Länderprofil

Nepal

Gültigkeit Seit 01.01.1989
Amtssprache Nepali

Beschreibung

Das nepalesische Bildungssystem ist föderal organisiert und obliegt der gemeinsamen Zuständigkeit der Zentralregierung und Landesregierungen. Dies führt dazu, dass das Bildungssystem von großen regionalen Unterschieden hinsichtlich der Qualität und der Reichweite sowie den Schulformen gekennzeichnet ist. Prägend für das nepalesische Bildungssystem ist die Koexistenz mehrerer Schulformen – staatliche, semi-staatliche und private Institutionen einerseits sowie formale und nicht formale Institutionen andererseits. Die Zuständigkeiten für Berufsbildung obliegen auf staatlicher Ebene beim Council for Technical Education and Vocational Training (CTEVT).

Das CTEVT ist auch für die Formulierung und Durchsetzung von Standards in der beruflichen Ausbildung, für die Akkreditierung, Überwachung und Beaufsichtigung von Berufsbildungsprogrammen sowie die Entwicklung von Lehrplänen zuständig. 

Die nepalesische Grund- und Sekundarschulbildung basiert auf dem 10+2-System, bei dem die Schüler insgesamt 12 Jahre Grund- und Sekundarschulbildung durchlaufen. Die verschiedenen Klassenstufen sind in 4 Phasen unterteilt: Grundschule (Klassen 1-5); Untere Sekundarstufe (Klassen 6-8); Sekundarstufe (Klassen 9-10), die mit dem School Leaving Certificate (SLC) abschließt und die Oberstufe (Klassen 11-12).

Nach Abschluss der Grund- und Untere Sekundarschule werden die Schüler in den Klassen 9 und 10 zum Abitur geführt. Das Office of the Controller of Examinations (OCE) ist für die Prüfungen des "School Leaving Certificate (SLC)" (Klasse 10) zuständig. Alternative werden auch Programme mit berufsbildenden Elementen in den Klassen 9 und 10 der Sekundarstufe angeboten und vom Council for Technical Education and Vocational Training (CTEVT) koordiniert. Nach Abschluss der Klasse 8 (Sekundarstufe I) können die Schüler die CTEVT-Programme besuchen, die zum "Technical School Leaving Certificate (TSLC)" führen. Allerdings steht den Schülern nur nach Absolvierung der SLC-Prüfung frei, in die höhere Sekundarstufe (Klassen 11 und 12) aufgenommen zu werden.

Schülerinnen und Schüler, die das SLC nach der Klasse 10 erhalten haben, können an folgende Programmen teilnehmen:

  • 2-jährige allgemeine Obere Sekundarschule, die zu dem Abschluss "Proficiency Certificate" führt und das Studium an Hochschulen ermöglicht.
     
  • 2-jährige berufsbildende Obere Sekundarschule, die zu dem Abschluss "HSEB Certificate" qualifiziert und auch das Studium an Hochschulen ermöglicht.
     
  • 2-jährige technische Sekundarschule die zu dem Abschluss "Diploma/ I.SC.AG Certificate" führt.

Inhaber des Proficiency Certificate sowie Absolventen der HSEB-Programme können ihre Berufsausbildung weiterführen, indem sie eine 3-jähriges technisches Institut besuchen, das zum Abschluss eines SEE-Diploma qualifiziert. Darüber hinaus können sich Inhaber der Proficiency und HSEB Zertifikate an einer technischen Hochschule einschreiben und den Abschluss Bachelor of Enegineering erwerben. 

Des Weiteren sind viele der nepalesischen Berufsbildungsprogramme nicht-formal. Ein Beispiel für eine nicht-formale Ausbildung ist das NATHM Berufsbildungszentrum, eine Ausbildungseinrichtung im Bereich Tourismus und Gastgewerbe. Trotz seiner Informalität ist dieses Ausbildungsprogramm von Bedeutung, da ein erheblicher Teil der nepalesischen Wirtschaft auf den Tourismus entfällt und eine beträchtliche Anzahl von NATHM-Absolventen im formellen Sektor, meist in der Privatwirtschaft, arbeiten. 

 

Aktuelle Reformprozesse

Das Projekt Enhanced Vocational Education and Training (EVENT) (zweite Phase) wurde gemäß der am 21. Januar 2018 zwischen der nepalesischen Regierung und der Weltbank unterzeichneten Vereinbarung eingerichtet. Das Hauptziel dieses Projekts ist es, das Angebot an qualifizierten und beschäftigungsfähigen Arbeitskräften zu erweitern, indem der Zugang zu qualitativ hochwertigen Ausbildungsprogrammen verbessert und das System der technischen und beruflichen Bildung in Nepal gestärkt wird. Das Projekt legt den Schwerpunkt auf die Verbesserung des Zugangs zu technischen Bildungs- und Berufsbildungsprogrammen (TEVT) für benachteiligte Jugendliche, insbesondere für arme, in abgelegenen und rückständigen Regionen lebende Jugendliche, Frauen sowie Menschen mit Behinderungen durch gezielte und andere integrative Prozesse. Die erste Phase dieses Projekts wurde von 2011 bis 2017 durchgeführt.