Länderprofil
Abbildung Kolumbien - aktuell

Kolumbien

Gültigkeit Seit 08.02.1994
Amtssprache Spanisch In Kolumbien existieren einige Minderheitensprachen, die von der indianischen Bevölkerung gesprochen werden.

Beschreibung

Kolumbien weist eine dezentrale Bildungsstruktur auf.  Neben dem Bildungsministerium (Ministerio de Educación Nacional (MEN)) als höchstes Organ im Bildungswesen sind regionale Bildungsbehörden für die Ausgestaltung und Umsetzung der Bildung verantwortlich. Dem Bildungsministerium obliegt die Gesamtaufsicht des Bildungswesens, das Vorgeben der nationalen Bildungspolitik sowie die Qualitätskriterien der Bildung festzulegen. Es gibt sowohl staatlich wie auch privat geführte Bildungsinstitutionen.

Aufbau der Bildungsstufen:

Die Schulpflicht beträgt 10 Schuljahre und beginnt mit dem letzten Vorschuljahr. Die allgemeine Grundbildung umfasst 9 Jahre und ist in die zwei Stufen „Educación Básica Primaria“ und „Educación Básica Secundaria“ unterteilt. Die Pflichtschulbildung schließt mit dem Erwerb des „Bachillerato Básico“ ab, welcher zugleich Zugangsvoraussetzung für den Sekundarbereich ist. Der Sekundarbereich teilt sich auf in die rein schulische Sekundar- und Berufsbildung und die berufliche Ausbildung.

In der rein schulischen Sekundar- und Berufsbildung kann zwischen einer zweijährigen akademischen Sekundarbildung mit Vertiefungen in Wissenschaft, Kunst oder Geisteswissenschaften oder einer zweijährigen (technischen) Berufsausbildung mit Vertiefungen in Produktion oder Dienstleistungen gewählt werden. Abgeschlossen wird die schulische Sekundar- und Berufsbildung mit dem Erwerb des Titels „Bachiller“. Ein Spezialfall der schulischen Sekundar- und Berufsbildung stellt die Primarschullehrerausbildung dar. Diese zweijährige Berufsausbildung kann direkt im Anschluss an die akademische Sekundarbildung  an den Escuelas Normales Superiores absolviert werden und schließt mit dem Erwerb des Titels „Normalista Superior“ ab.

Im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung (Educación para el Trabajo y el Desarollo Humano) gibt es die Möglichkeit nach der obligatorischen Grundbildung eine viersemestrige (2 Jahre) Berufsausbildung zu absolvieren und bei erfolgreichem Abschluss ein Zeugnis über die entsprechende Berufsqualifikation (Título Denominado en Artes y Oficios) zu erhalten. Das Zeugnis ist gleichrangig mit dem „Bachiller“ der schulischen Sekundarbildung und ermöglicht den Zugang zu beruflichen (technischen) Weiterbildungseinrichtungen des Tertiärbereichs. Eine zusätzliche Form der beruflichen Erstausbildung stellt die Teilnahme an einem staatlich anerkannten Berufsausbildungsprogramm dar, dessen Dauer mindestens 1 Jahr beträgt und mit dem Erwerb eines Berufsbefähigungszertifikates der entsprechenden Berufsqualifikation (Certificado de Aptitud Ocupacional) abschließt.

Die berufliche (technische) Weiterbildung gehört zum postsekundären Bildungsbereich und stellt Angebote für Absolventen einer zweijährigen Berufsausbildung (Educación Especial Laboral) sowie für Personen, die über den Weg der schulischen Sekundarbildung einen „Bachiller“ erworben haben, bereit. Nach 2-3 Jahren an einer beruflichen (technischen) Weiterbildungseinrichtung (Institución Técnica Profesional) wird der Berufstitel „Técnico Profesional“ verliehen. Dieser Titel ermöglicht den Zugang zur beruflichen Spezialisierung (Especialización).

Im tertiären (nicht-universitären) Bildungsbereich gibt es für die Absolventen der technischen sowie akademischen Sekundarbildung (mit „Bachiller“-Abschluss und bestandener Staatsprüfung) die Möglichkeit nach 2-3 Jahren an einer höheren Bildungseinrichtung folgende Abschlussgrade zu erlangen.

