Länderprofil
Abbildung Irland - aktuell

Irland

Gültigkeit Seit 01.01.1971
Amtssprache Irisch, Englisch

Beschreibung

Die Berufsbildungspolitik Irland fällt in die Zuständigkeit mehrerer Ministerien. Dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft obliegt die Verantwortung für das Berufsbildungsangebot (hauptsächlich Erstausbildungs-, aber auch Weiterbildungsmaßnahmen) an den Schulen und Bildungseinrichtungen der Sekundarstufe I und II sowie im Bereich der weiterführenden Bildung und des Hochschulwesens. Das Ministerium für Gewerbe, Handel und Beschäftigung ist für politische Maßnahmen zur Anhebung der Qualifikationen und Kompetenzen der erwachsenen Bevölkerung im Rahmen des lebenslangen Lernens zuständig. Andere Ministerien tragen die Verantwortung für bestimmte Aspekte der Berufsbildung in einzelnen Wirtschaftszweigen, so z. B. in der Landwirtschaft, der Fischerei und im Fremdenverkehrsgewerbe.

Der Primarschulbesuch ist kostenlos und dauert in etwa 6 Jahre. Alle Schüler werden nach einem vom Ministerium für Bildung und Wissenschaft herausgegebenen nationalen Lehrplan unterrichtet. Nach Absolvierung der Primarstufe können irische Schüler/innen ihre 3-jährige Sekundarschulbildung (sogenannte Junior Cycle; entspricht in etwa der Sekundarstufe 1) durch eine der folgenden Möglichkeiten abschließen:

- durch den Besuch einer 3-jährigen allgemeinbildenden Sekundarschule (Junior Secondary School), der zu dem Abschluss Junior Certificate führt,
- durch den Besuch einer 3-jährigen Gemeinschafts- und Gesamtschule (Community and Comprehensive Schools), die zu dem Abschluss Community and Comprehensive Junior Certificate führt, oder
- durch den Besuch einer 3-jährigen berufsbildenden Sekundarschule (Vocational Junior Secondary Schools), die zu dem ersten berufsbildenden Abschluss Vocational Junior Certificate führt.

Nach dem Ende der Pflichtschulbildung treten die meisten Schüler in den Senior Cycle ein. Dieser umfasst ein (freiwilliges) Transition Year (Übergangsjahr), gefolgt von einem der drei unterschiedlich angelegten zweijährigen Bildungsgänge, die zum Erwerb des Leaving Certificate (Abschlusszeugnisses der Sekundarstufe II) führen. Hierzu gibt es folgende drei verschiedene Bildungsgänge:

(a) Der traditionelle Leaving-Certificate-Bildungsgang (LCP – Leaving Certificate Programme) wird von der Mehrzahl der Schüler gewählt. Dieser bildet die allgemein anerkannte Grundlage für den Eintritt in Bildungseinrichtungen des tertiären Bereichs. Der Lehrplan kann aus einer breiten Palette von Fächern zusammengestellt werden, die u. a. Sprachen, musische Fächer, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Technik umfassen. Im Normalfall legen Schüler die Leaving-Certificate-Prüfung in sechs bis acht Fächern ab und erhalten danach das Leaving Certificate.

(b) Das an den Vocational Secondary Schools (berufsbildenden Schülern) angebotene Leaving Certificate Vocational Programme (LCVP) ist ein Bildungsgang mit stärkerer beruflicher Ausrichtung. Das LCVP soll den Schülern die Gelegenheit zum selbstgesteuerten Lernen bieten und Innovation und Unternehmergeist fördern. Diese Ziele werden hauptsächlich durch zwei verbindliche aktivitätsgesteuerte (mehrere Fächer verknüpfende) Unterrichtsmodule erreicht – Lernbereich Unternehmen und Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Im Rahmen dieser Module sollen die Schüler kommunikative Kompetenzen, Fertigkeiten im Recherchieren und Verfassen von Berichten sowie Teamfähigkeit entwickeln. In sämtlichen Fächern und Lernbereichen des LCVP-Curriculums wird die Anwendung von aktiven Lehr- und Lernmethoden gefördert. Die Absolvierung des LCVP führt zum Vocational Leaving Certificate, das als Grundlage für den Eintritt in den tertiären Bereich anerkannt wird.

(c) Das Programm Leaving Certificate Applied (LCA) ist ein gesonderter, anders angelegter und innovativer Bildungsgang für Schüler, die nicht unmittelbar in den tertiären Bildungsbereich gehen wollen. Wesentliche Prinzipien, die diesem Bildungsgang zugrunde liegen, sind ein tätigkeitsbezogenes Lernen und Lehren und die höchstmögliche Einbeziehung des Schülers in das örtliche Umfeld. Eine kontinuierliche Leistungsbeurteilung fließt zu rund zwei Dritteln in die Abschlussprüfungsnote ein. Das Programm wird ebenfalls an den Vocational Secondary Schools angeboten und führt zum Applied Leaving Certificate. Diejenigen, die diesen Bildungsgang erfolgreich absolvieren, erwerben damit die Zugangsberechtigung zu einer breiten Palette von Post-Leaving-Certificate-Kursen, von denen aus sie später gegebenenfalls in den tertiären Bereich wechseln können.

Nach dem Abschluss des Senior Cycle steht ein breites Spektrum von Ausbildungsmöglichkeiten zur Wahl. Die beiden umfangreichsten Programme sind die Post-Leaving-Certificate-Kurse (PLC-Kurse), die von den Berufsbildungsausschüssen (VEC) und einigen Sekundarschulen angeboten werden, sowie Berufausbildungsmaßnahmen der FÁS und bestimmter sektoraler Organisationen für junge Arbeitsuchende.

