Südkorea
Beschreibung
Das koreanische Bildungssystem ist stark zentralisiert. Für die Ausarbeitung von Bildungsplänen und deren Umsetzung ist das Ministry of Education, Science and Technology (MEST) verantwortlich. Seit 2013 heißt das Ministerium wieder Ministry of Education (MOE).
Das koreanische Bildungssystem verfügt über vier Stufen. Die 6-jährige Grundschule [Elementary Education / Chodeunghakgyo] und die 3-jährige Mittelschule [Middle School / Junghakgyo] sind für alle Schüler/innen verpflichtend. Anschließend können eine 3-jährige Oberschule und eine 4-jährige Hochschule besucht werden.
Zusätzlich ist das Ministry of Employment and Labor (MoEL) für die Entwicklung der National Competency Standards (NCS) zuständig, die die Grundlage für die berufsbezogenen Curricula darstellen. Die Qualitätssicherung übernimmt die 2015 gegründete Korean Skills Quality Authority (KSQA), welche Ausbildungsprogramme evaluiert und Anbieter zertifiziert.
Nach Besuch der ersten 9 Schuljahre und dem Erwerb des „Basic Education Certificate / Jung-hakgyo Joreopjang“, steht es den Schüler/innen offen, ob sie sich für eine allgemeinbildende oder eine berufsbildende Oberschule entscheiden.
Neben der Möglichkeit, für weitere 3 Jahre ein Gymnasium [General High School / Teukmogoj] oder ein fachspezifisches Gymnasium [Specialized High School / Godeunghaggoy] zu besuchen, um anschließend die allgemeine Hochschulreife – „High School Certificate / Godeunghakgyo Joreopjang“ – zu erwerben, können die Schüler/innen an den technischen Sekundarschulen [Vocational High School / Teukseonghwa] in den Fachrichtungen Landwirtschaft, Technik, Wirtschaft, Marine und Fischerei den Abschluss „Vocational High School Certificate / Jeonmunkye Godeung Hakgyo“ erwerben.
An einigen dieser technischen Sekundarschulen wird ein Duales System eingeführt. Nach einer zweijährigen theoretischen Ausbildung an der Schule gehen die Schülerinnen und Schüler anschließend ein Jahr lang für die praktische Ausbildung in Betriebe und Unternehmen, wobei der betriebliche Anteil 50–80 % beträgt und rechtlich geregelt ist.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine der seit 2010 gegründeten Meisterschulen [Meister High School / Maisteurgo] zu besuchen und dort einen Meisterabschluss [Meister High School Certificate / Maisteu-go Joreopjang] zu erwerben.
Nach Absolvierung der technischen Sekundarschule können Inhaber/innen eines „Vocational High School Certificate / Jeonmunkye Godeung Hakgyo“-Abschlusses ein Studium in ihrer jeweiligen Fachrichtung an einer Universität aufnehmen.
Außerdem haben Absolvent/innen der Sekundarschulen die Möglichkeit, auf eine Fachhochschule bzw. ein Technisches Institut [Junior Vocational College / Jeonmundaehaggyo] zu wechseln, um dort nach einer 2- bis 3-jährigen Weiterbildung einen „Industrial Associate Degree / Jeonmun Haksa“ zu erlangen.
Ziel der Junior Vocational Colleges ist es, Menschen auszubilden, die sowohl mit solidem theoretischen Wissen als auch praktischen Kenntnissen ausgestattet sind. Die Ausbildung unterscheidet sich von einem Universitätsstudium zum einen durch einen verstärkten Praxisbezug und zum anderen durch die curriculare Einbindung berufsbezogener Lehrveranstaltungen.
Landesspezifische Besonderheiten
Obwohl Südkorea über keine bedeutsamen Rohstoffe verfügt, erlebt das Land seit Ende der 60er Jahre ein beeindruckendes wirtschaftliches Wachstum. Diese rasante wirtschaftliche Entwicklung ist vor allem auf die in der Gesellschaft tief verankerte Bildungsmeritokratie und der damit verbundenen Expansion des Bildungskapitals zurückzuführen.
Trotz umfangreicher Bestrebungen der Bildungspolitik sind in Südkorea berufliche Qualifikationen von geringerer Bedeutung als Abschlüsse des allgemeinen Bildungssystems. Dies liegt daran, dass in Südkorea formale Bildungsabschlüsse eine starke Rolle bei der Bestimmung des gesellschaftlichen Status spielen.
Im Rahmen des Programms „Job First, University Later“ (auch: „Work First, Study Later“) können Absolventinnen und Absolventen beruflicher Oberschulen nach mindestens drei Jahren Berufstätigkeit ein Hochschulstudium aufnehmen – oft über spezielle Zulassungswege für Beschäftigte. Ziel ist es, Praxis- und Studienerfahrung zu kombinieren. Neben regulären Studienangeboten bestehen vielfältige Weiterbildungsformate wie industriebasierte Vertragsstudiengänge, Online-Programme und maßgeschneiderte Fortbildungen. Berufstätige erhalten dabei oft finanzielle Unterstützung, etwa über Zuschüsse zu den Studiengebühren.
Aktuelle Reformprozesse
Die südkoreanische Regierung setzt auf den weiteren Ausbau sogenannter „Meister-Schulen“. Das Wort „Meister“ wurde dabei direkt aus dem Deutschen übernommen, da das deutsche duale System sowie die deutsche Handwerks- und Ingenieursarbeit in Südkorea hohes Ansehen genießen.
Die Provinz Gyeonggi plant von 2024 bis 2030 eine umfassende Umstrukturierung ihres berufsbildenden Schulwesens: 108 berufliche Gymnasien sollen in 70 zukunftsorientierte Modellschulen umgewandelt werden. Begleitend entstehen Job- und Start-up-Zentren zur Unterstützung der Schüler/innen.
Grundlage der Initiative ist eine im Jahr 2023 veröffentlichte Machbarkeitsstudie, die unter anderem vom Gyeonggi Vocational Education Policy Forum mitentwickelt wurde.
Historische Entwicklung
Gesetzesänderung zur Grundschul- und Sekundarschulerziehung 2010
Beschreibung
Einst wurden zwei Formen der High School unterschieden - eine allgemeine und eine berufliche Bildung. Dies wurde im Juni 2010 durch eine Änderung des Artikels 76, Absatz 2 und Artikel 90 des Durchführungserlasses zum Gesetz zur Grundschul- und Sekundarschulerziehung geändert. Seither ist das Sekundarschulwesen in ein Gymnasium (General High School), eine Technische Sekundarschule (Vocational High School), und eine Meisterschule (Meister High School) unterteilt.