Länderprofil
Abbildung Rumänien - aktuell

Rumänien

Gültigkeit Seit 01.09.2014
Amtssprache Rumänisch

Beschreibung

Das rumänische Berufsbildungssystem (rum. învățământul profesional și tehnic) ist zentralstaatlich organisiert. Nach dem Besuch der vierjährigen Grundschule (rum. şcoala primară) und der ebenfalls vierjährigen Mittelschule (rum. gimnaziu), die mit dem Erwerb des Abschlusszeugnisses (certificat de examen evaluare nationale) abschließt, können die Schüler/-innen zwischen verschiedenen weiterführenden Schultypen wählen. Zum einen gibt es drei verschiedene Arten von Lyzeen (rum. liceu): allgemeinbildende Lyzeen (liceu teoretică, ciclul superior), fähigkeitsbezogene Lyzeen (liceu vocaţională, ciclul superior) und technische Lyzeen (liceu tehnologică, ciclul superior) mit einer Dauer von vier Schuljahren bzw. fünf Jahren in Teilzeit. Zum anderen können die Schüler/-innen nach den acht Jahren Grundbildung direkt eine dreijährige Berufsausbildung absolvieren.

Die allgemeinbildenden Lyzeen haben einen geisteswissenschaftlichen und einen naturwissenschaftlichen Zweig, während die fähigkeitsbezogenen Lyzeen die Profile in den Bereichen Technik, Dienstleistungen, natürliche Ressourcen und Umweltschutz anbieten. An allgemeinbildenden und fähigkeitsbezogenen Lyzeen kann nach Bestehen einer praktischen Prüfung ein beruflicher Befähigungsnachweis der Stufe EQF-4 (atestat profesional) erworben werden. An technischen Lyzeen können Schüler-/innen zwischen den Schwerpunkten Militär, Technologie, Sport, Kunst und Pädagogik wählen und über die sogenannte direkte Route (rum. ruta directă) eine Berufsqualifikation der Stufe EQF-4 des europäischen Qualifikationsrahmens erlangen (certificat de calificare).

Nach Abschluss der vier bzw. fünf Jahre an einem der drei Lyzeen erhalten die Schüler-/innen zudem ein certificat de absolvire a liceului auf EQF-Niveau 4. Schüler/-innen an technischen Lyzeen können nach Abschluss der 10. Klasse ein berufsbezogenes Praktikum von 720 Stunden absolvieren und somit eine Bescheinigung über eine Berufsqualifikation auf EQF-Niveau 3 (certificat de calificare profesională) erhalten. Im Anschluss können sie, falls erwünscht zum Erwerb des certificat de absolvire a liceului an das technische Lyzeum zurückkehren.

Die dreijährige Berufsausbildung von Klassenstufe 10 bis 12 beinhaltet allgemeinbildende sowie berufsspezifische Lehrmodule. Bei bestandener Abschlussprüfung erhalten die Schüler/innen eine Berufsqualifikation auf EQR-Niveau 3 (certificat de calificare profesională).
Traditionell findet die Berufsausbildung an einer Berufsschule statt und umfasst Praxisanteile in schuleigenen Werkstätten. Seit dem Schuljahr 2017/2018 bieten manche Berufsschulen für Interessierte unter 27 Jahren zudem eine duale Berufsausbildung an. Bei dieser finden die Theorieanteile weiterhin in der Schule statt und die Praxisanteile in einem mit der Berufsschule kooperierenden Unternehmen. Die Ausbildung beinhaltet im ersten und zweiten Jahr einen Praxisanteil von 60% (24 Wochen pro Jahr), der im dritten Jahr auf 75% ansteigt. Die Schüler-/innen sind die gesamte Ausbildung über in Blöcken abwechselnd in der Berufsschule und im Unternehmen. Im Unternehmen sowie in der Schule wird ein „Praxis-Tutor“ ernannt, der als Ansprechperson für die Auszubildenden zur Verfügung steht.
Die Auszubildenden erhalten ein monatliches Stipendium, das zur Hälfte durch den Staat und zur Hälfte durch den Betrieb finanziert wird. Zudem werden ihnen Mahlzeiten und der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Unternehmen erhalten als Gegenleistung von der Regierung steuerliche Anreize, um diese Form der Ausbildung zu fördern.

