Länderprofil
Abbildung Österreich - aktuell

Österreich

Gültigkeit Seit 01.01.1990
Amtssprache Deutsch

Beschreibung

Das österreichische Bildungssystem ist dem deutschen und dem schweizerischen System sehr ähnlich. Charakterisierend für das österreichische System ist die vierjährige Volksschule, gefolgt von einer Sekundarausbildung, die sich in die Sekundarstufe I und II gliedert. Die Sekundarstufe I endet nach der 8. Klasse.

Zu diesem Zeitpunkt besteht die Wahl zwischen einer allgemeinbildenden Ausbildung an einer Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) und einer berufsbildenden Ausbildung. Die allgemeinbildende Ausbildung dauert vier Jahre und schließt mit der Reifeprüfung (Matura), die einen allgemeinen Hochschulzugang darstellt. Das erste Schuljahr der Sekundarstufe II (Klassenstufe 9) entspricht dem letzten Pflichtschuljahr.

Wenn sich Schüler und Schülerinnen nach der Sekundarstufe I für eine Berufsausbildung im dualen System entscheiden, müssen sie davor das neunte Schuljahr ihrer Pflichtschulzeit absolvieren. Zumeist erfolgt dies an der einjährigen berufsvorbereitenden Polytechnischen Schule. Dort erhalten die Schüler und Schülerinnen durch eine entsprechende Vielfalt an Fächern, Betriebsbesuchen und berufspraktischen Tagen eine gezielte Orientierung für ihre künftige Ausbildungswahl. Die anschließende Lehrlingsausbildung findet sowohl im Lehrbetrieb (praktische Ausbildung, rund 80% der Ausbildungszeit) als auch in der Berufsschule statt. Aufgabe der Berufsschule ist es, die Allgemeinbildung zu vertiefen und die im Lehrbetrieb vermittelten Fachkenntnisse zu ergänzen. Die Lehrlingsausbildung dauert – je nach Lehrberuf – zwischen zwei und vier, zum Großteil jedoch drei Jahre. Am Ende kann jeder Lehrling eine Lehrabschlussprüfung absolvieren. Mit erfolgreichem Abschluss wird ein Berufsreifeprüfungszeugnis ausgestellt.

Eine weitere berufsbildende Form auf Sekundarstufe II ist die berufsbildende mittlere Schule – BMS. Dort werden den Schülerinnen und Schülern jene grundlegenden fachlichen Kompetenzen vermittelt, die unmittelbar zur Ausübung eines Berufes befähigen, aber auch allgemeinbildende Fächer unterrichtet. BMS dauern meist zwischen drei und vier Jahren und führen zu einem Berufsreifeprüfungszeugnis. Es gibt auch ein- und zweijährige Formen, in denen eine teilweise Berufsausbildung vermittelt wird.

Schulen für allgemeine Gesundheits- und Krankenpflege können erst nach erfolgreicher Absolvierung der zehnten Schulstufe begonnen werden. Ausgebildet wird hier in einem dualen System, mit praktischer Ausbildung in einer Krankenanstalt und theoretischer Ausbildung in der Schule. Sie schließen mit einer Diplomprüfung ab.

Neben der Lehrlingsausbildung und der Berufsausbildung in einer BMS steht Schülerinnen und Schülern nach der Sekundarstufe I auch eine berufsbildende höhere Schule – BHS offen, die eine höhere berufliche Ausbildung in verschiedenen Fachrichtungen (z. B. Tourismus, Maschinenbau, Elektrotechnik etc.) und eine fundierte Allgemeinbildung bietet. Die BHS dauert fünf Jahre und schließt mit der Reife- und Diplomprüfung ab. Schüler und Schülerinnen erwerben damit eine berufliche Qualifikation und den allgemeinen Hochschulzugang (Doppelqualifikation).

Im Anschluss an die Berufsausbildung besteht die Möglichkeit, eine Bauhandwerker- oder Werkmeisterschulen zu besuchen. Hierbei handelt es sich um eine Sonderform einer technischen und gewerblichen Fachschule (berufsbildende mittlere Schule) zur Erweiterung der Fachbildung von Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Sie dauern ein bis zwei Jahre und schließen mit einer Meister-Abschlussprüfung ab.

Der erfolgreiche Abschluss einer AHS oder BHS sowie die Ablegung der Berufsreifeprüfung
führt Schüler und Schülerinnen zur Hochschulreife und ermöglicht damit den Zugang zu folgenden postsekundären Einrichtungen: Akademien, die zu bestimmten Tätigkeiten im Sozial- und Gesundheitsbereich qualifizieren und Kollegs, die sich primär an Absolventen und Absolventinnen einer AHS richten, die eine BHS-Ausbildung nachholen möchten. Absolventen wird ein Reifezeugnis ausgestellt.

Seit 1997 haben Absolventen und Absolventinnen der Lehrlingsausbildung, von drei- und vierjährigen BMS sowie von Gesundheits- und Krankenpflegeschulen die Möglichkeit, die Berufsreifeprüfung abzulegen. Diese berechtigt zum Übertritt in jede postsekundäre bzw. tertiäre Einrichtung (Hochschulreife).

Eine weitere Option, die Zugangsvoraussetzung für den Postsekundär- und Tertiärbereich zu erlangen, ist die Absolvierung eines Aufbaulehrgangs. Absolventinnen und Absolventen einer Lehre müssen für den Eintritt in diese Bildungsschiene einen Vorbereitungslehrgang besuchen. Aufbaulehrgänge schließen nach drei Jahren mit einer Reife- bzw. Diplomprüfung ab.

