Länderprofil
Darstellung des Berufsbildungssystems Südafrikas seit 2008. Die Inhalte der Grafik werden im folgenden Text ausführlich beschrieben

Südafrika

Gültigkeit Seit 01.11.2008
Amtssprache Englisch

Beschreibung

Verantwortlich für die Koordinierung und Registrierung aller Qualifikationen im nationalen Qualifikationsregister (National Qualifications Framework - NQF) ist die South African Qualifications Authority (SAQA), die dem Ministerium für Hochschul- und Berufsbildung (Department of Higher Education and Training - DHET) untersteht. So muss jede Qualifikation bei SAQA im NLRD Information for Professional Bodies der SAQA registriert sein. Zudem gibt es in Südafrika drei Qualitätssicherungsräte (Quality Councils) im Bereich der beruflichen Bildung:

  • Umalusi – Quality Council for General and Further Education and Training: Qualitätssicherung im Allgemeinbildenden Bereich sowie Berufsbildung auf NQF Levels 1-4
  • CHE - Council on Higher Education: Qualitätssicherung im universitären und postsekundären Bereich ab NQF Level 5
  • QCTO - Quality Council for Trades and Occupations: Qualitätsrat für "Occupational Ceritficates" im Bereich Handwerksberufe

Die Aufsicht über den praktischen Teil von schulischen (Further Education and Training - FET) und höheren (Higher Education and Training - HET) Berufsausbildungen  (inklusive der Erarbeitung von Ausbildungsregelungen und der Abnahme von Prüfungen) obliegt branchenspezifischen Bildungsinstitutionen der Industrie und des Handwerks, sog. "Sector Education Training Authorities" (SETAs). Sie sind auch verantwortlich für die Nachqualifizierung von Schulabgängern und Berufstätigen.

Der QCTO wurde 2010 in Folge des "Skills Development Amendment Act (2008)" zur Systematisierung und Vereinfachung des südafrikanischen Berufsbildungssystems gegründet und ist verantwortlich für die Erstellung und Verwaltung des Teilqualifikationsrahmens für berufliche Qualifikationen (Occupational Qualification Sub-framework - OQSF).

Die Schulpflicht in Südafrika, General Education and Training (GET) genannt, umfasst die Klassen 1-9; sie besteht aus folgenden dreijährigen Bildungsstufen:

  1. Foundation (Primarstufe) – Klassen 1-3
  2. Intermediate (Sekundarstufe I) – Klassen 4-6
  3. Senior (Sekundarstufe II) – Klassen 7-9 

Besonderheit: Zwischen 2008 und 2024 wurde die Schulpflicht nicht mehr mit einer Prüfung beendet, d. h. die Absolventen erhielten kein Abschlusszeugnis. 2024 wurde das Zeugnis General Education Certificate (GEC) als Abschlusszeugnis der verpflichtenden Sekundarstufe I wieder eingeführt.

Sekundarbereich II/Postsekundärer Bereich

Further Education and Training (FET):

Die berufliche Bildung nach Beendigung der Schulpflicht wird als Further Education and Training (FET) bezeichnet. Die Ausbildung findet an sog. FET-Colleges (Technical Colleges, seit 2014: TVET-Colleges) statt. 

Der Abschluss National Certificate Vocational (NCV) (9. Klasse + 3 Jahre) wurde im Jahr 2007 eingeführt. Bildungsgänge, die zu diesem Abschluss führen, beinhalten praktische und theoretische Lehrinhalte. Der praktische Teil kann sowohl in Unternehmen als auch in simulierten Arbeitsumgebungen stattfinden. Der NCV-Abschluss ist eine Qualifikation auf den Ebenen 2, 3 und 4 des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) und wird an FET-Colleges angeboten. Von 3 Jahren im Sekundarbereich II ist ein einjähriger Kurs für die berufliche Qualifikation vorgesehen. Seit November 2008 bietet die Qualifikation durch den gleichzeitigen Erwerb der Hochschulreife National Senior Certificate (NSC) auch die Möglichkeit, ein Hochschulstudium aufzunehmen. Das NSC ist vergleichbar mit einem High-School-Abschluss und berechtigt zum Hochschulstudium.

Für diese Qualifizierung, Klassen 10-12, werden aus folgenden Lerngebieten mindestens vier ausgewählt: Landwirtschaft; Kunst und Kultur; Wirtschaft, Handel, Management und Dienstleistungen; Sprachen; Produktion, Technik; Sozial-wissenschaften; Physik, Mathematik, Computer- und Umweltwissenschaften.

Es findet keine betriebliche Ausbildung statt. Die Lerninhalte unterliegen dem National Curriculum Statement (NCS).

Ausbildungen im NATED-System (auch: Report: 191):

NATED steht für National Accredited Technical Education Diploma. Es handelt sich um ein modulares (i.d.R. aufeinander aufbauendes) berufliches Ausbildungssystem, das ursprünglich für handwerklich-technische Berufe entwickelt wurde. Es liegt heute in der Zuständigkeit des "DHET" in Zusammenarbeit mit Umalusi (Schulqualifikationen) und teilweise dem QCTO (Berufsqualifikationen).

