Länderprofil
Grafische Darstellung des Berufsbildungssystems Portugal mit der Gültigkeit ab  2022

Portugal

Gültigkeit Seit 02.02.2022
Amtssprache Portugiesisch

Beschreibung

Das portugiesische Bildungs- sowie Berufsbildungssystem ist zentral organisiert und untersteht dem Ministerium für Bildung und Wissenschaft (Ministerio da Educação e Ciência). Die Autonomen Regionen der Azoren haben eigene Zuständigkeiten, sind jedoch den nationalen Leitlinien unterworfen.

Die Grund- und Sekundarschule (Ensino Básico) dauert neun Jahre und endet mit einem Abschlusszeugnis (Diploma do Ensino Básico). Das Bildungsangebot im Sekundarbereich II umfasst allgemeinbildende und beruflich orientierte Kurse. Die rein allgemeinbildenden Kurse sind die sogenannten wissenschaftlich-humanistischen Bildungsgänge (Cursos Cientifico-Humanisticos) und schließen mit dem "Diploma do Ensino Secundário" ab. Die übrigen Bildungsgänge sind doppelt qualifizierend (Allgemeinbildung + Berufsbildung) und werden nachfolgend dargestellt.

Sekundarstufe II

Berufsabschlüsse im Sekundarbereich II führen zum "Diploma de Qualificação Profissional (de Nivel 4)" und können über folgende Wege erreicht werden:

  • Technologische Bildungsgänge (Cursos Tecnológicos Especializados) und spezialisierte künstlerische Bildungsgänge (Cursos Artísticos Espezializados) sind schulische Bildungsgänge mit berufsbildenden Elementen, die sowohl die Aufnahme eines Studiums als auch den Eintritt ins Berufsleben ermöglichen. Mindestens zwei Jahre dieser dreijährigen Bildungsgänge sind allgemeinbildend. Sie werden an Sekundarschulen unterrichtet.
  • Schulische Berufsbildungsgänge (Cursos Profissionais) werden an staatlichen und privaten Berufsschulen sowie an staatlichen Sekundarschulen angeboten und bereiten vorrangig den Eintritt in den Arbeitsmarkt vor. Diese Bildungsgänge umfassen 3.100 Stunden, von denen 420 auf einen praktischen Teil in dem jeweiligen beruflichen Kontext entfallen. Der Praxisteil (Formação em Contexto de Trabalho (FCT)) in wird hier unter Koordination der Schulen angeboten.
  • Duale Berufsausbildung (Cursos de Aprendizagem) richtet sich an Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren. Die Dauer der Ausbildung variiert je nach Berufstyp zwischen 2.800 und 3.700 Stunden, wobei der praktische Teil der Ausbildung zwischen 1.100 und 1.500 Stunden umfasst und über Ausbildungsverträge in Betrieben stattfindet. Die Lehrlingsausbildung wird vom Institut für Beschäftigung und Berufsbildung (Instituto de Emprego e Formação Profissional – IEFP) verwaltet. Unterrichtet wird an staatlichen und privaten Berufsbildungszentren des IEFP.

Postsekundäre Stufe

Berufsabschlüsse im postsekundären Bereich führen zum: "Diploma de Qualificação Profissional (de Nivel 5)"

  • Zum einen können nach dem Sekundarabschluss II höhere Ausbildungsgänge mit technischer Ausrichtung (Cursos de Especialização Tecnológica - CET) absolviert werden. Die Dauer beträgt 1.200 bis 1.560 Stunden, wovon zwischen 360 und 720 Stunden auf die praktische Ausbildung entfallen. Angeboten werden sie in Sekundarschulen, Berufsbildungszentren, technologischen Schulen und anderen akkreditierten Einrichtungen. Der Abschluss kann auf ein Hochschulstudium angerechnet werden.
  • Zum anderen wurde im Jahr 2022 das duale Ausbildungssystem modernisiert, wodurch ein neuer höherer Ausbildungsgang (Curso de Aprendizagem+) im postsekundären Bereich eingeführt wurde. Diese höhere duale Ausbildung dauert 1- bis 1,5 Jahre und umfasst 1.325 bis 1.675 Stunden.

Erwachsenenbildung

In Portugal sind die Möglichkeiten der beruflichen Erwachsenenbildung sehr umfassend und können entweder 

Zugangsvoraussetzungen und Kursumfang hängen vom jeweiligen Kurs ab. So kann auf der einen Seite der Grundschulabschluss in Bildungs- und Berufsbildungskurse nachgeholt werden, während auf der anderen eine zusätzliche berufliche Qualifikation erworben werden kann. Die meisten Bildungs- und Berufsbildungskurse dauern ein bis zwei Jahre, wobei der Praxisanteil mindestens 210 Stunden ausmacht. Bildungs- und Berufsbildungskurse werden an staatlichen und privaten Schulen, an Berufsbildungszentren sowie an sonstigen akkreditierten Ausbildungsstätten angeboten. Im Zuge der Reform 2022 wurde diese nochmals um weitere modulare Qualifikationen (EFA) und postsekundäre Abschlüsse auf NQF Level 4 und 5 erweitert. Nun können neben Kurzzeitkursen auf NQF Level 2 sowie den Berufsabschlüssen im Sekundarbereich II auf NQF Level 4 auch Ausbildungen auf NQF Level 5 nachgeholt werden.

