Länderprofil
Abbildung Tunesien - aktuell

Tunesien

Gültigkeit Seit 17.02.1993
Amtssprache Arabisch Die offizielle Amtssprache Tunesiens ist Arabisch. Französisch ist im gesamten Land als Handels- und Bildungssprache gebräuchlich. Während Arabisch als Unterrichtssprache in der Grundbildung genutzt wird, ist Französisch als Unterrichtssprache ab dem Lyzeum verpflichtend.

Beschreibung

Das tunesische Berufsbildungssystem ist zentralstaatlich organisiert und unterliegt vorwiegend der Verantwortung des Ministeriums für Berufsbildung und Beschäftigung (Ministère de la Formation Professionnelle et de l’Emploi). Einige berufsbildende Ausbildungsgänge liegen in der Zuständigkeit weiterer Ministerien wie beispielweise dem Ministerium für Landwirtschaft und dem Ministerium für Gesundheit.

Dem Ministerium für  Berufsbildung und Beschäftigung sind vier Agenturen zugeordnet:

  • die tunesische Agentur für berufliche Bildung (Agence Tunisienne de la Formation Professionnelle, ATFP), welche die meisten Ausbildungszentren betreibt,
  • das nationale Zentrum zur Ausbildung der Ausbilder und Bildungsangebote (Centre National de Formation des Formateurs et de l’Ingéniérie de Formation, CENAFFIF), welches für die Entwicklung der Lehrpläne zuständig ist,
  • die tunesische Agentur für Beschäftigung und Selbstständigkeit (Agence Tunisienne pour l’Emploi et le Travail Indépendant, ANETI) sowie
  • das nationale Zentrum für Weiterbildung und berufliche Förderung (Centre National de Formation Continue et de la Promotion Professionnelle, CNFCPP).

Das Ministerium für Berufsbildung und Beschäftigung betreibt 24 regionale Direktionen.

Die Kinder werden mit 6 Jahren eingeschult (in Tunesien besteht Schulpflicht) und werden einheitlich (d.h. keine Trennung in Haupt-, Realschule oder Gymnasium) unterrichtet. Offizielle Unterrichtssprache ist arabisch, französisch wird ab der 3. Klasse gelehrt. Am Ende der 9. Klasse erhalten die Schüler nach bestandenen Prüfungen das "Diplôme de Fin d'Etudes de l'Enseignement de Base" (vergleichbar mit dem deutschen Haupt- bzw. Realschulschulabschluss) und qualifizieren sich damit für die Sekundarschule. In der 10. und 11. Klasse werden die Schüler noch gemeinsam unterrichtet. Ab der 12. Klasse können sich die Jungen und Mädchen auf verschiedene Fachgebiete spezialisieren, in welchen sie auch das "Baccalauréat" (Abitur) ablegen.

Nach dem Abschluss der neunjährigen Grundbildung (Enseignement de base)  können Jugendliche eine zweijährige berufliche Erstausbildung absolvieren. Der vorherige Abschluss der Grundbildung (Diplôme de fin de l’enseignement de base) ist hierfür nicht verpflichtend. Die Ausbildung wird mit dem Certificat d’Aptitude Professionnelle -CAP abgeschlossen.

Schüler, die das zweite Sekundarschuljahr abgeschlossen haben, haben außerdem die Möglichkeit, in die Berufsbildung zu wechseln und eine zweijährige Ausbildung zu absolvieren. Die Ausbildung wird mit dem Brevet de Technicien Professionnel -BTP abgeschlossen. Zugang zu dieser Ausbildung haben außerdem Inhaber des Certificat d’Aptitude Professionnelle -CAP.

Absolventen der Sekundarschule (Inhaber des Baccalauréat) sowie Inhaber des Brevet de Technicien Professionnel haben die Möglichkeit, eine zweijährige höhere Fachausbildung zu absolvieren. Diese wird mit dem Abschluss Brevet de Technicien Spécialisé -BTS abgeschlossen.

