Länderprofil
Abbildung Großbritannien - aktuell

Großbritannien

Gültigkeit Seit 01.01.1987
Amtssprache Englisch (UK)

Beschreibung

Das Berufsbildungssystem Englands ist dezentral organisiert und modular aufgebaut. Einzelne Module werden zertifiziert und lassen sich im Sinne eines Baukastenprinzips oft zu einem Berufsabschluss „addieren“. Berufliche Bildungsgänge werden überwiegend an weiterführenden staatlichen Schulen (Colleges for Further Education) angeboten, häufig aber auch an Einrichtungen privater Träger. Für die Abschlussprüfungen gelten landesweit einheitliche  Kriterien. Nationale Standards für die Berufe (National Occupational Standards) werden von den Sector Skills Councils (SSCs) gemeinsam mit Arbeitgebern und anderen relevanten Institutionen entwickelt und in der Regel alle zwei bis drei Jahre überarbeitet.

Nach dem erfolgreichen Besuch der 6-jährigen Grundschule besteht bereits in der Sekundarstufe I die Möglichkeit, berufsbezogene Fächer zu wählen und Praktika in Unternehmen zu absolvieren. Die Sekundarstufe I endet bei erfolgreichem Abschluss mit dem General Certificate of Secondary Education (GCSE).  Im Alter von 16 Jahren können Schüler/innen einen Vollzeitunterricht an einer Oberstufenschule (Sixth Form Colleges), an einer weiterführenden Sekundarschule (College for Further Education) belegen oder an praxisbezogenen Lernprogrammen privater Träger teilnehmen:

Schüler der Oberstufenschulen (Sixth Form Colleges) schließen nach 2 Jahren mit einem GCE A-Level ab (allgemeinbildend) oder mit dem Vocational A-Level, falls der Unterricht berufsbezogen war. Diese Abschlüsse können ebenfalls innerhalb von 2 Jahren an einer weiterführenden Sekundarschule (Further Education Colleges/Tertiary Colleges) erworben werden. Dort können auch sowohl berufsbezogene Abschlüsse auf Level 2 oder 3 erworben werden, die je nach Berufsfeld von unterschiedlichen Trägern verliehen werden als auch einzelne fachbezogene Certificates auf verschiedenen Levels. Abschlüsse auf A-Level- oder Level 2 und 3-Niveau stellen gleichzeitig die Zugangsberechtigungen zu höheren Bildungseinrichtungen wie Fachhochschulen oder Weiterbildungs-Colleges (Higher/Further Education Colleges) dar. Dort können höhere berufsbezogene Abschlüsse auf Level 4 und 5, Diplomas in Higher Education und Higher National Certificates erworben werden.

Neben den vorwiegend schulischen beruflichen Bildungsangeboten gibt es ein- oder zweijährige betriebliche Bildungsgänge (Apprenticeship) mit einem Tag pro Woche schulischem Unterricht. Diese Form der Ausbildung wird auf drei Levels (Level 2, 3 und 4) angeboten. Absolventen mit einer mindestens zwei Jahre andauernden abgeschlossenen betrieblichen Berufsausbildung (Apprenticeship) und einem zusätzlichen Zertifikat der Berufsqualifikation auf Level 3 sind mit der deutschen dualen Ausbildung zu vergleichen. Bei Zertifikaten einer Prüfungsinstitution auf Level 3 (ohne "apprenticeship") sollte jeweils die Dauer der belegten Kurse und der Praxisanteil geprüft werden.

Träger der beruflichen Bildung

Insgesamt gibt es weit über 100 externe Prüfungsinstitutionen. Auf nationaler Ebene sind vor allem die folgenden größten Institutionen zu nennen, bei denen anerkannte Abschlüsse erworben werden können:

  • EDEXCEL – wurde 1996 zusammengeschlossen aus dem Business und Technology Education Council – BTEC (der Abschluss BTEC wurde nach diesem Rat bezeichnet) mit dem University of London Examinations & Assessment Council (ULEAC),
  • City and Guilds of London Institute,
  • OCR – Oxford Cambridge and RSA Examinations.

Folgende Abschlüsse, die in unterschiedlichen Berufsfeldern erworben werden, sind am weitesten verbreitet:

  • NVQ: Nationale berufliche Qualifikationen (National Vocational Qualifications - NVQ) auf fünf Levels,
  • BTEC: Business und Technologie Bildungsrat (Business und Technology Education Council (seit 1996 EDEXCEL – siehe oben),
  • GNVQ: Allgemeine nationale berufliche Qualifikationen (engl. General National Vocational Qualifications (bis 2007),
  • OCR: Oxford und Cambridge und RSA Prüfungen (Oxford Cambridge and RSA Examinations) ersetzen die GNVQs.
Aktuelle Reformprozesse

Seit 2008 werden "Diplomas" (Foundation, Higher, Advanced) in 14 unterschiedlichen beruflichen Richtungen angeboten (in England sind „Diplomas“ nicht mit den deutschen Diplomen von Hochschulabsolventen gleichzusetzen, in Universitäten und Fachhochschulen werden in der Regel „Degrees“ erzielt bzw. zum Teil auch fachbezogene  „Diplomas“). 2009 wurden die Grundlagen der betrieblichen Berufsausbildungen (Apprenticeships) gesetzlich neu geregelt.

Am 01.10.2015 wurde der neue reglementierte Qualifiaktionsrahmen (Regualted Qualifiaction Framework, RQF) veröffentlicht. Dieser ersetzt den Qualifikations- und Kreditrahmen (QCF) und den Nationalen Qualifiaktionsrahmen (NQF). Insgesamt ist der neue RQF weniger präskriptiv und bietet mehr Flexibilität. Alle Qualifikationen werden einem von acht Level zugeordnet und einer Größe, die die Gesamtqualifikationszeit (TQT) entspricht. Die Änderungen beziehen sich auf alle reglementierten Qualifikationen in England und beruflichen Qualifikationen in Nordirland.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

In der Datenbank des Sekretariats für die Regulierung von Qualifikationen und Abschlüssen (engl. Office of Qualifications and Examinations Regulation – Ofqual) werden sämtliche in Großbritannien aktuell vorhandenen Abschlüsse aufgelistet. Ebenfalls finden sich dort auch alle in Großbritannien akkreditierten Prüfungsinstitutionen.

Eine Übersicht über die Qualifikationen in England bietet außerdem über www.gov.uk – eine Informationsplattform der Regierung.

Beim nationalen Statistikbüro (engl. Office for National Statistics) sind die englischen Berufsklassifikationen (Standard Occupational Classification - SOC) verfügbar.

Die Homepage der Allianz der branchenspezifischen Qualifikationsräte (The Alliance of Sector Skills Councils) bietet Links zu den branchenspezifischen Qualifikationsräten (Sector Skills Councils - SSCs) in Großbritannien, die die nationalen beruflichen Standards entwickeln.

 

Informationen des Auswärtigen Amtes