Länderprofil
Abbildung Irak - aktuell

Irak

Gültigkeit Seit 01.01.1990
Amtssprache Arabisch Neben Arabisch, das von 70-80% der Bevölkerung gesprochen wird, ist auch Kurdisch Landessprache und offizielle Amtssprache. Kurdisch wird hauptsächlich in der Autonomen Region Kurdistan im Nordosten des Landes gesprochen.

Beschreibung

Das Berufsbildungssystem im Irak ist an sich zentralstaatlich organisiert, allerdings gibt es teilweise Unterschiede zwischen den drei kurdischen Regionen Dahuk, Erbil und Sulaymaniyah sowie dem Rest des Iraks.

Die allgemeine Pflichtschulzeit im Irak beträgt neun Jahre: sechs Jahre Grundschule (المرحلة الابتدائية) und drei Jahre Sekundarstufe I (المتوسطة). Am Ende der Grundschulzeit steht eine verpflichtende, nationale Abschlussprüfung (وثيقة مدرسية).
In den drei kurdischen Regionen ist das allgemeinschulische System etwas anders organisiert: Hier umfasst die Grundschule neun Jahre und endet mit einer nationalen Abschlussprüfung (شهادة الإبتدائية) sowie dem Erreichen des mittleren Schulabschlusses (intermediate baccalaureate/شهادة مدرسية / المرحلة الاعدادية).

Im Anschluss an den Besuch der Sekundarstufe I (Klasse 7 bis 9) haben die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, weitere drei Jahre auf der allgemeinbildenden Schule zu bleiben und dort die Oberstufe (preparatory phase/الإعدادية) zu absolvieren. Des Weiteren steht ihnen der Besuch von dreijährigen mittleren berufsbildenden Schulen offen (...).

Der Besuch der allgemeinbildenden Oberstufe führt zur allgemeinen Hochschulreife (secondary school certificate/وثيقة مدرسية / المرحلة الإعدادية). Ab der zweiten Klasse der allgemeinbildenden Oberstufe wird in einen literarisch-geisteswissenschaftlichen Zweig (literacy and humanities) und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig (scientific) aufgeteilt.

In den berufsbildenden Schulen werden drei verschiedene Fachrichtungen angeboten: Landwirtschaft (agriculture/زراعة), Technik und Industrie (industrial studies/صناعة) und Wirtschaft (commercial studies/تجارة), die sich wiederum in 21 Spezialisierungsfelder differenzieren. Der Besuch der mittleren berufsbildenden Schule schließt mit dem Erhalt eines Fachabiturs (vocational baccalaureate/ وثيقة مدرسية / الإعدادية المهنية) ab. Ziel dieser Berufsausbildung ist es, die Schülerinnen und Schüler auf den Übergang in den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Daher enthält der Stundenplan einen relativ hohen Anteil praxisbezogener Fächer (55-60%).

Im Bereich der postsekundären Ausbildung gibt es sogenannte technische Institute mit verschiedenen Fachrichtungen (technical institutes/معهد فني), sowie seit dem Schuljahr 2001/2002  technische Fachhochschulen (technical colleges). Letztere sind höher angesiedelt bzw. führen zu höheren Abschlüssen.

Die zweijährige Ausbildung an technischen Instituten (معهد فني) führt zu einem technischen Diplom (technical diploma). Die Jahrgangsbesten der technischen Institute können ihren Bildungsweg an den technischen Fachhochschulen oder Universitäten weiterführen.

An technischen Fachhochschulen können folgende Abschlüsse erworben werden:

  • Höheres technisches Diplom: technical higher diploma/دبلوم عالي (nach 2 Jahren)
  • technical bachelor/بكالوريوس (BA oder BSc; nach 4 Jahren)
  • technical master/شهادة الماجستير (MA oder MSc; nach weiteren 2 Jahren)

Postsekundäre Ausbildungsgänge an technischen Instituten und technischen Fachhochschulen haben einen hohen praktischen Anteil (50-70%). Der praktische Teil wird je nach Studiengang und Institut in Laboren, Werkstätten oder in Form von Unternehmenspraktika absolviert.

