Ablauf und Inhalt

Welche Ziele verfolgt das Anerkennungsgesetz? Wer kann einen Antrag auf Gleichwertigkeit stellen und was bedeutet Gleichwertigkeit der Abschlüsse überhaupt? Hier erfahren Sie kurz und knapp das Wichtigste zum Anerkennungsgesetz.
Wer kann eine Prüfung auf Gleichwertigkeit beantragen?

Der Antrag auf Feststellung der Gleichwertigkeit muss direkt vom Antragsteller bzw. der Antragstellerin an die zuständige Kammer gestellt werden. Welche Kammer für die jeweilige Antragsbearbeitung zuständig ist, hängt zum einen von der gewünschten deutschen Referenzqualifikation ab sowie vom Wohnort der antragstellenden Person. Mit dem Anerkennungs-Finder des Portals Anerkennung in Deutschland kann die zuständige Stelle einfach herausgefunden werden. Antragsberechtigt ist, wer einen ausländischen, im Herkunftsland anerkannten Berufsabschluss erworben hat (§ 6 Abs. 1 BQFG). Dies gilt sowohl für Personen, die

  • bereits in Deutschland leben als auch
  • vom Ausland aus eine Erwerbstätigkeit in Deutschland anstreben.

Der Anspruch besteht unabhängig von der Staatsangehörigkeit des Antragstellers bzw. der Antragstellerin. Ein Deutscher, der im Ausland einen Berufsabschluss erworben hat, ist also auch antragsberechtigt. Nicht antragsberechtigt ist, wer dagegen nur Berufserfahrung vorweisen kann, nicht aber über einen formalen Berufsabschluss verfügt.

Hier finden Sie eine Checkliste als PDF über die einzureichenden Unterlagen.

Was bedeutet Gleichwertigkeit der Abschlüsse?

„Gleichwertigkeit“ bedeutet nicht „Gleichartigkeit“ oder „Gleichheit“. Entscheidend für die Gleichwertigkeit ist, ob der Antragssteller bzw. die Antragstellerin aufgrund der im Ausland durchlaufenen Ausbildung und Prüfung in der Lage ist, den Anforderungen zu genügen, die nach deutschem Recht an die Ausübung des jeweiligen Berufs gestellt werden. Dabei werden ebenfalls die sonstigen nachgewiesenen Berufsqualifikationen, insbesondere vorhandene Berufserfahrung berücksichtigt.

Für welche Berufe gelten welche Gesetze?

Das „Anerkennungsgesetz“ ist ein Bundesgesetz. Sofern der deutsche Referenzberuf (Vergleichsberuf) also bundesrechtlich geregelt ist, erfolgt die Prüfung der Gleichwertigkeit über dieses Gesetz. Dies gilt für reglementierte sowie nicht reglementierte Berufe gleichermaßen. Die Mehrzahl der reglementierten Berufe wie Ärzte oder Apotheker wird durch eigene Berufsfachgesetze geregelt, in denen auch die besonderen Bestimmungen für EU- und EWR- Staatsbürgerinnen und Staatsbürger enthalten sind. Für alle anderen Berufe greift das BQFG. Hierunter fallen vor allem die rund 330 Ausbildungsberufe im dualen System sowie die entsprechenden Fortbildungsberufe.

Für die nach Landesrecht geregelten Berufe wie Architekten, Ingenieure, Lehrer und Erzieher gelten entsprechende Landes-Anerkennungsgesetze, die sich in ihrer Ausgestaltung sehr stark am Bundes-Anerkennungsgesetz orientieren. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Bund-Länder-Zuständigkeiten und zu den Ländergesetzen.

Für akademische Abschlüsse, die nicht Voraussetzung für einen reglementierten Beruf sind, gelten verschiedene Gesetze. Zuständig ist die Zentralstelle für das ausländische Bildungswesen  (ZAB), die die „Zeugnisbewertung für ausländische Hochschulqualifikationen“ durchführt.

Wie hängen die berufliche Anerkennung und die Aufenthaltsgenehmigung zusammen?

Die Anerkennung eines im Ausland erworbenen Berufsabschlusses führt nicht automatisch zur Erteilung eines Aufenthaltstitels. Seit Juli 2013 wird jedoch Fachkräften mit Berufsausbildung aus Nicht-EU-Ländern der Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erleichtert. Voraussetzung dafür ist die Feststellung der vollen Gleichwertigkeit des ausländischen Bildungsabschlusses und ein Engpass auf dem deutschen Arbeitsmarkt in dem entsprechenden Beruf. Die Bundesagentur für Arbeit hat die Engpassberufe in einer „Positivliste“ zusammengestellt und erteilt für diese ihre Zustimmung zur Erwerbstätigkeit in Deutschland ohne Vorrangprüfung.

