Länderprofil
Abbildung Frankreich - aktuell

Frankreich

Gültigkeit Seit 01.09.2009
Amtssprache Französisch

Beschreibung

Nach der 5-jährigen Grundschule (école élémentaire) wird die Schulbildung von allen Schülern am 4-jährigen Collège fortgesetzt. Die Schulpflicht endet nach insgesamt 9 Jahren mit dem Diplôme national du brevet. Die Schüler können im Anschluss entweder das dreijährige Lyzeum besuchen um das Baccalauréat (allgemeine Hochschulreife) zu erlangen oder folgende berufsbildende Abschlüsse erwerben:

Das Certificat d’aptitude professionnelle (CAP) kann in ca. 200 Fachrichtungen über zwei verschiedene Bildungswege erworben werden. Entweder nach 2 Jahren in Vollzeit am Lycée professionnel (berufliches Gymnasium) oder über eine 2-jährige Lehre im dualen System mit Besuch einer Berufsschule, dem Centre de Formation d’Apprentis (CFA). Die duale Ausbildung kann von 16- bis 25-Jährigen absolviert werden. Äquivalent zum CAP kann im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung das Certificat d’aptitude professionnelle agricole (CAPA) erworben werden. Auch hier führt der Weg über das Lycée professionnel oder die Lehre.

Das Brevet d'études professionnelles (BEP) kann auch nach 2 Jahren in Vollzeit am Lycée professionnel (berufliches Gymnasium) oder über eine 2-jährige Lehre im dualen System mit Besuch einer Berufsschule, dem Centre de Formation d’Apprentis (CFA) erworben werden. Das BEP ist allerdings nur ein Zwischenschritt (diplôme intermédiaire) auf dem Weg zum  baccalauréat professionnel (Bac Pro).

Inhaber eines CAP oder BEP können entweder direkt ins Berufsleben eintreten oder durch den Besuch eines weiteren Schuljahres das Baccalauréat professionnelle (bac pro), die berufliche Hochschulreife erwerben. Das bac pro kann auch auf direktem Weg nach dem Collège in 3 Jahren am Lycée professionnel oder über eine 3-jährige Lehre im dualen System mit Besuch einer Berufsschule, dem Centre de Formation d’Apprentis (CFA) erlangt werden.

Die 2-jährige Vorbereitung auf das  Brevet professionnel (BP)  findet im dualen System statt. Das BP kann in 54 Fachgebieten erworben werden. Nach diesem Brevet ist keine Weiterqualifizierung möglich.

Die Vorbereitung auf das Brevet technique des métiers (BTM) dauert ebenfalls zwei Jahre im dualen System. Dieser Ausbildungsgang fällt in den Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammern (Chambre de métiers et de l’artisanat).  Das BTM ist beschränkt auf folgende Branchen: Lebensmittel/Gastronomie, Elektrizität, Möbelherstellung, Fotografie, Landwirtschaft, komplementärmedizinische Behandlungsmethoden.

Das Brevet de technicien (BT) ist ein Bildungsabschluss der Sekundarstufe II, der am Lyceum erworben wird. Er wird schrittweise ersetzt  (siehe „Aktuelle Reformprozesse“).  Bestehen bleibt der Abschluss zunächst im angewandten künstlerischen und im musischen Bereich.

Inhaberinnen und Inhabern einer beruflichen oder allgemeinen Hochschulreife (Baccalauréat) bieten die Fachhochschulen (Instituts Universitaires de Technologie (IUT)), Kurzstudiengänge an (filières courtes), die vor allem der Ausbildung von Technikern und Assistenten der Industrie- und Dienstleistungssektoren dienen. Nach zwei Jahren endet das Studium mit dem Erwerb des Diplôme universitaire de technologie (DUT).

Fachspezifische kurze Studiengänge in Bereichen des Dienstleistungssektors und der Industrie werden auch an Lyceen und privaten Einrichtungen angeboten und führen beispielsweise zum staatlich anerkannten Brevet de technicien supérieur (agricole) (BTS(A)). Dieser Abschluss kann ebenso über eine 2-jährige Lehre nach dem Bac Pro erworben werden.

Die 2-jährige höhere duale Ausbildung mit dem Abschluss Brevêt de Maîtrise (BM) vermittelt Inhalte im Bereich Management. Sie setzt auf dem Abschluss BTM auf (s. o.) und befähigt zur Führung eines Handwerksbetriebs. Die Anmeldung erfolgt über die jeweilige Handwerkskammer.

