Kosten und Finanzierung

Wie teuer ist so ein Anerkennungsverfahren? Und wie kann es finanziert werden?

Kosten der Gleichwertigkeitsprüfung

Die Verfahren zur Gleichwertigkeitsprüfung ausländischer Berufsqualifikationen sind gebührenpflichtig. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach den Gebührenregelungen der Kammern oder bei Berufen in Bundeslandzuständigkeit nach den Regelungen der Länder. Sie hängt zudem vom individuellen Aufwand für die Durchführung des Verfahrens, vom jeweiligen Referenzberuf sowie von den individuellen Voraussetzungen der Antragstellenden ab, weshalb generelle Aussagen zum Kostenumfang nicht möglich sind.

Die Handwerkskammern haben sich bundesweit auf einen Gebührenrahmen von 100 bis 600 Euro geeinigt. Bei den IHKs Hannover und Braunschweig beträgt die Gebühr 300 Euro. Bei der ebenfalls nicht an der IHK FOSA beteiligten IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid ist der Gebührenkorridor identisch mit dem der IHK FOSA. Dort liegen die Gebühren zwischen 100 und 600 Euro und betragen nach Angaben der IHK FOSA durchschnittlich 420 Euro bei Grundberufen und 550 Euro bei Fortbildungsberufen. Im Bereich der Freien Berufe gibt es ebenfalls unterschiedliche Gebührenordnungen. Exemplarisch genannt werden kann die Ärztekammer Westfalen-Lippe, die für die meisten Bundesländer zuständig ist und für das Berufsfeld der Medizinischen Fachangestellten 125 Euro Gebühren für die Dokumentenprüfung erhebt. Für manche Berufe, die in der Zuständigkeit der Länder liegen, belaufen sich die Verfahrensgebühren häufig nur auf einen zweistelligen Eurobetrag.

Zu den Antragsgebühren der zuständigen Stellen kommen in der Regel Kosten für die einzureichenden Unterlagen hinzu, die zur Beschaffung von Dokumenten, für Korrespondenz, Porto und Kopien (in Einzelfällen sogar Reisekosten), bei der Beglaubigung oder bei ihrer Übersetzung ins Deutsche entstehen. Wenn zentrale Dokumente fehlen oder die vorhandenen Zeugnisse nicht eingeschätzt werden können, kann eine Qualifikationsanalyse erforderlich werden, die ebenfalls mit Kosten verbunden ist.

Die tatsächliche Höhe der Kosten hängt stark von der konkreten Vorgehensweise der jeweiligen zuständigen Stelle ab. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass sie sich im Einzelfall bis auf dreistellige Beträge summieren können. Die zuständigen Stellen versuchen jedoch, den finanziellen Aufwand für die Antragsteller so gering wie möglich zu halten.

Der Zeitpunkt, zu dem die Gebühren fällig werden, ist ebenfalls von der zuständigen Stelle abhängig. Gebühren können beim Start oder nach Abschluss des Verfahrens verlangt werden. In der Regel sehen die Gebührenordnungen die Möglichkeit von Ratenzahlungen vor. Hiervon wird in der Praxis allerdings bislang nur selten Gebrauch gemacht.

Wer im Anschluss an eine festgestellte teilweise Gleichwertigkeit eine volle Gleichwertigkeit anstrebt, muss zudem mit Kosten für die erforderliche Anpassungsqualifizierung rechnen.

Über kostenpflichte Schritte und Möglichkeiten zur Kostenübernnahme informiert der Beitrag „Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen für duale Aus- und Fortbildungsberufe in NRW: (K)eine Kostenfrage“ des Westdeutschen Handelskammertages.

Fördermöglichkeiten

Hier erfahren Sie, welche Fördermöglichkeiten es in den Bereichen des Anerkennungsverfahrens und der Anpassungsqualifizierung gibt.

Nationale Fördermöglichkeiten des Anerkennungsverfahrens

Zum Thema Fördermöglichkeiten steht Ihnen unter anderem die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) beratend zur Seite. Hier erfahren Sie beispielsweise, welche Qualifizierungsmaßnahmen sich für Ihre Mitarbeiterin und Ihren Mitarbeiter oder Bewerberin und Bewerber eignen oder ob Sie Eingliederungszuschüsse erhalten können.

Bei Bewerberinnen oder Bewerbern mit ausländischen Berufsqualifikationen, die bereits in Deutschland leben, bezuschusst die Bundesagentur für Arbeit (BA) unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten eines Anerkennungsverfahrens.

Auch Sprachkurse für „berufsbezogenes Deutsch“ können im Rahmen eines ESF-BAMF-Programms vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert werden.

Auch Qualifikationsanalysen, die bei Unsicherheiten über die Einschätzung von Fähigkeiten durchgeführt werden, können bei dem Vorliegen von Härtefällen unterstützt werden. Hierzu gibt es das Projekt „Prototyping Transfer – Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen“.

Im Dezember 2016 trat außerdem eine neue Förderrichtlinie zur Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen in Kraft. Personen mit fehlenden finanziellen Mitteln und insbesondere Beschäftigte, die unterhalb ihrer abgeschlossenen Qualifikation tätig sind, können von diesem Anerkennungszuschuss profitieren. Ziel ist es, eine bundesweit flächendeckende Förderung von Kosten für die Anerkennung ergänzend zu bestehenden Möglichkeiten der Finanzierung zu erproben. Gefördert werden können Kosten für Übersetzungen, Beglaubigungen von Zeugnissen und Abschlüssen sowie Gutachten und Kosten für Gebühren und Auslagen des Anerkennungsverfahrens, Kosten für die Beschaffung von notwendigen Nachweisen, Kosten für Qualifikationsanalysen sowie Fahrtkosten innerhalb Deutschlands im Rahmen des Anerkennungsverfahrens. Weitere Informationen zum Anerkennungszuschuss bietet das Portal www.anerkennungszuschuss.de.