Im Sekundarbereich II werden überwiegend theoretische Kurse von je ca. 6 Monaten für handwerkliche bzw. technische Berufe (s.g. "Artisan Trades" ) wie Elektriker, Klempner, Mechaniker angeboten (N1-N3). I.d.R. werden diese Kurse dual bzw. neben dem Beruf absolviert, sodass die Praxis im Betrieb stattfindet. Im Anschluss wird üblicherweise zusätzlich ein Trade Test abgelegt, welcher extern die theoretischen Kenntnisse und praktischen Fertigkeiten bestätigt. Die einzelnen formalen Kurse werden allerdings mit folgenden Zertifikaten des DHET bestätigt:

  • National N1 Certificate
  • National N2 Certificate
  • National N3 Certificate. 

Zudem gibt es im postsekundären Bereich überwiegend theoretische Zertifikatskurse für kaufmännische, technische und dienstleistungsbezogene Berufe (N4-N6):

  • National N4 Certificate
  • National N1 Certificate
  • National N6 Certificate 

Diese können nach Abschluss der Sekundarstufe II in Vollzeit an Colleges, in Teilzeit nebenberuflich oder dual absolviert werden. Nach 18 weiteren Monaten Berufspraxis wird das National N Diploma verliehen. Das NATED-System wird auf lange Sicht durch das folgende System ersetzt.

Trades and Ocupations Qualifications (vom QCTO):

Diese stark praxisorientierte Form der Ausbildung wurde im Zuge der letzten umfassenden Reform des beruflichen Bildungssystems (No. 37 of 2008: Skills Development Amendment Act) entwickelt. 2013 wurden die Qualifikationen "Occupational Qualifications" und die Abschlüsse "Occupational Certificates" im "NQF" registriert. Im Jahr 2015 wurde das System erstmals an TVET-Colleges, "SETAS" und privaten Institutionen in Form von dualen Ausbildungen (z. B. Learnerships, Skills Programmes, Apprenticeships) umgesetzt. Jede Ausbildung besteht aus folgendem modularen Aufbau: Theorie (Knowledge Module), Praxis (Practical Skills Module) und Arbeit im Betrieb (Work Experience Module). Der Theorieunterricht sowie praktische Übungen finden an akkreditierten Berufsbildungsinstitutionen und der Praxisteil dual im Betrieb statt. Im Gegensatz zu NATED-Ausbildungen indiziert das Level nicht die Dauer bzw. Stufe, sondern die Komplexität der Ausbildung. Je nach Beruf dauert eine "Occupational Qualification" also ein bis drei Jahre und wird durch ein "Occupational Certificate" des QCTO" bescheinigt. Hier ist bei handwerklichen/technischen Berufen im Anschluss ein zusätzlicher "Trade Test" vorgesehen, der die Zulassung als qualifizierter Handwerker („artisan status“) bestätigt. 

Postsekundärer/Tertiärer Bereich

Higher Education and Training (HET)

Berufsausbildungen im postsekundären Bereich unterstehen der Qualitätssicherung und Akkreditierung des CHE (Council on Higher Education) und werden heutzutage von Universitäten (für Technologie) angeboten. Im Gegensatz zu NATED- und QCTO-Ausbildungen sind diese nicht aufeinander aufbauend, sondern jeweils als eigenständiger Abschluss zu betrachten. Sie werden mit folgenden Abschlüssen der jeweiligen Hochschule bescheinigt:

  • National Certificate (NQF Level 5): 1-3 Jährige praxisorientierte Ausbildung
  • Higher Certificate (NQF Level 5): oft 1 bis 2 Jahre, praxisorientierte Ausbildung, oft als Einstieg in ein Bachelor-Studium
  • National Diploma (NQF Level 6): 3 Jahre Ausbildung, bei der in den ersten beiden Jahren ein bestimmtes Fachgebiet an einer Universität (für Technologie) vertieft und im dritten Jahr der erforderliche, praktische Teil absolviert wird.

 

Grundlagen:

  • National Education Policy Act, No. 27 of 1996;
  • Adult Basic Education and Training Act, No. 52 of 2000;
  • General and Further Education and Training Quality Assurance Act, No. 58 of 2001;
  • Further Education and Training Colleges Act, No. 16 of 2006
  • Higher Education Act, No. 101 of 1997;
  • Higher Education Amendment Act, No. 54 of 2000;
  • Higher Education Amendment Act, No. 23 of 2001;
  • Higher Education Amendment Act, No. 39 of 2008;
  • Skills Development Act, No. 97 of 1998
  • Skills Development Amendment Act, No. 37 of 2008
  • Skills Development Amendment Act, No. 26 of 2011
  • National Qualifications Framework Act, No. 67 of 2008
  • Determination of the sub-frameworks that comprise the National Qualifications Framework, 2012
  • National Qualifications Act (67/2008): Revised Occupational Qualifications Sub-Framework (OQSF), 2020

Aktuelle Reformprozesse

Seit 2020 wird das NATED-System allmählich durch das neue System Trades and Ocupations Qualifications des QCTO ersetzt.