Die angebotenen Fächer und die Curricula eines Fachs sind bei diesen beiden Ausbildungsformen (traditionell in der Berufsschule und duale Berufsausbildung) identisch. Welche der beiden Möglichkeiten durchlaufen wurde, ist anhand des Zusatzes „profesional“ bzw. „dual“ erkennbar. In beiden Fällen führt der Abschluss zu einem direkten Arbeitsmarktzugang. Alternativ haben die Schüler/innen die Möglichkeit, sich wieder in die 11. Klasse eines Lyzeums einzuschreiben.

Im post-sekundären, nicht-tertiären Bereich verfügt das rumänische Berufsbildungssystem über die sogenannten Meisterschulen (rum. şcoala de maiştri) sowie die Postlyzealen Schulen (rum. şcoala postliceală) mit dem Abschluss certificat de competenţe profesionale der EQF-Stufe 5. An beiden Ausbildungsstätten gibt es je nach Fachrichtung ein- bis dreijährige Bildungsgänge.

Das Berufsbildungssystem in Rumänien ist insgesamt durch eine hohe Durchlässigkeit zwischen den allgemeinbildenden und berufsspezifischen Bildungsgängen gekennzeichnet. Der Wechsel von der allgemeinen in die berufliche Bildung ist nicht nur für Schüler-/innen der technischen Lyzeen in Form eines 720-stündigen Praktikums mit dem Abschluss certificat de calificare profesională (Berufsqualifikation der EQF-Stufe 3) möglich. Auch Schüler-/innen der allgemeinbildenden und der fähigkeitsbezogenen Lyzeen (rum.: liceu) können jederzeit in dasselbe Schuljahr einer berufsbildenden Schule wechseln. Umgekehrt können Schüler-/innen einer Berufsschule in ein Lyzeum wechseln, allerdings nur nach der neunten Klasse in Klassenstufe 9 und nach der neunten und zehnten Klasse in Klassenstufe 10 eines Lyzeums. Nach abgeschlossener Berufsausbildung ist zudem ein Wechsel in Klassenstufe 11 eines Lyzeums möglich.

Staatliche und private Bildungseinrichtungen können neben Bildungsgängen des staatlichen Berufsbildungssystems auf der Grundlage national einheitlicher Lehrpläne seit 2000 auch eigene Bildungsgänge der Erwachsenenbildung der verschiedenen EQF-Niveaustufen (bzw. bis 2012 der nationalen Niveaustufen) anbieten. Hierfür müssen die Einrichtungen akkreditiert sein und ihre geplanten Bildungsgänge bei einer der 42 regionalen Kommissionen der Erwachsenenbildung genehmigen lassen. Die über das System der Erwachsenenbildung erworbenen Abschlüsse heißen „certificat de calificare profesionala" und dauern jeweils 360, 720 oder 1080 Stunden. Außerdem gibt es Kurse zur Einführung, Spezialisierung und Perfektionierung in einem Fachbereich (cursurile de initiere, specializare, perfectionare), die auch eine kürzere Dauer haben können. Diese Kurse führen zu dem Abschluss „certificat de absolvire“. Bei den Bildungsgängen der Erwachsenenbildung sind auf dem jeweils dazugehörigen Beiblatt "supliment descriptiv al certificatului" alle Kerndaten des absolvierten Bildungsgangs beschrieben.