Schließlich ist auch die Teilnahme an einer Studienberechtigungsprüfung eine Möglichkeit zur Erlangung der Hochschulreif. Sie befähigt allerdings nur zum Studieren eines speziellen Studiengangs.

An Fachhochschulen und Universitäten können dreijährige Bachelor- und darauf aufbauend mindestens zweijährige Masterstudiengänge belegt werden. Bis zum Jahr 2012 gab es an beiden Hochschularten auch Diplomstudiengänge.

Quellen: Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft, www.bildungssystem.at

Aktuelle Reformprozesse

​Mit dem Lehrberufspaket 2018 wurden sechs neue Lehrberufe als Ausbildungsversuche eingerichtet:

Bautechnische Assistenz
E-Commerce-Kaufmann/E-Commerce-Kauffrau
Glasverfahrenstechnik
Maskenbildner/Maskenbildnerin
Medienfachmann/Medienfachfrau
Tierärztliche Ordinationsassistenz

Bei allen neuen Berufsbildern in Österreich fließen Inhalte aus dem Bereich der Digitalisierung signifikant ein.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Zuständigkeiten in der Berufsbildung

Für den schulischen Teil der Berufsausbildung ist das Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur zuständig. Das Ministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend hat die oberste Kompetenz für den betrieblichen Teil der Lehrlingsausbildung.
 

Liste der Lehrberufe von A-Z

Eine Liste aller aktueller Lehrberufe in Österreich gibt es auf der Seite des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort.
 

Abkommen zwischen Deutschland und Österreich

1989 wurde das „Deutsch-Österreichische Abkommen über die Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung und die gegenseitige Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflichen Prüfungszeugnissen“ abgeschlossen und auf dieser Grundlage wurden eine Vielzahl von österreichischen und deutschen Lehrabschlussprüfungen und auch handwerkliche Meisterprüfungen, sowie Fortbildungsabschlüsse gegenseitig anerkannt. Damit werden die Inhaber dieser Prüfungszeugnisse so gestellt, als ob sie die Prüfung nach den geltenden Bestimmungen des jeweiligen Landes Österreich bzw. Deutschland abgelegt hätten.

2005 wurde ein weiterer wichtiger Schritt gemacht und aufbauend auf der gemeinsamen Tradition der beruflichen Ausbildungssysteme beider Länder die „Gemeinsame Erklärung auf dem Gebiet der beruflichen Bildung über die grundsätzliche Vergleichbarkeit von Ausbildungsabschlüssen im beruflichen Bereich“ beschlossen. Durch die gemeinsame Erklärung soll das Vertrauen der Unternehmen und Betriebe in die Qualität der Ausbildung im jeweiligen Nachbarland gestärkt und damit die Möglichkeiten zur Mobilität von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verbessert werden.

Diese Prüfungszeugnisse sind im Gesellenbereich gem. § 40 Abs. 2 HwO und im Bereich der Meisterprüfungen gem. § 50a HwO gleichgestellt. Einer gesonderten Gleichwertigkeitsfeststellung bedarf es in diesen Fällen nicht.

Liste der gleichwertigen Berufsabschlüsse


Zuständige Stellen

Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Minoritenplatz 5
1014 Wien
Tel.: 01 53 120-0
E-Mail: ministerium@bmukk.gv.at

Die oberste Verwaltungsbehörde für alle schulischen Ausbildungen ist das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK). Es umfasst das gesamte primäre und sekundäre staatliche Bildungswesen, von der Pflichtschule bis zum Abschluss der Sekundarstufe II, sowie die Pädagogischen Hochschulen. Auch die Erwachsenenbildung und alle Angelegenheiten des lebenslangen Lernens gehören dazu.

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend
Stubenring 1
1010 Wien
Tel.: 01 711 00-5321 oder -2213
E-Mail: service@bmwfj.gv.at

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat die oberste Kompetenz für den betrieblichen Teil der Lehrlingsausbildung. Außerdem ist es zuständig für die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen der Lehrberufe, das Berufsausbildungsgesetz und die Lehrberufsliste.

Bundes-Berufsausbildungsbeirat
Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung für Bildungspolitik und Berufsbildung

Rudolf-Sallinger-Platz 1 1030 Wien, Österreich

Telefon: +43 1 514 50 2414

E-Mail: bipol@wkw.at

Den beiden Bundesministerien beratend zur Seite steht der sozialpartnerschaftlich besetzte Bundes-Berufsausbildungsbeirat, in dessen Zuständigkeit vor allem die Erstellung von Gutachten für die Neuordnung von Lehrberufen fällt. Dem Bundes-Beraufsausbildungsbeirat gehören auch Vertreter der Berufsschulen an, um die Koordination von betrieblicher und schulischer Ausbildung zu optimieren.
 

Landesebene

Lehrlingsstelle
Wirtschaftskammer OÖ
Rudolf-Sallinger-Platz 1, 1030 Wien
Telefon: +43 1 514 50-2010
E-Mail: lehrlingsstelle@wkw.at

Die Berufsausbildungsbehörde in erster (unterster) Instanz sind die sogenannten Lehrlingsstellen, die bei den Wirtschaftskammern der Bundesländer eingerichtet sind. Sie organisieren die eigentliche Lehrlingsausbildung. In ihre Kompetenzen fallen der Betrieb von Berufsschulen, die Eignungsprüfung von Lehrbetrieben, die Datenhaltung zu angemeldeten Lehrverträgen und das Prüfungs- und Zertifizierungswesen.
 

Informationen zu Bildungsinstitutionen und Lernorttypen in Österreich:

Sämtliche Bildungsinstitutionen Österreichs sind unter www.bildungssystem.at sowie im „ABC der Berufsbildenden Schulen“ aufgeführt.

 

Informationen des Auswärtigen Amtes