Rückblick: EU Institutionen sehr interessiert an Studienergebnissen zur Anerkennung

Das BQ-Portal durfte zweimal in Folge die Ergebnisse der Studie ‘Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse aus Unternehmenssicht’ in Brüssel vorstellen. Zum einen lud das IW-Büro in Brüssel in den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss ein, um die Ergebnisse mit Vertreterinnen und Vertretern der EU Kommissionen und europäischen Akteuren zu diskutieren. Darüber hinaus haben die Mitglieder des europäischen Parlaments, Nela Riehl und Brigitte van den Berg, zum Austausch eingeladen: Wie kann die Übertragbarkeit von Qualifikationen in Europa verbessert werden?

Die Studie "Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse aus Unternehmenssicht", die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) erstellt hat, beleuchtet die Bedeutung der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen für die Fachkräftesicherung in Deutschland aus Sicht deutscher Unternehmen. Dabei ging es um den Bezug der Unternehmen zu dem Thema sowie konkrete Erfahrungen.  Die meisten Erfahrungen wurden beispielsweise dann gemacht, wenn die Fachkraft bereits im Unternehmen angestellt war. Die Anerkennung fördert außerdem die nachhaltige Integration von Fachkräften in den Arbeitsmarkt und verbessert deren Beschäftigungschancen. 

 

Mit Unterstützung des IW-Büros in Brüssel, wurden die Ergebnisse der Unternehmensbefragung vor interessiertem Fachpublikum vorgestellt, die auch auf europäischer Ebene große Relevanz haben. 

Im europäischen Kontext ist die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ein zentrales Thema, da sie die Mobilität von Fachkräften innerhalb der EU erleichtert und den Zugang zu einem erweiterten Talentpool ermöglicht. Die Europäische Union hat verschiedene Richtlinien und Initiativen eingeführt, um die Anerkennung von Berufsqualifikationen zu harmonisieren und zu vereinfachen.  Ziel ist es, den Fachkräftemangel in vielen europäischen Ländern zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu stärken. 

Zwei Handwerkerfiguren halten einen Flyer zur IW-Studie. Im Hintergrund sieht man die PodiumsteilnehmerInnen.
Berts in Brüssel

Die Autoren Gesina Leininger und Dirk Werner stellten die Ergebnisse vor. In der angeregt geführten Panel-Diskussion, mit Thomas Bastian von Talentscourty, Mirela Cacan des Norwegian Directorate for Higher Education and Skills (HKDir Norwegen), Michael Graham von der  European Training Foundation (ETF) und Vasileios Symeonidis der CEDEFOP, wurden die Ergebnisse anschließend in den europäischen Rahmen eingeordnet. Die Möglichkeiten zur Vereinheitlichung der Anerkennungsprozesse auf europäischer Ebene wurden besprochen. Durch Thomas Bastian konnte zudem praktische Erfahrungen mit dem deutschen Anerkennungsverfahren auf einer breiten Skala geteilt werden. Seit Jahren werden aus Indien, Türkei und Tunesien Fachkräfte für den deutschen Arbeitsmarkt rekrutiert und im Anerkennungsverfahren begleitet. Michael Graham der ETF konnte auf die Ergebnisse der kürzlich veröffentlichten Umfrage eingehen, in der die Anerkennung von Drittsaaten auf EU-Ebene beleuchtet wurde. Wie unterschiedlich die Anerkennungsverfahren auf europäischer Ebene laufen, wurde bereits durch die BRAVO Studie bekannt, die Mirela Cacan begleitete. Auch die CEDEFOP, das Europäisches Zentrum für die Entwicklung der Berufsausbildung, ist an den Erfahrungen und auch Hürden der deutschen Unternehmen interessiert.  Dieses verfolgt die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt und hilft der Europäischen Kommission, den EU-Ländern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften, das Ausbildungsangebot auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts abzustimmen. 

Nach einer spannenden Diskussion und vertiefenden Fragen zur Studie mit dem Publikum, konnten die Gespräche bei Sandwiches und Kuchen fortgesetzt werden.

Eingeladen durch die Mitglieder des Europäischen Parlaments, konnte die Studie zur Unternehmenssicht auf das deutsche Anerkennungsverfahren erneut vor internationalem Publikum im EU-Parlament vorgestellt werden. Zusammen mit Mikko Vieltojärvi, Berater der Bildungspolitik (Bund der finnischen Industrie) wurden verschiedene Fragen diskutiert: Was brauchen Arbeitgeber, um effektiv Talente aus dem Ausland zu rekrutieren? Wie können die Anerkennungsverfahren verbessert werden, damit Qualifikationen wirklich grenzüberschreitend genutzt werden können? Es ist bekannt, dass die Mitgliedsstaaten der EU vor der Herausforderung stehen, Arbeitskräfte- und Qualifikationsdefizite zu überwinden. Doch komplexe und langwierige Anerkennungsverfahren für ausländische Qualifikationen stellen ein Mobilitätshemmnis dar und lassen wertvolle Fähigkeiten ungenutzt. Die Erkenntnisse aus der Studie trafen auf interessierte Resonanz und haben spannende Diskussionen angeregt. Die Sicht der deutschen Unternehmen auf das Anerkennungsverfahren hat EU-weit Gewicht und regt dazu an, über Mobilitätshindernisse und Gründe für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen zu reflektieren. 
 

Eine Gruppe von sechs Personen steht vor 2 Bannern im EU-Parlament. Zu sehen sind die Organisatorinnen und zwei Präsentatoren der Veranstaltung.
Brüssel, EU-Parlament und MEPs