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1996 bis 2008

Gültigkeit: 24.04.1996 - 01.11.2008

Beschreibung

Bis 2000 betrug die Dauer der verpflichtenden Allgemeinbildung 10 Jahre und wurde mit dem Abschluss Standard Eight Certificate bescheinigt. Zwischen 2000 und 2008 bestand der Sekundarbereich, ebenso wie heute, aus zwei dreijährigen Bildungsabschnitten: Klassen 7-9 (junior secondary) und 10-12 (senior secondary). Am Ende der 9. Klasse wird seit 2000 das General Education and Training Certificate verliehen. Die 12. Klasse wurde mit dem Senior Certificate (SC) abgeschlossen. Bei der Abschlussprüfung wurde zwischen drei Niveaus unterschieden: lower grade (niedrig), standard grade (mittel), higher grade (hoch).

Sekundarbereich II/Postsekundärer Bereich

Berufsausbildungen im NATED-System (N1-N6)

NATED steht für National Accredited Technical Education Diploma (früher: National Education and Training system). Es handelt sich um ein stufengegliedertes berufliches Ausbildungssystem, das ursprünglich für handwerklich-technische Berufe entwickelt wurde. 

Im Sekundarbereich II wurden überwiegend theoretische Kurse von ca. 6 Monaten für handwerkliche bzw. technische Berufe wie Elektriker, Klempner, Mechaniker angeboten. Abgeschlossen wurde diese mit den Zertifikaten National N1 Certificate bis National N3 Certificate. I.d.R. wurden diese Kurse neben dem Beruf absolviert, sodass die Berufspraxis im Betrieb erlernt wurde.

Später wurden im postsekundären Bereich noch die Zertifikatskurse National N4 Certificate bis National N6 Certificate für kaufmännische, technische und dienstleistungsbezogene Berufe eingeführt. Sie konnten nach Abschluss der Sekundarstufe II in Vollzeit an Colleges oder in Teilzeit neben Beruf absolviert werden.

National Certificate

An Universitäten für Technologie (Universities of Technologie/ bis 2005: Technikons) wurde auf NQF-Level 4 (= Ende Sekundarstufe II) nach 1-3-jährigen Ausbildungen das National Certificate verliehen. 

Höhere Berufsbildung (Higher Education and Training)

Im postsekundären Bereich konnte ebenfalls an Universitäten für Technologie (zuvor Technikons) auf NQF-Level 5 das National Higher Certificate nach 1-2-jährigen Ausbildung erlangt werden. Das National Diploma, welches besonders beruflich-praktisch orientiert war, erhielten Absolventen nach 3 Jahren Ausbildung auf NQF-Level 6 (meist 2 Jahre Theorie + 1 Jahr Praxis). Dieser Qualifikationsweg war besonders für Fachkräfte in Technik, Verwaltung, Pflege, Tourismus, etc. relevant.

Im Jahr 2007 wurde dann schrittweise das National Certificate Vocational (NCV) eingeführt. 

 

Grundlagen:

  • National Education Policy Act, 27 of 1996;
  • Higher Education Act, 101 of 1997;
  • Skills Development Act, No. 97 of 1998

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Benotungssystem Sekundarbereich:

7 – 80 to 100%
6 – 70-79%
5 – 60-69%
4 – 50-59%
3 – 40-49%
2 – 33.3 to 39%

Benotungssystem tertiärer Bereich:

75-100% First Class Distinction
70-74% Second Class – Division 1
60-69% Second Class – Division 2
50-59% Third Class
0-49% Fail (nicht bestanden)

Akkreditierungen:

South African Qualifications Authority (SAQA) http://www.saqa.org.za

  • NLRD Information for Professional Bodies - SAQA
  • zuständig für die Implementierung und Entwicklung des National Qualifications Framework
  • kooperiert mit Sector Education Training Authorities, wie z.B. Energy Sector Education and Training Authority (ESETA), welche u.a. für die Qualitätssicherung und das Prüfungswesen der jeweiligen Wirtschaftszweige zuständig sind
  • bietet Informationen zu einzelnen Lehreinheiten und Modulen

Council for Quality Assurance in General and Further Education and Training http://www.umalusi.org.za, zuständig für die Qualitätssicherung im FET-Bereich.

Department of Higher Education and Training http://www.dhet.gov.za/, zuständig für die Qualitätssicherung im tertiären Bereich

  • Links zu verschiedenen Akkreditierungen unter "Useful Links"

Liste der SETA Sektoren : SETA

 

Informationen des Auswärtigen Amtes