Seit 2004 kann außerdem über die Teilnahme an Berufsprüfungen an Testzentren, die von der Nationalstelle für Qualifikationen akkreditiert wurden, auch ohne vorausgehende Ausbildung eine staatlich anerkannte Berufsqualifikation (certificat de competenţe profesionale) erworben werden. Grundlage für die Berufsprüfungen sind die in den nationalen Berufsstandards (Standarde Ocupationale) für den jeweiligen Beruf beschriebenen Kompetenzen. Letztere sind auch immer auf dem Beiblatt des Zeugnisses aufgelistet.

Landesspezifische Besonderheiten

Die Berufsqualifikationen, die in Rumänien erworben werden können, werden in Berufslisten aufgeführt, die Regierungsbeschlüssen (rum. Hotărârea Guvernului) anhängen. Ab dem Jahr 1995 wurden in Rumänien nach und nach für Berufsqualifikationen Berufsausbildungsstandards (rum. standard de pregătire profesională) entwickelt, die in Kompetenzeinheiten Lernziele für das jeweilige Berufsbild beschreiben. Dieses Dokument bildet die Grundlage für die Ausgestaltung von Curricula (rum. programe şcolare bzw. curriculum) und Prüfungen. Die Stundentafeln bzw. Modulübersichten (rum. plan de învăţământ bzw. planuri-cadru de învăţământ) finden sich meist in den Curricula.
Zudem werden in Rumänien separate Listen mit den Qualifikationen für Berufsschulen geführt (Nomenclatorul meseriilor – SPP). Die Qualifikationen in der Berufsliste unterscheiden sich teilweise von den Bezeichnungen im Diplom.

Im Jahr 1995 wurde ein neues Bildungsgesetz (Nr. 84/1995) verabschiedet, das bis zum Jahr 2010 trotz zahlreicher Änderungsdekrete gültig war. Im Januar 2011 wurde das Bildungsgesetz Nr. 1/2011 verabschiedet, das das Bildungsgesetz von 1995 ablöst. Eine umfassende Rechtsgrundlage eigens für das Berufsbildungssystem existiert nicht.

Durch zahlreiche Regierungswechsel und Reformen des Bildungssystems gab es in Rumänien in den vergangenen Jahrzehnten häufig Änderungen der verschiedenen Berufsbildungsgänge. So wurde zum Beispiel berufliche Ausbildung zwischen 2009 und 2012 gänzlich ausgesetzt und zuletzt zum Schuljahr 2014/2015 wieder eingeführt. In den Jahren des Übergangs zwischen dem altem und dem neuem System kam es in der Vergangenheit häufig zu Überschneidungen zwischen den beiden Systemen, da nicht alle Schulen die Änderungen unmittelbar umsetzen konnten.

Aktuelle Reformprozesse

Aktuell (Stand: 2018) findet in Rumänien eine Förderung der beruflichen Bildung statt, um dem bestehenden Fachkräftemangel zu begegnen. Dazu gehört die Wiedereinführung der zweijährigen, berufsschulischen Bildung im Schuljahr 2012/13, der Erhöhung der Ausbildungszeit auf drei Jahre im Jahr 2014/15 und die Einführung der dualen, schulisch-betrieblichen Berufsausbildung im Schuljahr 2017/18.

Seit dem Jahr 2012/2013 wird die Zuordnung von Abschlüssen in Rumänien nach und nach entsprechend des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQF) von Stufe 1 bis 8 vorgenommen. Zuvor (ab dem Schuljahr 2001/2002) wurden in Rumänien Berufsqualifikationen der Niveaustufen 1, 2, 3 und 3+ vergeben.

Durch die zahlreichen Bildungsreformen in den vergangenen Jahren kam es immer zu Verzögerungen bei der Umsetzung der jeweiligen Reform. Dadurch wurden in den betroffenen Schulen die alten Bildungsgänge teilweise noch über den Zeitraum der Reform hinweg weitergeführt und die entsprechenden Lehrpläne weiterhin genutzt.