Für Geflüchtete bietet außerdem der Verein "Gewerkschaften helfen" individuelle Förderungen an. Wenn andere Stellen die Förderung abgelehnt haben, können die Antragstellerinnen und Antragsteller finanzielle Unterstützung bei den Verfahrensgebühren, Übersetzungen, Prüfungsgebühren und Anpassungsqualifizierungen erhalten. Die Beantragung erfolgt über die IQ-Beratung.

Fördermöglichkeiten des Anerkennungsverfahrens auf Landesebene

Baden-Württemberg
Vor dem Hintergrund des erhöhten Fachkräftebedarfs in Baden-Württemberg und der steigenden Anzahl an Flüchtlingen hat die Baden-Württemberg Stiftung das Stipendienprogramm Berufliche Anerkennung in Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Ziel des Programms ist es, durch die Vergabe von Stipendien einzelne Personen darin zu unterstützen, eine volle Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Berufs- und Studienabschlüsse zu erhalten und somit ihre Zugangschancen zu einer qualifikationsadäquaten Beschäftigung in Baden-Württemberg zu verbessern. In einer dreijährigen Modellphase soll das Stipendienprogramm im Flächenland Baden-Württemberg ab 2016 erprobt und wissenschaftlich begleitet werden.
 
Berlin
Seit dem 14. Juni 2016 gibt es im Bundesland Berlin den „Härtefallfonds Berufsanerkennung Berlin“. Der Fonds ist zunächst mit 200.000 Euro pro Jahr ausgestattet und kann folgende Kosten für das Anerkennungsverfahren sowie die Anpassungsqualifizierungen übernehmen: Gebühren für Kurse und Prüfungen in reglementierten und nicht-reglementierten Berufen, Fahrtkosten, Kosten für Lehrmaterial für Qualifizierungsmaßnahmen und Kosten für Übersetzungen.
Fragen rund um den Härtefallfonds können per E-Mail an Integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de gesendet werden.
 
Hamburg
Die Stadt Hamburg stellt über die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration ein Stipendiumprogramm für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen zur Verfügung. Für Kosten, die im Zusammenhang mit der Anerkennung entstehen, z.B. Gebühren für die Verfahren, für notwendige Kurse oder Prüfungen, kann ein Zuschuss beantragt werden. Ziel ist, dass mehr Personen mit ausländischem Abschluss ihre fachlichen Qualifikationen adäquat einsetzen können und Hamburg somit sein Fachkräftepotential nutzt.

Nationale Fördermöglichkeiten der Anpassungsqualifizierung

KURSNET, das Portal für berufliche Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit, bietet neben Informationen über das lokale, regionale und überregionale Angebot an Seminaren und Weiterbildungen auch Informationen über einzelne Bildungsanbieter sowie Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten.

Weiterhin unterstützt die Bundesagentur für Arbeit mit dem Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen“ WeGebAU die Weiterbildung von Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen. Für Geflüchtete bietet sie das Programm "Kooperationsmodell mit berufsanschlussfähiger Weiterbildung" Kommit.

Weitere Informationen zu einer möglichen finanziellen Förderung von Weiterbildungsmaßnahmen erhalten Sie im „Leitfaden Weiterbildung“ der Stiftung Warentest.

Über die Möglichkeiten zur Kostenübernnahme von Anpassungsqualifizierungen informiert der Beitrag „Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen für duale Aus- und Fortbildungsberufe in NRW: (K)eine Kostenfrage“.

Fördermöglichkeiten der Anpassungsqualifizierung auf Länderebene

Bayern
Chance Migration im Handwerk“ ist ein Projekt der Handwerkskammer für Schwaben. Diese unterstützt Zugewanderte bei der Weiterentwicklung und Gestaltung ihrer beruflichen Laufbahn. Außerdem werden Handwerksbetriebe und -organisationen für die Personalentwicklung und Personalrekrutierung von Zugewanderten sensibilisiert.
 
Berlin
Seit dem 14. Juni 2016 gibt es im Bundesland Berlin den „Härtefallfonds Berufsanerkennung Berlin“. Der Fonds ist zunächst mit 200.000 Euro pro Jahr ausgestattet und kann folgende Kosten für das Anerkennungsverfahren sowie die Anpassungsqualifizierungen übernehmen: Gebühren für Kurse und Prüfungen in reglementierten und nicht-reglementierten Berufen, Fahrtkosten, Kosten für Lehrmaterial für Qualifizierungsmaßnahmen und Kosten für Übersetzungen.

Fragen rund um den Härtefallfonds können per E-Mail an Integrationsbeauftragter@intmig.berlin.de gesendet werden.
 
Nordrhein-Westfalen
Die Landesregierung fördert mit dem „Sonderprogramm Bildungsscheck NRW Fachkräfte“ (2013 bis 2015) Anstrengungen zur beruflichen Weiterbildung. Beschäftigte und Unternehmen erhalten mit dem Bildungsscheck einen Zuschuss von 50 Prozent (bis zu 2.000 Euro) zu den Weiterbildungskosten; die andere Hälfte tragen Betriebe und Beschäftigte selbst. Die Landesregierung finanziert den Förderzuschuss aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
 
Niedersachsen
Mit dem Programm „IWiN – Individuelle Weiterbildung in Niedersachsen“ fördert das Land Niedersachsen die Weiterbildung von Beschäftigten in kleinen und mittleren Unternehmen. Hierzu werden noch bis zum 31.12.2014 bzw. 30.6.2015 Zuschüsse aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Niedersachsen gezahlt.