Validierung und Zertifizierung von informellen/nicht-formalen Kompetenzen (RVCC)

Im Jahr 2001 wurde ein System eingeführt, dass Erwachsenen die Anerkennung, Validierung und Zertifizierung von informellen und nicht-formalen Kompetenzen im schulischen und beruflichen Bereich ermöglicht (Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências - RVCC). Als Referenz dienen Qualifikationen, die im Nationalen Qualifikationskatalog (Catálogo Nacional de Qualificações - CNQ) enthalten sind. Das Anerkennungsverfahren kann zu einer vollständigen Anerkennung von Qualifikationen mit Aushändigung eines entsprechenden Abschlussdokuments (Diploma de Qualificação Profissional) oder zu einer teilweisen Anerkennung bestimmter Kompetenzen (Certificado de Qualificação Profissional) führen. Bei einer teilweisen Anerkennung können die erworbenen Kompetenzen z.B. in Bildungs- und Berufsbildungskursen angerechnet und der entsprechende Abschluss mit einer verkürzen Ausbildungsdauer erreicht werden.

Historische Entwicklung

Berufsbildungssystem von 1991 bis 2022

Gültigkeit: 16.10.1991 - 02.02.2022

Beschreibung

Das portugiesische Berufsbildungssystem war zwischen 1991 und 2022 ähnlich strukturiert wie heute.

Der rechtliche Rahmen der  Bildung und Berufsbildung, der seit 1991 in Kraft ist, wurde mehrmals stark überarbeitet. Ziel der Reformen war es, das im europäischen Vergleich geringe Qualifikationsniveau in Portugal anzuheben. Dies sollte u.a. durch ein breiteres Angebot an beruflichen Qualifizierungsmöglichkeiten sowie durch die bessere Nutzung des Qualifikationspotenzials des relativ hohen Anteils von Erwachsenen ohne formalen allgemeinen und/oder beruflichen Abschluss geschehen.

Für letzteres wurde im Jahr 2001 ein System  zur Anerkennung, Validierung und Zertifizierung von non-formalen und informellen Kompetenzen eingeführt (Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências - RVCC).

2007 wurde das nationale Qualifikationssystem (Sistema Nacional de Qualificações – SNQ) gegründet, das einen gemeinsamen institutionellen Rahmen für die Berufsausbildung im Verantwortungsbereich des Bildungsministeriums und die Berufsbildung im Verantwortungsbereich des Arbeitsministeriums schafft. Im Rahmen dieses Systems wurde der nationale Qualifikationskatalog (Catálogo Nacional de Qualificações - CNQ) eingeführt, der alle doppelt qualifizierenden Bildungsgänge im nicht-tertiären Bereich abbildet.

2009 wurde die allgemeine Schulpflicht von 9 auf 12 Jahre erhöht.

Bis 2011 bestand die Möglichkeit, ein sogenanntes Cerfiticado de Aptidão Profissional zu erhalten. Dieses bescheinigte, dass die Person notwendige Kompetenzen zur Ausübung eines bestimmten Berufes mitbrachte. Die Kompetenzen können durch Ausbildungszertifikate, Berufserfahrung oder Zeugnisse aus anderen Ländern nachgewiesen werden. Gegebenenfalls wurden zusätzlich Interviews geführt oder Arbeitsproben verlangt. Ausgestellt wurden die Zeugnisse durch das Instituto do Emprego e Formação Profissional (IEFP) oder durch andere von der Regierung hierzu befähigten Einrichtungen. 2011 ist das Certificado de Aptidão Profissional dann durch das Certificado de Qualificação Profissional ersetzt worden.

Im Jahr 2012 wurden die Cursos Tecnológicos abgeschafft und liefen so zum Schuljahr 2014 aus.

Bis 2022 wurden Berufsabschlusse im Sekundarbereich II dem NQF Level 3 und Berufsabschlüsse im postsekundären Bereich dem NQF Level 4 zugeordnet. Bis dahin gab es lediglich einen Berufsbildungsgang mit technischer Ausrichtung (Cursos de Especialização Tecnológica - CET) im postsekundären Bereich. Dieser wurde bis 2022 mit dem "Diploma de Especialização Tecnológica de Nivel 4 - DET" beschenigt.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links

  • Das Ministerium für Bildung und Wissenschaft (Ministerio da Educação e Ciência) ist für Bildung im Bereich der Grund- und Sekundarschule sowie für die Erwachsenenbildung zuständig.
  • Das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (Ministério da Economia e do Emprego) für die Förderung von Beschäftigung und beruflicher Bildung im Bereich des Arbeitsmarkts zuständig.
  • Die Nationale Agentur für Qualifikationen und berufliche Bildung (Agência Nacional para a Qualificação e o Ensino Profissional, IP – ANQEP) wurde 2006 gegründet und koordiniert die Durchführung von Bildungs- und Berufsbildungspolitik zwischen den beiden verantwortlichen Ministerien (s.u.).
  • Neben der Verwaltung des Systems der  Anerkennung, Validierung und Zertifizierung von Kompetenzen (Reconhecimento, Validação e Certificação de Competências - RVCC) ist die Nationale Agentur für Qualifikationen und berufliche Bildung (ANQEP) für die Verwaltung und ständige Aktualisierung des Nationalen Qualifikationskatalogs (Catálogo Nacional de Qualificaçõe, s.u.) zuständig. Dieser enthält für knapp 300 Qualifikationen aus dem nicht-tertiären Berufsbildungsbereich u.a. Angaben zu Berufsprofil, Bildungsgänge, Ausbildungsziele, Ausbildungsinhalte sowie eine Zuordnung zum nationalen Qualifikationsrahmen.
  • Das Institut für Arbeit und Berufliche Bildung (Instituto de Emprego e Formação Profissional – IEFP) ist die nationale Arbeitsagentur im Verantwortungsbereich des Arbeitsministeriums, die auch für die Berufsbildung verantwortlich ist. Informationen zu den verschiedenen Berufsausbildungsgängen finden Sie unter: Modalidades de Formação - IEFP, I.P. 

Lehrpläne:

Akkreditierte Berufsbildungsgänge:

 

Informationen des Auswärtigen Amtes