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 2012 bis 2014
Gültigkeit: 01.09.2012 - 31.08.2014

Beschreibung

Wiedereinführung der berufsschulischen Ausbildung

Seit dem Jahr 2012 wird die Zuordnung von Abschlüssen in Rumänien offiziell entsprechend des Europäischen Qualifikationsrahmens (EQF) von Stufe 1 bis 8 vorgenommen.

Die Berufliche Bildung umfasste zwischen 2012 und 2014 eine zweijährige Ausbildung an einer Berufsschule (rum. școala professionale) sowie ein Praktikum von 720 Stunden. Zugang zu einer Berufsschule hatten die Absolventen der 9. Klasse eines Lyzeums. Das Praktikum konnten die Schülerinnen und Schüler nach dem Abschluss der Klasse 10 eines technischen Lyzeums absolvieren. Nach der zweijährigen Ausbildung oder dem Praktikum erwarben die Absolventen eine Bescheinigung einer Berufsqualifikation auf dem Niveau EQF-3 (certificat de calificare profesională). Dieser Abschluss führte zu einem direkten Arbeitsmarktzugang. Alternativ hatten die Schüler/innen die Möglichkeit, sich mit diesem Abschluss wieder in die 11. Klasse eines Lyzeums einzuschreiben.

Eine Berufsqualifikation der Stufe EQF-4 des europäischen Qualifikationsrahmens („certificat de calificare“) konnte über die sogenannte direkte Route (rum. ruta directă) durch Besuch eines Bildungsgangs des technischen Lyzeums (rum. liceu tehnologică) erlangt werden. An den fähigkeitsbezogenen und allgemeinbildenden Lyzeen können nach Bestehen einer praktischen Prüfung berufliche Befähigungsnachweise (atestat profesional) erworben werden.

Berufsbildungssystem von 2009 bis 2012
Gültigkeit: 01.09.2009 - 31.08.2012

Beschreibung

Phase der Reduzierung der beruflichen Bildung

Für die Schuljahre 2009/2010 bis 2011/2012 beschränkte sich die Berufsbildung in Rumänien auf ein Praktikum von 720 Stunden. Dieses Praktikum können Schüler/innen nach dem Abschluss der Klasse 10 an einem technischen Lyzeum absolvieren.
Nach dem Praktikum erwerben die Absolventen bzw. Absolventinnen eine Bescheinigung einer Berufsqualifikation (certificat de calificare profesională) und haben einen direkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Alternativ können sie sich in die 11. Klasse eines Lyzeums einschreiben.

Eine Berufsqualifikation der Niveaustufe 2 (certificat de competenţe profesională nivel 2) erlangte der Absolvent bzw. die Absolventin nach 720 Stunden Praktikum und eine Berufsqualifikation der Niveaustufe 3 (certificat de competenţe profesională nivel 3) erlangte der/die Absolvent/in nach dem erfolgreichen Besuch weiterer zwei Schuljahre, die an den technischen Lyzeen (rum. liceele tehnologice) organisiert wurden.
Eine Berufsqualifikation der Niveaustufe 3 konnte auch über die sogenannte direkte Route (rum. ruta directă) über den Besuch eines Bildungsgangs des technischen Lyzeums (rum. liceu tehnologică) erlangt werden.

Im post-sekundären, nicht tertiären Bereich verfügt das rumänische Berufsbildungssystem über die sogenannten Meisterschulen (rum. şcoala de maiştri) sowie die Postlyzealen Schulen (rum. şcoala postliceală). An beiden Ausbildungsstätten gibt es je nach Fachrichtung ein- bis dreijährige Ausbildungen. An erfolgreiche Absolvent/-innen wurden bis 2012 Abschlusszeugnisse der Niveaustufe 3+ vergeben (certificat de absolvire a şcolii de maiştri oder certificat de absolvire a şcolii postliceale) bzw. ab 2012 schrittweise Abschlusszeugnisse der EQF-Stufe 5.