(a) Post-Leaving-Certificate-Kurse richten sich an Absolventen mit LCA-Abschluss sowie an Berufstätige. Sie wurden 1985 mithilfe von Mitteln des Europäischen Sozialfonds eingeführt und sollen eine Brücke zwischen der Schule und der Arbeitswelt für diejenigen schlagen, die eine berufliche Ausbildung benötigen, um Chancen auf einen Eintritt in ein Beschäftigungsverhältnis zu haben. Die Ausbildungsgänge dauern ein oder zwei Jahre und führen in den meisten Fällen zum Erwerb eines vom Rat zur Vergabe von weiterführenden Bildungs- und Ausbildungsabschlüssen (FETAC) ausgestellten Abschlusszeugnisses, dem Post-Leaving Certificate.

(b) Das Ministeriunm für Bildung und Wissenschaft veranstaltet Ausbildungsmaßnahmen für Arbeitslose und andere Arbeitsuchende in ihren eigenen Ausbildungszentren sowie im Rahmen von Programmen, die in ihrem Auftrag durch externe Ausbildungsanbieter durchgeführt werden. Das Ausbildungsangebot reicht von der Vermittlung von spezifischen Fachkenntnissen über unternehmerische Schulungen für Existenzgründer und Selbstständige bis zu Förderunterricht/Grundlagenschulungen für sozial Benachteiligte. Diese Kurse sind unterschiedlich lang, dauern jedoch für gewöhnlich etwa vier bis sechs Monate. Alle Ausbildungskosten einschließlich der Ausbildungsbeihilfen werden von der FÁS getragen. Bei den Vollzeitteilnehmern handelt es sich überwiegend um junge Menschen, wenngleich die Kurse allen Altersgruppen offen stehen. Die Kurse führen meistens zum Erwerb eines Apprenticeship Training Certificate oder National Craft Certificate (Gesellenbrief).

Die Zulassung zum tertiären Bildungsbereich gründet auf den Leistungen in der „Leaving Certificate Examination“ (Abschlussprüfung des Senior Cycle), die anhand eines Punktesystems auf der Grundlage der in jedem Fach erzielten Noten bewertet werden. Die von der öffentlichen Hand finanzierte tertiäre Bildung erfolgt in sieben Universitäten, 14 Institutes of Technology (Fachhochschulen, früher „regional technical colleges“) und anderen spezialisierten Einrichtungen, u. a. fünf pädagogischen Hochschulen („Collges of Education“), zwei höheren Hauswirtschaftsschulen und einer Sporthochschule. An den Institutes of Technology können Schüler/innen eine berufliche Erstausbildung auf tertiärem Niveau absolvieren. Das Studium dauert 3 bis 4 Jahre und führt zum Erwerb eines Bachelor Degree (Fachhochschulabschluss). Bis 2006 hieß dieser Abschluss National Certificate bzw. National Diploma und wurde vom damaligen National Council for Educational Awards verliehen.

Aktuelle Reformprozesse

Die nationalen Partnerschaftsabkommen der letzten Jahre erkennen die Bedeutung des arbeitsplatzbezogenen und lebenslangen Lernens an. Im Rahmen des Programme for Prosperity and Fairness (Programm für Wohlstand und Fairness, 2000–/2002) vereinbarten die Regierung und die Sozialpartner eine Reihe von Maßnahmen zur Ausweitung der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung. Im jüngsten nationalen Abkommen – Sustaining Progress (Aufrechterhaltung des Fortschritts) – beschlossen die Sozialpartner, die Empfehlungen des Berichts der Task Force zum lebenslangen Lernen von 2002 umzusetzen, in dem folgende Faktoren als wesentlich für die Entwicklung von zugänglichen, strukturierten Angeboten in diesem Bereich herausgestellt wurden:

(a) die Entwicklung und Umsetzung des nationalen Qualifikationsrahmens;
(b) Maßnahmen zur Sicherstellung, dass alle Bürger die Grundfertigkeiten erwerben;
(c) die Bereitstellung von umfassenden und zusammenhängenden Beratungs- und  Informationsangeboten;
(d) die Auseinandersetzung mit den Angebotsformen, Zugangsmöglichkeiten und Finanzierungsfragen;
(e) die Schaffung besserer Möglichkeiten zum Lernen am Arbeitsplatz und für Arbeitnehmer im Allgemeinen.

Das Ministerium für Bildung und Qualifikation hat im Juli 2013 das Gesetz Education Trainings Boards Act  2013 verabschiedet. Das Gesetz sieht vor die 33 Berufsbildungsausschüsse (VEC) aufzulösen und durch deren Funktion durch die Errichtung von 16 Aus- und Weiterbildung Boards (ETBs) zu ersetzen. Das bedeutet eine Fusion von einigen der bestehenden VECs.

Zusätzlich wurde der Name der irischen Berufsbildungsbehörde in Education and Training Boards Ireland (ETBI) geändert.

Im Rahmen der irischen Strategie für die berufliche Bildung 2014-2019 sind einige Neuerungen im Berufsbildungssystem geplant. Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.education.ie/en/Publications/Education-Reports/Apprenticeship-Implementation-Plan.pdf

Weiterführende Informationen

Quellen und Links
Informationen des Auswärtigen Amtes