Länderprofil
Abbildung Ukraine - aktuell

Ukraine

Gültigkeit Seit 01.06.1991
Amtssprache Ukrainisch Die Staatssprache ist Ukrainisch, als Verkehrssprache wird auch Russisch verwendet. Im Süden und Osten der Ukraine wird überwiegend Russisch gesprochen. Regional werden auch weitere Sprachen wie Rumänisch, Moldavisch, Ungarisch und Polnisch verstanden. Im Juni 2012 wurde ein Gesetzentwurf zur Einführung des Russischen als zweite Amtssprache vom Parlament in 1. Lesung beschlossen.

Beschreibung

Im Gegensatz zum zentralistisch ausgerichteten Bildungssystem ist das Berufsbildungssystem seit 2007 einem zunehmenden Dezentralisierungsprozess qua gesetzlichem Dezentralisierungsdekret unterworfen und zielt auf eine langfristige Übertragung der Berufsbildungsfinanzierung und des Berufsbildungsmanagements auf die Regionalebene.

Insgesamt gab es 2009 1307 Bildungsanbieter von denen die Hälfte Berufsschulen sind sowie 173 Colleges [коледжі/koledzhi]. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass viele Berufsschulen in sogenannte Colleges umbenannt wurden. Es gibt jedoch keine Übereinstimmung zwischen der Bezeichnung einer Bildungsinstitution und dem damit verbundenen Bildungsniveau sowie deren Qualität. Lediglich Lehrplaninhalt und Zeugnis/ Diplom geben Aufschluss über Niveau und Qualität des Bildungsabschlusses.

Das Berufsbildungssystem ist dreistufig und stellt dabei eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Stufen sicher.

Die erste Stufe [першого ступеню/pershogo stupenyu] vermittelt kursartig eine berufliche Anfangsausbildung, insbesondere im Produktions- und Dienstleistungsbereich  und dauert zwischen einer Woche und einem Jahr. Es besteht keine Zugangsbeschränkung zu den Bildungseinrichtungen der ersten Stufe (Berufsbildungskurse, Berufsschulen, Bildungs- und Produktionszentren). Eine abgeschlossene Sekundarstufe I ist hierfür nicht erforderlich. Die erste Stufe wird mit einem Zeugnis (Свiдоцтво) abgeschlossen.

Die zweiten Stufe der Berufsbildung [другого ступеню/drugogo stupenyu] vermittelt technisches Wissen, Theorietransfer und die Fähigkeit zur Durchführung komplexer operativer Prozesse. Die Ausbildung findet sowohl in Berufsschulen [училища/uchylyshcha] als auch in spezialisierten technischen Berufsschulen [технікуми/technikumy] sowie in Bildungs- und Produktionszentren statt. Die Dauer der zweiten Stufe variiert je nach Eingangsqualifikation. Zugangsvoraussetzung ist jedoch der Abschluss der allgemeinbildenden Sekundarstufe I nach der 9. Klasse. Die zweite Stufe wird mit dem Diplom „Qualifizierter Arbeiter“ [диплом кваліфікованого робітника/dyplom kvalifikovanogo robitnika] abgeschlossen und ermöglicht die Ausübung eines Berufs.

Ausnahmeregelungen ermöglichen auch Personen, die die Sekundarstufe I nicht abgeschlossen haben, den Zugang zur Berufsausbildung in ausgewählten Berufen.

Die dritte Stufe der Berufsbildung [третього ступеню/tret'ogo stupenyu] vermittelt spezialisierte technische Fachkenntnisse, den Umgang mit komplexen Technologien sowie die Fähigkeit zur Problemlösung in atypischen Situationen. Die Ausbildung findet an höher spezialisierten Colleges statt. Zugangsvoraussetzung zur dritten Stufe ist der Abschluss der Sekundarstufe II nach der 11. Klasse. Bei nicht Vorliegen einer vollständigen Sekundarbildung kann diese im Rahmen einer zweijährigen, komplementären Ausbildung parallel erworben werden. Die dritte Stufe wird mit dem Diplom „Qualifizierter Arbeiter“ [диплом кваліфікованого робітника/dyplom kvalifikovanogo robitnika] abgeschlossen oder mit einem Diplom „Junior Spezialist“ [диплом молодшого спеціаліста/dyplom molodshogo spetsialista].

Mit dem Abschlusszeugnis wird auch eine Einstufung in eine Gehaltsklasse zugewiesen.

Landesspezifische Besonderheiten

Die Ukraine gliedert sich in 24 Provinzen (oblasts), eine autonome Republik Krim und 490 Regionen (raions). Neben der autonomen Republik Krim verfügen die Städte Kiev und Sevastopol ebenfalls über  Verwaltungsautonomie.

Das gesamte Bildungssystem sowie das Berufsbildungssystem ist seit der Deklaration der Souveränität der Ukraine am 16. Juli 1990 und seit der Veröffentlichung des Gesetzes der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik - über die Bildung im Juni 1991 einem weitgehenden Reformprozess unterworfen. Am 3. November 1991 wurde ein staatliches Bildungsprogramm "Bildung - Die Ukraine im 21. Jahrhundert" (Osvita - Ukrajina XXI stolittja) verabschiedet. Es stellte eine systematisierte und konkretisierte Gesamtkonzeption zur Reform und Reorganisation des Bildungswesens dar.