Berufsbildungssystem von 2003 bis 2009
Gültigkeit: 01.09.2003 - 31.08.2009

Beschreibung

Einführung der Niveaustufen 1 bis 3+ für Berufsqualifikationen

Seit dem Schuljahr 2001/2002 (bis zum Jahr 2012) wurden in Rumänien Berufsqualifikationen der Niveaustufen 1, 2, 3 und 3+ vergeben.
Nach dem Besuch der vierjährigen Grundschule (rum. şcoala primară) und der ebenfalls vierjährigen Mittelschule (rum. gimnaziu) sowie dem Erwerb des Abschlusszeugnisses „certificat de capacitate“ bzw. seit dem Schuljahr 2007/2008 schrittweise „certificat de promovare a testelor naționale“ können die Schüler/-innen zwischen verschiedenen gymnasialen Schultypen (rum. liceu) mit einer Dauer von vier Schuljahren (fünf bei Teilzeit) wählen. Außerdem gab es im erwähnten Zeitraum eine zweijährige (Kunst-)Handwerksschule.

Über den Weg der sogenannten progressiven Route (rum. ruta progresivă) konnten Schülerinnen und Schüler nach dem Besuch der zweijährigen (Kunst-)Handwerksschule (rum. şcoala de arte şi meserii) Berufsqualifikationen der Niveaustufe 1 (certificat de calificare profesională nivel 1) erwerben. Im Anschluss daran war durch ein Zusatzjahr (rum. anul de completare) der Erwerb von Berufsqualifikationen der Niveaustufe 2 (certificat de calificare profesională nivel 2) möglich.

Eine Berufsqualifikation der Niveaustufe 3 (certificat de competenţe profesională nivel 3) erlangte der Absolvent bzw. die Absolventin nach dem erfolgreichen Besuch weiterer zwei Schuljahre, die an den technischen Lyzeen (rum. liceele tehnologice) organisiert wurden. Eine Berufsqualifikation der Niveaustufe 3 konnte außerdem über die sogenannte direkte Route (rum. ruta directă) durch den Besuch eines Bildungsgangs des technischen Lyzeums (rum. liceu tehnologică) erlangt werden.

An speziellen beruflichen Lyzeen (rum. liceu vocaţională) konnten in den Fachrichtungen Sport, Theologie, Pädagogik, Musik, Tanz, Restauration und Kunst nach Bestehen einer praktischen Prüfung berufliche Befähigungsnachweise (atestat profesional bzw. atestat de competenţe profesionale) erworben werden.
Im post-sekundären, nicht tertiären Bereich verfügt das rumänische Berufsbildungssystem über die sogenannten Meisterschulen (rum. şcoala de maiştri) sowie die Postlyzealen Schulen (rum. şcoala postliceală). An beiden, je nach Fachrichtung ein- bis dreijährigen Ausbildungsstätten wurden an erfolgreiche Absolventen und Absolventinnen Berufsqualifikationen auf einer erweiterten Niveaustufe 3+ verliehen (certificat de competenţe profesionale nivel 3+).

Der reine Besuch eines Berufsbildungsgangs wurde in Rumänien allgemein mit einem Abschlusszertifikat bescheinigt (certificat de absolvire).

Berufsbildungssystem von 2001 bis 2003
Gültigkeit: 01.09.2001 - 31.08.2003

Beschreibung

HOTARARE GUVERN 458/2000 - Regierungsentscheidung 458/2000

Im Schuljahr 2001/2002 wurde in Rumänien der erste Reformschritt der Zuordnung von Berufsqualifikationen nach einer neuen Niveaustufenstufensystematik begonnen. Allerdings blieb die Grundstruktur der Bildungsgänge bis zum Schuljahr 2002/2003 unverändert.