Die oben genannten Abschlüsse können über drei verschiedene Bildungswege erworben werden:

  • über die sog. „formation en temps plein“, einer vorwiegend schulischen Ausbildung in einer Berufsschule (Établissement de Formation), die mit einem Praktikum im Betrieb beendet wird,
  • über die sog. „formation par voie d‘ apprentissage “, einer vorwiegend betrieblichen Lehre, die zum Teil im Betrieb und zum anderen Teil in einer Berufsschule (Établissement de Formation) stattfindet und
  • über die sog. „Alternance“, eine duale Ausbildung, die zum Teil im Betrieb und zum anderen Teil in einer Berufsschule (Établissement de Formation) stattfindet.

Die Berufsschulen in Tunesien können in staatlicher oder in privater Trägerschaft sein.

Weiterbildungsgänge werden von Unternehmen im Rahmen ihres Personalmanagements und von öffentlichen und privaten Bildungseinrichtungen angeboten. Eine Teilnahmebescheinigung wird ausgestellt. Es gibt keine gesonderten Weiterbildungsabschlüsse, die Weiterbildungsabschlüsse sind die Abschlüsse der Erstausbildung.

Landesspezifische Besonderheiten

Das tunesische Berufsbildungssystem ist stark an das französische Berufsbildungssystem angelehnt.

Die teilbetriebliche Berufsausbildung  entwickelt sich in Tunesien nur langsam. Bisher erfolgt der überwiegende Teil der Berufsausbildung in den ca. 130 über das gesamte Land verteilten Berufsbildungszentren. In diesen wird das gesamte Spektrum der Berufe in Tunesien abgedeckt. Die folgenden Abschlüsse stellen die am meisten erworbenen Berufsqualifikationen in Tunisien dar : - CAP: (Certificat d'aptitude professionnelle) - vergleichbar mit dem deutschen Gesellen, Dauer   ca. 18 Monate - BTP: (Brevet de technicien professionnel) - weiterführende Ausbildung, Dauer ca. 2 Jahre - BTS: (Brevet de technicien superieur) - Meisterausbildung, Dauer ca. 3 Jahre.

Aktuelle Reformprozesse

Im Zuge der Revolution von 2011 wurde eine neue Reform der Berufsbildung angestoßen. Diese findet ihre Ausgestaltung im Nationalen Plan zur Reform der Berufsbildung 2014-2018.

Im Jahr 2008 wurde ein neuer Abschluss eingeführt. Der Zugang zur Erstausbildung steht für Lernende offen, die die neun Jahre Grundbildung absolviert haben. Ausbildungssuchende, die die Schulniveaubedingungen nicht erfüllen, können eine vorbereitende Ausbildung von mind. sechs Monaten durchlaufen und dabei das Certificat de Compétence -CC  erwerben. Personen, die das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, können einen Vorbereitungskurs belegen. Der erfolgreiche Abschluss beider Maßnahmen eröffnet den Zugang zu den Angeboten der Erstausbildung (Certifcat d'Aptittude Professionnel).

Im Jahr 2008 wurde ebenfalls das Baccalauréat Professionnel eingeführt. Die zweijährige Ausbildung, die zum Baccalauréat Professionnel führt, steht Schülern des zweiten Sekundarschuljahres sowie Inhabern des CAP und BTP offen. Bis 2010 war das Baccalauréat Professionnel noch nicht umgesetzt.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Fortschrittsbericht und Selbsteinschätzung im Bereich der politischen Gestaltung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Tunesien durch die European Training Foundation (ETF) und das tunesische Ministerium für berufliche Bildung und Beschäftigung. 
 

Informationen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung und Beschäftigung finden sich auf der Internetseite des tunesischen Ministeriums für berufliche Bildung und Beschäftigung. Die Seite bietet Informationen in französischer, englischer und arabischer Sprache.

10 Boulevard Ouled Haffouz
1002 Tunis
Tel : (+216) 71.791.331 / 71.798.196
Fax : (+216) 71.794.615
www.mfpe.gov.tn (auf Arabisch)
 

Informationen zu Curricula können beim Centre National de Formation de Formateurs et de l'Ingénierie de Formation (CENAFFIF) eingeholt werden, welches für die Erstellung der Curricula zuständig ist.

5, Rue de France Rades
2040 Tunisie
Tel: (+216) 71.443.963 / (+216) 71.443.292
Fax: (+216) 71.441.375
direction.generale@cenaffif.nat.tn
webmaster@cenaffif.nat.tn

 

Informationen des Auswärtigen Amtes