Länderprofil
Abbildung Portugal - aktuell

Portugal

Gültigkeit Seit 16.10.1991
Amtssprache Portugiesisch

Beschreibung

Das portugiesische Bildungs- sowie Berufsbildungssystem ist zentral organisiert und untersteht dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft (Ministerio da Educação e Ciência). Die Autonomen Regionen der Azoren haben eigene Zuständigkeiten, sind jedoch den nationalen Leitlinien unterworfen.

Die Grundschule (Ensino Básico) dauert neun Jahre und endet mit einem Abschlusszeugnis (Diploma do Ensino Básico). Der Grundschulabschluss kann auch über berufliche Bildungsgänge nachgeholt werden (siehe Bildungs- und Berufsbildungskurse).

Das Bildungsangebot im Sekundarbereich umfasst allgemeinbildende und beruflich orientierte Kurse. Die rein allgemeinbildenden Kurse sind die sogenannten wissenschaftlich-humanistischen Bildungsgänge (Cursos Cientifico-Humanisticos), die mit dem Diploma do Ensino Secundário abschließen. Die übrigen Bildungsgänge sind doppelt qualifizierend, d. h. sie führen sowohl zu einem schulischen als auch zu einem beruflichen Abschluss, dem Diploma de Qualificação Profissional.

Das Diploma de Qualificação Profissional kann über folgende Bildungsgängen erworben werden:

  • Technologische Bildungsgänge (Cursos Tecnológicos) und spezialisierte künstlerische Bildungsgänge (Cursos Artísticos Espezializados) sind schulische Bildungsgänge, die sowohl die Aufnahme eines Studiums als auch den Eintritt ins Berufsleben ermöglichen. Mindestens zwei Jahre dieser dreijährigen Bildungsgänge sind allgemeinbildend. Sie werden an Sekundarschulen unterrichtet.
  • Bildungsgänge mit beruflicher Ausrichtung (Cursos Profissionais) bereiten vorrangig den Eintritt in den Arbeitsmarkt vor. Diese Bildungsgänge umfassen 3.100 Stunden, von denen 420 auf einen praktischen Teil in dem jeweiligen beruflichen Kontext entfallen. Bildungsgänge mit beruflicher Ausrichtung werden an staatlichen und privaten Berufsschulen sowie an staatlichen Sekundarschulen angeboten. 
  • Die Lehrlingsausbildung (Cursos de Aprendizagem) richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren. Die Dauer der Ausbildung variiert je nach Berufstyp zwischen 2.800 und 3.700 Stunden, wobei der praktische Teil der Ausbildung zwischen 1.100 und 1.500 Stunden umfasst. Die Lehrlingsausbildung wird vom Institut für Beschäftigung und Berufsbildung (Instituto de Emprego e Formação Profissional – IEFP) verwaltet. Unterrichtet wird an staatlichen und privaten Berufsbildungszentren.
  • Bildungs- und Berufsbildungskurse gibt es für Jugendliche (Cursos de Educação e Formação - CEF) und Erwachsene (Cursos de Educação e Formação de Adultos - EFA). Zugangsvoraussetzungen und Kursumfang hängen vom jeweiligen Kurs ab. So kann auf der einen Seite der Grundschulabschluss in Bildungs- und Berufsbildungskurse nachgeholt werden, während auf der anderen eine zusätzliche berufliche Qualifikation erworben werden kann. Die meisten Bildungs- und Berufsbildungskurse dauern ein bis zwei Jahre, wobei der Praxisanteil mindestens 210 Stunden ausmacht. Bildungs- und Berufsbildungskurse werden an staatlichen und privaten Schulen, an Berufsbildungszentren sowie an sonstigen akkreditierten Ausbildungsstätten angeboten.

Darüber hinaus bestand bis 2011 die Möglichkeit, ein sogenanntes Cerfiticado de Aptidão Profissional zu erhalten. Dieses bescheinigt, dass die Person notwendige Kompetenzen zur Ausübung eines bestimmten Berufes mitbringt. Die Kompetenzen können über durch Ausbildungszertifikate, Berufserfahrung oder Zeugnisse aus anderen Ländern nachgewiesen werden. Gegebenenfalls werden zusätzlich Interviews geführt oder Arbeitsproben verlangt. Ausgestellt werden die Zeugnisse durch das Instituto do Emprego e Formação Profissional (IEFP) oder durch andere von der Regierung hierzu befähigten Einrichtungen. 2011 ist das Certificado de Aptidão Profissional durch das Certificado de Qualificação Profissional ersetzt worden.