Das französische Bildungssystem stuft die Bildungsabschlüsse in fünf Niveaus ein:

Niveau VI und V bis: ohne Abschluss
Niveau V: Certificat d'aptitude professionnelle (CAP), bis 2009 auch Brevet d’études professionnelles (BEP)
Niveau IV: baccalauréat général, baccalauréat technologique oder baccalauréat professionnel und z. B. brevet professionnel (BP)
Niveau III: brevet de technicien supérieur (BTS) oder diplôme universitaire de technologie (DUT) 2-jähriges Kurzstudium, bac + 2
Niveau II: zweiter Studienzyklus, der nach einem Jahr mit der Licence, nach 2 Jahren mit der Maîtrise abschließt, bac + 3 und 4
Niveau I: Diplôme d‘études supérieures spécialisées (DESS bzw. Master), einjähriges Aufbaustudium, bac + 4 oder 5

Quelle: Ministère de l’éducation nationale

Landesspezifische Besonderheiten

Die Ausbildung im dualen System mit Abschluss bac pro kann seit 2011 ebenso wie das Lycée professionnel zur Hochschulzugangsberechtigung führen (z. B. Abschluss Diplôme Universitaire de Technologie (DUT)).

Die Ausbildungsordnungen und die Prüfungen des Lycée professionnel und der Lehre im dualen System sind identisch.

Aktuelle Reformprozesse

Das „Brevet d’études professionnelles (BEP)“ stellt seit 2009 keinen eigenen Abschluss mehr dar, sondern ist ein Zwischenzeugnis auf dem Weg zum baccalauréat professionnel und attestiert den Erwerb berufsbezogener Fähigkeiten.

Das „Brevet de technicien (BT)“ wird schrittweise ersetzt durch baccalauréats technologiques oder baccalauréats professionnels. Einige BT-Abschlüsse bleiben jedoch bis auf Weiteres bestehen. Dazu gehören der angewandte künstlerische und der musische Bereich.

Seit 2011 ist es möglich, zwischen dem allgemeinbildenden bzw. technischen Lyceum (Lycée général et technologique) und dem beruflichen Lyceum (Lycée professionnel) zu wechseln. Auch innerhalb des beruflichen Lyceums ist nach dem Abschluss CAP ein Wechsel in den Zweig mit Abschluss baccalauréat professionnel (bac pro) möglich.

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1989 bis 2009
Gültigkeit: 10.07.1989 - 31.08.2009

Beschreibung

Das gesamte französische Bildungssystem basiert auf den sog. „code de l'éducation", der erst im Jahr 1795 erschienen ist. Der „code de l'éducation" wurde seitdem immer wieder aktualisiert und angepasst.

Das „Loi d’orientation de l’éducation" von 1989 ist ein Beitrag zur Weiterentwicklung des „code de l'éducation". Ein wichtiges Ziel des Gesetzes „Loi d’orientation de l’éducation" von 1989 ist es, die Anzahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu reduzieren. Jede Schülerin/jeder Schüler sollte mindestens ein Certificat d'aptitude professionnelle (CAP) oder ein Brevet d'études professionnelles (BEP) erlangen.

Nach der 5-jährigen Grundschule (école élémentaire) wird die Schulbildung von allen Schülern am 4-jährigen Collège fortgesetzt. Die Schulpflicht endet nach insgesamt 9 Jahren mit dem Diplôme national du brevet.

Im Anschluss können folgende berufsbildende Abschlüsse erworben werden:

Das Certificat d’aptitude professionnelle (CAP) kann über zwei verschiedene Bildungswege erworben werden. Entweder nach 2 Jahren in Vollzeit am Lycée professionnel (berufliches Gymnasium) oder über eine 2-jährige Lehre im dualen System mit Besuch einer Berufsschule, dem Centre de Formation d’Apprentis (CFA). Äquivalent zum CAP kann im Bereich Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung das Certificat d’aptitude professionnelle agricole (CAPA) erworben werden. Auch hier führt der Weg über das Lycée professionnel oder die Lehre.

Das Brevet d’enseignement professionnel (BEP) attestiert den Erwerb berufsbezogener Fähigkeiten. Das BEP kann nach 2 Jahren in Vollzeit am Lycée professionnel (berufliches Gymnasium) oder über eine 2-jährige Lehre im dualen System mit Besuch einer Berufsschule, dem Centre de Formation d’Apprentis (CFA) erworben werden. Es stellt einen geringer qualifizierten Abschluss dar als das CAP, ermöglicht jedoch ebenfalls eine Weiterqualifizierung im dualen System oder in Richtung Fachabitur.

Inhaber eines CAP oder BEP können entweder direkt ins Berufsleben eintreten oder durch den Besuch zweier weiterer Schuljahre das Baccalauréat professionnelle (bac pro), die berufliche Hochschulreife erwerben.

Die 2-jährige Vorbereitung auf das Brevet professionnel (BP) findet im dualen System statt. Nach diesem Brevet ist keine Weiterqualifizierung möglich.