Schließlich gibt es im Irak sowohl staatliche als auch private Universitäten. Letztere existieren seit Ende der 1980er-Jahre und sind größtenteils vom Ministerium für Hochschulbildung und wissenschaftliche Forschung akkreditiert. Die Stundenpläne an Universitäten sind standardisiert und die angebotenen Studiengänge gelten seit jeher als sehr praxisfern.

Der Zugang zu Institutionen der höheren Bildung (technische Fachhochschulen sowie Universitäten) wird durch das Absolvieren der Oberstufe an allgemeinbildenden Schulen eröffnet. Dabei stehen Absolventen des literarisch-geisteswissenschaftlichen Zweigs geistes-, rechts-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche sowie musische Fächer offen, während Absolventen des mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweigs bei der Fächerwahl keine Einschränkungen haben. Zudem führt der Abschluss an einem technischen Institut zu einer (Fach-)Hochschulzulassung. Auch die 10% jahrgangsbesten Absolventinnen und Absolventen der mittleren berufsbildenden Schulen erhalten einen fachgebundenen Zugang zu Einrichtungen der höheren Bildung.

Weitere Ausbildungsmöglichkeiten finden sich in der Industrie, bei privaten Bildungsanbietern oder im informellen Sektor, der vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen über das Prinzip „Learning by Doing“ einen Einstieg in das Berufsleben ermöglicht.

Landesspezifische Besonderheiten

Das irakische Bildungssystem ist zweigeteilt, da die drei Provinzen im nordöstlichen Teil des Landes (Autonome Region Kurdistan) ein eigenes Schulsystem haben. Die Organisation der (beruflichen) Bildung liegt hier bei anderen nationalen bzw. regionalen Institutionen (s. Nationale Ansprechpartner/Experten). Dennoch können ab Sekundarstufe II dieselben Abschlüsse erworben werden und es gelten dieselben Zugangsvoraussetzungen zu Institutionen der höheren Bildung.

Im Irak gibt es auf dem Land, wo die Geburtenrate überdurchschnittlich hoch ist und besonders viele junge Menschen leben, eine große Nachfrage und ein geringes Angebot (beruflicher) Bildungsmöglichkeiten. Unter anderem deswegen ist der Anteil informeller Berufsbildung jenseits des formalen Berufsbildungssystems vor allem in ländlichen Gebieten relativ hoch.

Aktuelle Reformprozesse

Seit dem Sturz Saddam Husseins und seines Regimes im Jahr 2003 gibt es verstärkt international unterstützte Bemühungen, die berufliche Bildung attraktiver und arbeitsmarktbezogener zu gestalten. In diesem Zuge werden auch viele Curricula aktualisiert und angepasst. Hier ist insbesondere das Erstellen eines Rahmenlehrplans („curriculum framework“) durch das staatliche Erziehungsministerium in Kooperation mit der UNESCO zu nennen.

Außerdem wird versucht, die mangelhafte Vernetzung sowohl zwischen den unterschiedlichen berufsbildenden Instituten sowie auch zwischen Ausbildungsinstituten und dem privaten Sektor auszubauen.

Historische Entwicklung

Änderung des Berufsbildungssystems 2001
Gültigkeit: 01.02.1970 - 31.08.2001

Beschreibung

Einführung technischer Fachhochschulen

Bis zum Schuljahr 2001/2002  gab es im Bereich der sekundären beruflichen Bildung nur die technischen Institute mit verschiedenen Fachrichtungen.

Seit dem Schuljahr 2001/2002  wurden neben den technischen Instituten die sogenannten technischen Fachhochschulen eingeführt. An diesen können die Schüler nach zwei Jahren ein höheres Diplom, nach vier Jahren einen Bachelor- (BSc. bzw. BA) sowie nach weiteren zwei Jahren einen Masterabschluss (MSc bzw. MA) erreichen; somit bilden sie eine Alternative zum Besuch von Universitäten. Des Weiteren ist nach jedem Abschluss der Übergang auf die Universität möglich.

Die technischen Fachhochschulen gingen teilweise aus ehemaligen technischen Instituten hervor, teilweise wurden sie aber auch neu erschaffen.

Weiterführende Informationen

Quellen und Links
Informationen des Auswärtigen Amtes