Nach dem Besuch der vierjährigen Grundschule (rum. şcoala primară), der vierjährigen Mittelschule (rum. gimnaziu) und dem Erwerb des Abschlusszeugnisses „certificat de capacitate“ konnten die Schüler/-innen zwischen verschiedenen gymnasialen Schultypen (rum. liceu) mit einer Dauer von vier Schuljahren (fünf bei Abendschulen), den zwei- bis vier-jährigen Berufsschulen (rum. şcoala profesionale) und den ein- bis drei-jährigen Lehrlingsschulen (rum. şcoala de ucenici) wählen.

Berufsqualifikationen der Niveaustufe 1 (certificat de calificare profesională nivel 1) konnten nach dem Besuch der 1- bis 3-jährigen Lehrlingsschulen (rum. şcoala de ucenici) erworben werden.

Eine Berufsqualifikation der Niveaustufe 2 (certificat de calificare profesională nivel 2) erlangten der Absolvent bzw. die Absolventin nach dem erfolgreichen Besuch einer zwei- bis vierjährigen Berufsschule (rum. şcoala profesionale).

An den Lyzeen (rum. liceu) konnten nach Bestehen einer praktischen Prüfung berufliche Befähigungsnachweise (atestat profesional) erworben werden.

Im post-sekundären, nicht tertiären Bereich verfügt das rumänische Berufsbildungssystem über die sogenannten Meisterschulen (rum. şcoala de maiştri) sowie die Postlyzealen Schulen (rum. şcoala postliceală). An beiden, je nach Fachrichtung ein- bis dreijährigen, Ausbildungsstätten werden an erfolgreiche Absolvent/Innen Abschlusszeugnisse vergeben (certificat de absolvire a şcolii de maiştri oder certificat de absolvire a şcolii postliceale).

Berufsbildungssystem von 1995 bis 2001
Gültigkeit: 01.09.1995 - 31.08.2001

Beschreibung

LEGE nr.84 din 24 iulie 1995 - Bildungsgesetz Nr. 84/1995

Beschreibung der Reform:
Die Verabschiedung eines neuen Bildungsgesetzes (Nr. 84/1995) im Jahr 1995 war Anlass für die Definition neuer Berufsbilder und einer Neuformulierung der Curricula in den darauf folgenden Jahren. Während die Grundstruktur der Bildungsgänge bis zum Schuljahr 2002/2003 unverändert blieb, wurden die Abschlüsse des post-sekundären Bereiches umbenannt.

Nach dem Besuch der vierjährigen Grundschule (rum. şcoala primară) und der vierjährigen Mittelschule (rum. gimnaziu) erhielten die Schülerinnen und Schüler das Abschlusszeugnis „certificat de capacitate“. Danach konnten sie zwischen verschiedenen gymnasialen Schultypen (rum. liceu) mit einer Dauer von vier Schuljahren (fünf bei Abendschulen), den zwei- bis vierjährigen Berufsschulen (rum. şcoala profesionale) und den ein- bis dreijährigen Lehrlingsschulen (rum. şcoala de ucenici) wählen. Nach dem Besuch einer Lehrlingsschule erwarben erfolgreiche Absolventen das Abschlusszeugnis „diplomă de absolvire a şcolii de ucenici“. An den Berufsschulen wurde das Abschlusszeugnis „diplomă de absolvire a şcolii profesionale“ verliehen.

An den Lyzeen (rum. liceu) konnten nach Bestehen einer praktischen Prüfung berufliche Befähigungsnachweise (atestat profesional) erworben werden.

Im post-sekundären, nicht tertiären Bereich verfügt(e) das rumänische Berufsbildungssystem über die sogenannten Meisterschulen (rum. şcoala de maiştri) sowie die Postlyzealen Schulen (rum. şcoala postliceală). An beiden je nach Fachrichtung ein- bis dreijährigen Ausbildungsstätten wurden an erfolgreiche Absolvent/-innen bis zum Schuljahr 2001/2002 die Abschlusszeugnisse „certificat de absolvire a şcolii de maiştri“ bzw. „certificat de absolvire a şcolii postliceale“ vergeben.