Die Vorbereitung auf das Brevet technique des métiers (BTM) dauert ebenfalls zwei Jahre im dualen System. Dieser Ausbildungsgang fällt in den Zuständigkeitsbereich der Handwerkskammern (Chambre de métiers et de l’artisanat).  Das BTM ist beschränkt auf folgende Branchen: Lebensmittel/Gastronomie, Elektrizität, Möbelherstellung, Fotografie, Landwirtschaft, komplementärmedizinische Behandlungsmethoden.

Das Brevet de technicien (BT) ist ein Bildungsabschluss der Sekundarstufe II, der am Lyceum erworben wird.

Inhaberinnen und Inhabern einer beruflichen oder allgemeinen Hochschulreife (Baccalauréat) bieten die Fachhochschulen (Instituts Universitaires de Technologie (IUT)), Kurzstudiengänge an (filières courtes), die vor allem der Ausbildung von Technikern und Assistenten der Industrie- und Dienstleistungssektoren dienen. Nach zwei Jahren endet das Studium mit dem Erwerb des Diplôme universitaire de technologie (DUT).

Fachspezifische kurze Studiengänge in Bereichen des Dienstleistungssektors und der Industrie werden auch an Lyceen und privaten Einrichtungen angeboten und führen beispielsweise zum staatlich anerkannten Brevet de technicien supérieur (agricole) (BTS(A)). Dieser Abschluss kann ebenso über eine 2-jährige Lehre nach dem Bac Pro erworben werden.

Die 2-jährige höhere duale Ausbildung mit dem Abschluss Brevêt de Maîtrise (BM) vermittelt Inhalte im Bereich Management. Sie setzt auf dem Abschluss BTM auf (s. o.) und befähigt zur Führung eines Handwerksbetriebs. Die Anmeldung erfolgt über die jeweilige Handwerkskammer.

Das französische Bildungssystem stuft die Bildungsabschlüsse in fünf Niveaus ein:

Niveau VI und V bis: ohne AbschlussNiveau V: Certificat d'aptitude professionnelle (CAP), Brevet d’études professionnelles (BEP)

Niveau IV: baccalauréat général, baccalauréat technologique oder baccalauréat professionnel und z. B. brevet professionnel (BP)

Niveau III: brevet de technicien supérieur (BTS) oder diplôme universitaire de technologie (DUT) 2-jähriges Kurzstudium, bac + 2

Niveau II: zweiter Studienzyklus, der nach einem Jahr mit der Licence, nach 2 Jahren mit der Maîtrise abschließt, bac + 3 und 4

Niveau I: Diplôme d‘études supérieures spécialisées (DESS bzw. Master), einjähriges Aufbaustudium, bac + 4 oder 5

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

Die Datenbank "Reflet" biete ausführliche Informationen über alle berufsbildenden Abschlüsse in Frankreich.

Das Ministère de l'éducation nationale (Bildungsministerium) trägt die Verantwortung für die Bildungsinhalte und Prüfungen der Sekundarstufen I und II. Man findet hier ausführliche Informationen über die Schulformen, die Programme und Ziele der Schulbildung. Das Portal bietet Statistiken über die verschiedenen Bildungsgänge und die Anzahl der Absolventen und Absolventinnen.

Die Commission nationale de la certification professionnelle (CNCP) untersteht der Regierung und ist u. a. verantwortlich für die Erfassung der beruflichen Abschlüsse. Zu den Aufgaben der Kommission gehört es, über nationale und EU-weite Abschlüsse zu informieren, Empfehlungen im Bereich Bildung auszusprechen oder  zur Transparenz der Abschlüsse auf internationalem Niveau beizutragen.

 

Abkommen Deutschland-Frankreich

Seit 1977 besteht die „Verordnung zur Gleichstellung französischer Prüfungszeugnisse mit Zeugnissen über das Bestehen der Abschlussprüfung oder Gesellenprüfung in anerkannten Ausbildungsberufen“ in Deutschland. Die Verordnung wurde bis 1991 mehrfach erweitert und angepasst. Eine rechtliche Gleichstellung kann auf Grundlage der Verordnung zur Gleichstellung französischer Abschlusszeugnisse nur dann automatisch erfolgen, wenn der jeweilige Abschluss auf einer Rechtsgrundlage beruht, die bereits im Zeitpunkt der letzten Verordnungsänderung im jeweiligen Land Gültigkeit hatte. Die meisten Berufe, die in dieser Verordnung aufgelistet sind, sind nicht mehr aktuell.

Nach der gemeinsamen Erklärung vom 26. Oktober 2004 ist das französische certificat d'aptitude professionelle (CAP) als Abschlusszeugnis einer französischen Berufsfachschule vergleichbar mit einem in der dualen Berufsausbildung mit einer Regelausbildungsdauer von zwei Jahren  erhaltenen deutschen Abschlusszeugnis in der Berufsausbildung.

 

Informationen des Auswärtigen Amtes