التعليم العالي) erworben werden, die für die Organisation und die Entwicklung der Lehrpläne zuständig sind. Die meisten beruflichen Qualifikationen werden an Sekundarschulen erworben. Anders als in Deutschland ist in Syrien der Bereich der allgemeinen Schulbildung nicht klar vom beruflichen Bildungssektor zu trennen. So gehört in Syrien die großteils schulische Ausbildung an der Technischen Sekundarschule bereits zur beruflichen Bildung.

Nach Abschluss der ersten 9 Schuljahre (6 Jahre Grundschule und 3 Jahre weiterführende Schule) können syrische Schüler/innen zwar ihre präferierten weiterführenden Bildungseinrichtungen angeben, zugeteilt werden sie jedoch entsprechend ihrer Ergebnisse in der Abschlussprüfung (Basic Education Certificate / شهادة اتمام مرحلة التعليم الاساسى).

Die Oberstufe der Sekundarschule gliedert sich in einen allgemeinbildenden und einen beruflich orientierten Bereich. An der 3-jährigen allgemeinen Sekundarschule (General Secondary School/ الثانوية العامة), die ab der 11. Klasse in einen literarisch-geisteswissenschaftlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig aufgeteilt wird, können Schüler/innen die allgemeine Hochschulreife (Baccalaureate diploma / البكالوريا) erwerben. Allerdings ist die Belegung von mathematisch-naturwissenschaftlichen Studiengänge von Absolventen des literarisch-geisteswissenschaftlichen Zweiges nicht vorgesehen. Darüber hinaus können syrische Schüler/innen an den beruflichen und technischen Sekundarschulen folgende berufliche Abschlüsse (bzw. Fachabitur) erwerben:

An der 3-jährigen technischen Sekundarschule können Schüler/innen im Bereich Industrie den Abschluss Industrial Secondary Schools Diploma/ شهادة الثانوية المهنية الصناعية, im Bereich Handel den Abschluss Technical Secondary Schools of Commerce Diploma/ شهادة الثانوية المهنية التجارية, im Bereich Landwirtschaft den Abschluss Technical Secondary Schools of Agriculture Diploma/ شهادة الثانوية المهنية الزراعية sowie im Bereich Hauswirtschaft den Abschluss Secondary School of Home Economics Diploma/ شهادة الثانوية المهنية النسوية erwerben. Eine Übersicht über die Ausbildungsberufe an den technischen Sekundarschulen finden Sie hier.

Nach Abschluss der technischen Sekundarschule können Inhaber/innen eines überdurchschnittlichen Diploms ein Studium in ihrer jeweiligen Fachrichtung an einer Universität aufnehmen. Allerdings erfüllen die meisten Absolvent/innen die Anforderungen (sehr gute Noten) für die Hochschulzulassung nicht und haben dementsprechend nur die Möglichkeit, ein zweijähriges, staatliches technisches Institut (Technical Intermediate Institute/ معهد فنى متوسط) zu besuchen. Dort können sie ein Technical Institute Diploma/ دبلوم المعاهد التقنية erwerben. Bis 2007 lief dieser Abschluss unter dem Titel lizensierte/r Assistent/in (مساعد المجاز).

Neben den Technischen Sekundarschulen bieten einigen Ministerien Ausbildungsprogramme an - z. B. in den Bereichen Bau, Industrie, Landwirtschaft und Gesundheit. Diese Ausbildungsprogramme sind sehr heterogen (Ausbildungsinhalte und Abschlussbezeichnungen variieren stark) und richten sich - abhängig vom Programmzweck - an verschiedene Zielgruppen (z. B. Weiterbildungsprogramme für Schulabbrecher/innen und junge Arbeitslose oder Sprach- und Informatikkurse). Allerdings sind solche Programme in der Regel nicht kontinuierlich (kurze Laufzeiten, solange es finanzielle Mittel gibt) und stellen nur einen Bruchteil des gesamten Berufsbildungsangebote dar.

Zudem bietet das UNRWA (United Nations Relief and Works Agency) der Vereinigten Nationen einige Ausbildungsprogramme an, die sich an die palästinensischen Flüchtlinge in Syrien richten. Die UNRWA Programme sind in zwei Gruppen geteilt: die zweijährigen sogenannten "Semi Professional Courses" für Absolvent/innen der 12. Klasse, sowie die ein- bis zweijährigen "Trade Courses" für die Absolvent/innen der 9./10. Klasse. Diese Programme umfassen ca. 50 verschiedene Ausbildungsangebote, die sich auf die Fachrichtungen Handel, Industrie (überwiegend als Auto- oder Elektromechaniker), Pharmazie sowie Informatik verteilen. Die UNRWA-Ausbildungsangebote haben vergleichsweise einen höheren Praxisanteil und führen zum Erwerb eines staatlich anerkannten Certificate- bzw. Diploma-Abschlusses/دبلوم التدريب المهنى والفنى. Weitere Informationen zum UNRWA-Lehrprogramm finden Sie hier.

Als Alternative zu den bereits genannten Ausbildungswegen entscheiden sich in Syrien viele Jugendliche für eine Ausbildung direkt im Betrieb. Diese Möglichkeit bietet ihnen über das Prinzip „Learning by Doing“ einen direkten Einstieg in das Berufsleben.

Für manche Berufe (z. B. Friseur, Kfz-Mechatronik, Elektronik) gibt es an ausgewählten Privatschulen kostenpflichtige Kurse ohne besondere Zulassungsvoraussetzungen. Diese Kurse sind teilweise staatlich autorisiert. Am Ende eines solchen Kurses wird eine Prüfung durchgeführt, in welcher die Prüflinge ihr Können und Wissen unter Beweis stellen. Das Bestehen der Prüfung wird mit einem Zertifikat bescheinigt, das von der jeweiligen Schule sowie vom syrischen Gewerkschaftsbund (General Federation of Artisans Associations in S.A.R.) ausgestellt wird und zur Ausübung des Berufs sowie zur beruflichen Selbstständigkeit berechtigt. Oftmals geht dem Absolvieren einer solchen Prüfung eine langjährige Berufserfahrung voraus.

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten in Syrien finden sich in der Industrie sowie bei privaten Bildungsanbietern. Manche Unternehmen betreiben darüber hinaus eigene Ausbildungszentren.

Landesspezifische Besonderheiten

Das Bildungssystem in Syrien ist stark zentralisiert. Sämtliche Lehrpläne, Schulbücher und Prüfungen für das allgemeine Schulwesen werden vom Bildungsministerium bzw. vom Ministerium für Hochschulwesen erstellt. Auch Privatschulen werden regelmäßig vom Bildungsministerium kontrolliert. Neben den technischen Sekundarschulen, die dem Bildungsministerium unterstellt sind, betreiben zahlreiche Ministerien eigene oder ihnen unterstellte Berufsbildungszentren (z. B. das Ministerium für Handel und Industrie, das Gesundheitsministerium, das Bauministerium, das Landwirtschaftsministerium, das Ministerium für Arbeitskräfte und Migration sowie das Ministerium für soziale Angelegenheiten).

Weitere Informationen zum Bildungssystem in Syrien und zum Bildungsstand syrischer Geflüchteter finden Sie im Kurzbericht 20.2016 des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln).

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1978 bis 2014

Gültigkeit: 01.09.1978 - 31.08.2014

Beschreibung

Entstehung neuer Abschlüsse in der beruflichen Bildung aufgrund des Krieges im Land.