Um den durch das PHARE-Programm begonnenen Reformprozess zur Entwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung nah Ende des sozialistischen Regimes weiterzuführen, wurde im Jahr 1999 das sogenannte Nationale Zentrum zur Entwicklung der ten und beruflichen Bildung (rum. CENTRUL NAŢIONAL PENTRU DEZVOLTAREA ÎNVĂŢĂMÂNTULUI PROFESIONAL ŞI TEHNIC, CNDIPT) mit Sitz in Bukarest gegründet. Es ist eine Einrichtung mit eigener Rechtspersönlichkeit und untersteht dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport. Gegründet wurde es mit dem Regierungsbeschluss Nr. 855 vom 26. November 1998.

In ausgewählten Berufen wurden ab dem Jahr 1998 im Rahmen dieses Reformprozesses Berufsbildungsstandards überarbeitet; bei der Bezeichnung dieser revidierten Standards wurde auf das Phare-Programm bzw. TVET hingewiesen. Für die anderen Berufe galten die Vorgaben für die Berufsausbildung seit Beginn der 1990-er Jahre bis zum Jahr 2004 fort.
 

Berufsbildungssystem von 1990 bis 1995
Gültigkeit: 01.01.1990 - 31.08.1995

Beschreibung

HOTARARE Nr. 521 din 12 mai 1990 - Entscheidung Nr. 521 von 12. Mai 1990

Nach dem Besuch der ein- bis dreijährigen Lehrlingsschulen (rum. şcoala de ucenici) erwarben erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen das Abschlusszeugnis „diplomă de absolvire a şcolii de ucenici“. An den zwei- bis vierjährigen Berufsschulen (rum. şcoala profesionale) wurde das Abschlusszeugnis „diplomă de absolvire a şcolii profesionale“ verliehen.

An den Lyzeen (rum. liceu) konnten nach Bestehen einer praktischen Prüfung berufliche Befähigungsnachweise (atestat) erworben werden.

Nach dem Besuch eines Lyzeums konnte außerdem an den Abiturprüfungen teilgenommen werden, deren Bestehen mit dem Zeugnis „diplomă de bacalaureat“ bescheinigt wurde. Dieses gilt in Rumänien als Hochschulzugangsberechtigung. Die praktischen Prüfungen für den Erwerb von beruflichen Befähigungsnachweisen (atestat profesional bzw. atestat de competenţe profesionale) erfolgten davon unabhängig.

Im post-sekundären, nicht tertiären Bereich verfügte das rumänische Berufsbildungssystem über die sogenannten Meisterschulen (rum. şcoala de maiştri) sowie die Postlyzealen Schulen (rum. şcoala postliceală). An beiden Ausbildungsstätten gab es je nach Fachrichtung anderthalb- bis dreijährige Ausbildungsgänge. Erfolgreiche Absolventinnen und Absolventen erhielten bis zum Schuljahr 1994/1995 sogenannte Abschlussdiplome (diplomă de absolvire a şcolii tehnice de maistri bzw. diplomă de absolvire a şcolii postliceale de specialitate).

Mit dem Ende des sozialistischen Regimes begannen seit dem Jahr 1990 in Rumänien im Bildungssystem zahlreiche Reformen. Insbesondere im Zuge des von der europäischen Union finanzierten PHARE-Programms zur Reform der Berufsbildung wurden in den Jahren 1994 bis 1997 neue Berufsfelder definiert, Berufsprofile und -abschlüsse entwickelt, Lehrpläne modernisiert und das Weiterbildungssystem ausgebaut. Außerdem wurde versucht, das stark zentralistisch organisierte Bildungssystem u.a. durch eine Einbindung von Sozialpartnern und Unternehmen schrittweise zu dezentralisieren. Die im Rahmen des PHARE-Programms entwickelten Berufsbilder und -abschlüsse wurden in Rumänien zunächst an 75 Modellschulen erprobt, später aber in das nationale System überführt.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links
Informationen des Auswärtigen Amtes