  • Técnico Profesional“ (an Instituciones Técnicas Profesionales)
  • Tecnólogo“ (an Instituciones Tecnológicas)
  • „Profesional (Universitario)“ (an Instituciones Universitarias oder Escuelas Tecnológicas, sogenannte Technologische Schulen)

Diese Titel ermöglichen den Zugang zur beruflichen Spezialisierung (Especialización) sowie zum Masterstudium. Die berufliche Spezialisierung (Especialización), angesiedelt im nicht-universitären Tertiärbereich, führt nach 1-2 Jahren zu dem Titel „Especialista“.

Aktuelle Reformprozesse

Die Berufsbildung wurde durch das Bildungsgesetz (Ley General de Educación) aus dem Jahr 1994 als non-formale Berufsbildung (Educación no Formal) definiert und durch das Gesetz 1064 (Ley 1064) im Jahr 2006 in Berufsaus- und Weiterbildung (Educación para el Trabajo y el Desarrollo Humano) umbenannt.

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1974 bis 1994
Gültigkeit: 20.12.1974 - 08.02.1994

Beschreibung

Im Jahr 1974 wurde das Gesetz Nr. 28 (Ley 28 de 1974) verabschiedet, welches die Dezentralisierung der Bildungsverwaltung festlegt. Das Gesetz Nr. 43 aus dem Jahr 1975 (Ley 43 de 1975) regelt die Verstaatlichung der Primar- und Sekundarstufe. Auf Grundlage dieser beiden Gesetze regelt das Dekret Nr. 88 aus dem Jahr 1976 (Decreto 88 de 1976) die Organisation und Grundkonzeption der Bildungsstufen des kolumbianischen Bildungssystems. Ausdifferenziert wurde dies mit der Verabschiedung des Bildungsgesetzes 1994 (Ley General de Educación). Die Bildungsstruktur hat sich seitdem nicht mehr grundlegend geändert.

In den Reformjahren der Bildungspolitik nach Verabschiedung der nationalen Verfassung (Constitución Nacional) im Jahre 1991 bis zur Verabschiedung des Bildungsgesetzes 1994 wurde die Anpassung und Überarbeitung der Curricula der Bildungsgänge im Sekundarbereich angestoßen.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Das kolumbianische Bildungssystem ist geprägt durch die nationale Verfassung (Constitución Nacional) von 1991 und das Bildungsgesetz (Ley General de Educación) aus dem Jahr 1994. Innerhalb des Bildungsministeriums (Ministerio de Educación Nacional (MEN)), dem höchsten Organ im Bildungswesen, sind die Zuständigkeiten noch einmal aufgeteilt auf den Bereich für pre-primare, primare und sekundäre Bildung (Viceministerio de Educación Preescolar, Básica y Media) und den Bereich für post-sekundäre und tertiäre Bildung (Viceministerio de Educación Superior).  Für die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der Bildung sind regionale Bildungsbehörden (ab einer Einwohnerzahl von 100.000) verantwortlich. In den Bildungsbehörden befassen sich die Bildungssekretariate (Secretarías de Educación) mit der Erarbeitung und Ausgestaltung der Lehrpläne, wobei die Stundenanzahl der Unterrichtsfächer wiederum von den einzelnen Bildungseinrichtungen festgelegt werden kann.

Weiterführende Informationsquellen:

Einen umfassenden Überblick über das kolumbianische Bildungssystem bieten die Bildungsberichte der UNESCO (auf Spanisch (2010/11): Sistema educativo de Colombia. Datos Mundiales de Educación 2010/11. Septima Edición; auf Spanisch (2006/07): Sistema educativo de Colombia. Datos Mundiales de Educación 2006/07. Sexta Edición).

Ausführliche Informationen über die früheren Bildungssysteme Kolumbiens finden sich im Bericht des kolumbianischen Bildungsministeriums, dem kolumbianischen Institut zur Förderung der Hochschulbildung sowie der Organisation der Ibero-Amerikanischen Staaten (auf Spanisch (1993): Sistema Educativo Nacional de Colombia, 1993). Auf den Seiten der Organisation der Ibero-Amerikanischen Staaten gibt es zudem Informationen zu Bildungsstatistiken und Bildungsprogrammen.

 

Informationen des Auswärtigen Amtes