Im Rahmen der seit 1991 durchgeführten  Bildungsreform (Reorganisation der beruflichen Spezialisierung, Erhöhung des Qualifikationsniveaus der Lehrkräfte, Überarbeitung der Lehrpläne, Ausrichtung der Lehrinhalte an den Anforderungen des Arbeitsmarktes, Kooperation zwischen dem Berufsbildungssektor und den Universitäten) wurden verschiedene technische und berufsbildende  Ausbildungen in den Bereich der höheren Bildung überführt. Gleichzeitig wurden vier institutionelle Akkreditierungsstufen eingeführt, von denen die Akkreditierungsstufen eins bis drei für den Bereich der beruflichen Bildung relevant sind, die vierte Stufe bezieht sich auf den Bereich der Hochschulbildung.

Seit 1996 wurden zahlreiche grundlegende Gesetze für die Bildungsreform verabschiedet. Die Reform der Berufsbildung ist im Gesetz über die Berufsbildung von 1998 und dem Gesetz über die gestufte Berufsbildung von 1999 geregelt, zu deren Umsetzung weitere Rechtsakte erfolgten.

Aktuelle Reformprozesse

Das Berufsbildungssystem ist seit 2007 einem zunehmenden Dezentralisierungsprozess in Hinblick auf die Verbesserung von Effizienz und Ansprechbarkeit durch ein gesetzliches Dezentralisierungsdekret unterworfen und zielt auf eine langfristige Übertragung der Berufsbildungsfinanzierung und des Berufsbildungsmanagements auf die Regionalebene. In drei Modellregionen, den Städten Kiew, Kharkov und Lemberg wird dieses Modell seit 2007 praktiziert bevor es landesweit Anwendung finden soll und mit einer konkrete Budgetzuordnung für den Berufsbildungsbereich ausgestattet wird.

Im Jahr 2007 wurde ein Rat zur Berufsberatung der Bevölkerung eingerichtet, der jedes Jahr etwa 1 Million Schüler im Zusammenhang mit deren Berufswahl berät.

Im Jahr 2009 wurde das Berufsbildungssystem reorganisiert und 43 Institutionen restrukturiert. Seit 2010 werden die Direktoren staatlich geführter Institutionen im technisch berufsbildenden Bereich durch die Behörden auf Regionalebene ernannt und entlassen. Gleichzeitig wurde die Einrichtung gemeinsamer  berufsbildender Zentren von Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Industrie für die am meisten nachgefragten Berufe auf dem Arbeitsmarkt implementiert.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Zuständigkeiten:

Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft ist für die allgemeine Organisation und Überwachung des Bildungsbereichs zuständig. Verschiedene Bildungseinrichtungen sind dem Gesundheitsministerium, dem Ministerium für Kultur sowie dem Ministerium für Landwirtschaft unterstellt, das Bildungsministerium ist diesen gegenüber im Bildungsbereich weisungsbefugt.

Die Verwaltung der Berufsbildung wird auf nationaler Ebene durch ein speziell bevollmächtigtes zentrales Exekutivorgan für den Bereich der Berufsbildung geregelt, dessen Funktionen gegenwärtig vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft ausgeübt werden. Es hat unter anderem die Aufgaben, die Durchsetzung der staatlichen Berufsbildungspolitik zu organisieren und Entwicklungsperspektiven zu umreißen sowie Gesetzesentwürfe, das staatliche Verzeichnis der Ausbildungsberufe, staatliche Berufsbildungsstandards, Rahmenlehrpläne, Curricula und andere Rechtsakte mit Bezug auf das Funktionieren der Berufsbildung auszuarbeiten. Darüber hinaus ist es für die Gründung, Auflösung und Lizensierung der berufsbildenden Schulen zuständig.

Daneben existiert als Koordinationsorgan der Branchenübergreifende Rat für Berufsbildung, dem der Stellvertretende Ministerpräsident, leitende Vertreter verschiedener Ministerien, Parlamentsabgeordnete, Wissenschaftler und Vertreter der Arbeitgeberverbände angehören. Auf regionaler Ebene gibt es eigene Organe der Bildungsverwaltung. Auf lokaler Ebene schließlich liegt die Verwaltung der Berufsschule in den Händen des Direktors, der vom Bildungsministerium angestellt ist.

Die Lokalverwaltung ist in den Regionen für das Bildungssystemmanagement zuständig und arbeitet mit den von staatlicher Seite lizensierten Bildungsanbietern zusammen um eine Übereinstimmung der Lehrinhalte mit den Arbeitsmarktbedürfnissen zu gewährleisten.     


Quellen und weiterführende Informationen:

Informationen zum ukrainischen Berufsbildungssystem und zu aktuellen Reformprozessen herausgegeben von der European Training Foundation (ETF).  
(Zugriff: 31.01.2013)

ETF Länderbericht Ukraine 2010
(Zugriff: 31.01.2013)

Bildungsbericht der UNESCO (Hrsg.): World Data on Education 7th edition, 2010/ 2011
(Zugriff: 31.01.2013)

Länderbericht zum Bildungssystem der Ukraine 2009
A Nordic Recognition (Norric) Network Country Report (Hrsg.): The Educational System of Ukraine, 2009
(Zugriff: 31.01.2013)

Berufliche Bildung und Ausbildung in der Ukraine 2002
National Observatory of Ukraine (Hrsg.): Vocational education and training in Ukraine 2002,
(Zugriff: 31.01.2013)

Informationen zum Berufsbildungssystem der Ukraine 2000
Dorner, Martina/ Hellwig, Wolfgang: Ukraine, in Carl Duisberg Gesellschaft (Hrsg.): Internationales Handbuch der Berufsbildung Band 9, Lauterbach, Answald 2000.

Berufsbildungssystem der Ukraine
(Zugriff: 31.01.2013)

 

Informationen des Auswärtigen Amtes