Im postsekundären, nicht-tertiären Bereich können nach dem Sekundarabschluss Ausbildungsgänge mit technischer Ausrichtung (Cursos de Especialização Tecnológica - CET) absolviert werden. Die Dauer dieser Ausbildungsgänge beträgt 1.200 bis 1.560 Stunden, wovon zwischen 360 und 720 Stunden auf die praktische Ausbildung entfallen. Die Ausbildungsgänge führen zu einem Diplom mit technischer Ausrichtung (Diploma de Especialização Tecnológica - DET). Sie werden in Sekundarschulen, Berufsbildungszentren, technologischen Schulen und anderen akkreditierten Einrichtungen angeboten. Der Abschluss kann auf ein Hochschulstudium angerechnet werden.

Im Jahr 2001 wurde ein System eingeführt, dass Erwachsenen die Anerkennung, Validierung und Zertifizierung von informellen und nicht-formalen Kompetenzen im schulischen und beruflichen Bereich ermöglicht (Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências - RVCC). Als Referenz dienen Qualifikationen, die im Nationalen Qualifikationskatalog (Catálogo Nacional de Qualificações - CNQ) enthalten sind. Das Anerkennungsverfahren kann zu einer vollständigen Anerkennung von Qualifikationen mit Aushändigung eines entsprechenden Zeugnisses (Diploma da Qualificação) oder zu einer teilweisen Anerkennung bestimmter Kompetenzen (Certificado de Qualificação) führen. Bei einer teilweisen Anerkennung können die erworbenen Kompetenzen z.B. in Bildungs- und Berufsbildungskursen angerechnet und der entsprechende Abschluss mit einer verkürzen Ausbildungsdauer erreicht werden.

Aktuelle Reformprozesse

Der rechtliche Rahmen der  Bildung und Berufsbildung, der seit 1991 in Kraft ist, wurde in den letzten Jahren stark überarbeitet. Ziel der Reformen ist es, das im europäischen Vergleich geringe Qualifikationsniveau in Portugal anzuheben. Dies soll u.a. durch ein breiteres Angebot an beruflichen Qualifizierungsmöglichkeiten sowie durch die bessere Nutzung des Qualifikationspotenzials des relativ hohen Anteils von Erwachsenen ohne formalen allgemeinen und/oder beruflichen Abschluss geschehen.

Für letzteres wurde im Jahr 2001 ein System  zur Anerkennung, Validierung und Zertifizierung von non-formalen und informellen Kompetenzen eingeführt (Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências - RVCC).

2007 wurde das nationale Qualifikationssystem (Sistema Nacional de Qualificações – SNQ) gegründet, das einen gemeinsamen institutionellen Rahmen für die Berufsausbildung im Verantwortungsbereich des Bildungsministeriums und die Berufsbildung im Verantwortungsbereich des Arbeitsministeriums schafft. Im Rahmen dieses Systems wurde der nationale Qualifikationskatalog (Catálogo Nacional de Qualificações - CNQ) eingeführt, der alle doppelt qualifizierenden Bildungsgänge im nicht-tertiären Bereich verwaltet.

2009 wurde die allgemeine Schulpflicht von 9 auf 12 Jahre erhöht.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links
  • Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (Ministerio da Educação e Ciência) ist für Bildung im Bereich der Grund- und Sekundarschule sowie für die Erwachsenenbildung zuständig.
  • Das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (Ministério da Economia e do Emprego) für die Förderung von Beschäftigung und beruflicher Bildung im Bereich des Arbeitsmarkts zuständig.
  • Die Nationale Agentur für Qualifikationen und berufliche Bildung (Agência Nacional para a Qualificação e o Ensino Profissional, IP – ANQEP) wurde 2006 gegründet und koordiniert die Durchführung von Bildungs- und Berufsbildungspolitik zwischen den beiden verantwortlichen Ministerien (s.u.).
  • Auf dem Qualifikationsportal findet man umfassende Informationen zu portugiesischen Berufsqualifikationen und Ausbildungsgängen.
  • Neben der Verwaltung des Systems der  Anerkennung, Validierung und Zertifizierung von Kompetenzen (Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências - RVCC) ist die Nationale Agentur für Qualifikationen und berufliche Bildung (ANQEP) für die Verwaltung und ständige Aktualisierung des Nationalen Qualifikationskatalogs (Catálogo Nacional de Qualificaçõe) zuständig. Dieser enthält für knapp 300 Qualifikationen aus dem nicht-tertiären Berufsbildungsbereich u.a. Angaben zu Berufsprofil, Bildungsgänge, Ausbildungsziele, Ausbildungsinhalte sowie eine Zuordnung zum nationalen Qualifikationsrahmen.
  • Das Institut für Arbeit und Berufliche Bildung (Instituto de Emprego e Formação Profissional – IEFP) ist die nationale Arbeitsagentur im Verantwortungsbereich des Arbeitsministeriums, die auch für die Berufsbildung verantwortlich ist.

 

Informationen des Auswärtigen Amtes