Lesen Sie hier die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie die Verordnung im Detail.

Hier finden Sie die Liste mit Engpassberufen der Bundesagentur für Arbeit („Positivliste“).

Wie läuft das Bewertungsverfahren ab?

Nach Eingang der vollständigen Unterlagen prüft die zuständige Stelle, inwieweit der ausländische Berufsabschluss dem deutschen Referenzberuf entspricht. Maßstab für die Überprüfung ist dabei die aktuell geltende deutsche Aus- bzw. Fortbildungsverordnung.

Wie Sie als Unternehmen diesen Prozess unterschützen können, erfahren Sie in dem hier hinterlegten Schaubild.

Wie lange dauert das Verfahren?

In der Regel soll das Anerkennungsverfahren innerhalb von drei Monaten nach Einreichung der kompletten Antragsunterlagen abgeschlossen sein. Diese Frist kann in schwierigen Fällen einmalig verlängert werden. Die Entscheidungsfrist läuft erst, wenn alle erforderlichen Unterlagen eingereicht wurden.

Was kostet das Verfahren?

Die Verfahren zur Gleichwertigkeitsprüfung ausländischer Berufsqualifikationen sind gebührenpflichtig. Die Höhe der Gebühren richtet sich nach den Gebührenregelungen der Kammern oder bei Berufen in Bundeslandzuständigkeit nach den Regelungen der Länder. Sie hängt zudem vom individuellen Aufwand für die Durchführung des Verfahrens, vom jeweiligen Referenzberuf sowie von den individuellen Voraussetzungen der Antragstellenden ab, weshalb generelle Aussagen zum Kostenumfang nicht möglich sind. Nähere Information zu den Kosten der Prüfung auf Gleichwertigkeit finden Sie auf dieser Seite.

Was ist die Zielsetzung des Anerkennungsgesetzes?

„Anerkennungsgesetz“ ist die Kurzform für das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“, das am 1. April 2012 in Kraft getreten ist. Das Anerkennungsgesetz ist ein Artikelgesetz. Es setzt sich aus mehreren Gesetzen bzw. Änderungen bestehender Gesetze zusammen und umfasst zum einen das Bundesgesetz „Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz“ (BQFG) im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), und zum anderen Regelungen zur Anerkennung von Berufsqualifikationen in rund 60 bundesrechtlichen Berufsgesetzen und Verordnungen für die reglementierten Berufe. Hiermit sollen Fachkräfte, die im Ausland einen Berufsabschluss erworben haben, dabei unterstützt werden, in Deutschland eine Beschäftigung aufnehmen zu können, die ihrer beruflichen Qualifikation entspricht. Im Ausland erworbene Qualifikationen sollen so besser für den deutschen Arbeitsmarkt nutzbar gemacht werden (§ 1 BQFG). Das Gesetz trägt damit zur Sicherung des Fachkräfteangebots und zur Integration in Deutschland lebender Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt bei.

Das Verfahren im Überblick

Im Rahmen der beruflichen Anerkennung wird eine ausländische Berufsausbildung oder Fortbildung mit einer deutschen verglichen.

Formaler Vergleich: Zunächst werden festgelegte formale Kriterien – wie Inhalte, Dauer und Lernorte – verglichen.

Individuelle Prüfung: Reicht dieser formale Vergleich nicht aus, um die Gleichwertigkeit zu beurteilen oder um eine volle Gleichwertigkeit bescheiden zu können, werden die zusätzlich vorliegenden Qualifikationen wie zum Beispiel Berufserfahrung oder Weiterbildungen herangezogen, um die Gleichwertigkeit zu prüfen.

Sowohl das Verfahren als auch die Zuständigkeiten sind gesetzlich geregelt.

Das Ergebnis des Verfahrens: ein rechtskräftiger Bescheid

Der rechtskräftige Bescheid beschreibt, welche Qualifikationen die Antragstellerin oder der Antragsteller besitzt, inwieweit diese dem angegebenen deutschen Referenzberuf „gleichen“ und – wenn eine teilweise Gleichwertigkeit festgestellt wird – welche Unterschiede gegebenenfalls bestehen.

Folgende Entscheidungen kann die zuständige Stelle als Ergebnis eines Anerkennungsverfahrens treffen:

  • volle Gleichwertigkeit
  • teilweise Gleichwertigkeit
  • keine Gleichwertigkeit

Mithilfe dieses Bescheids können sich Unternehmen ein umfassendes Bild davon machen, welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse eine Bewerberin oder ein Bewerber mit ausländischen Qualifikationen mitbringt. Dadurch sind Unternehmen in der Lage, ihr Personal den gelernten Fähigkeiten entsprechend einzusetzen und die vorhandenen Potenziale bestmöglich zu nutzen.
Neben dem Bescheid zur vollen Gleichwertigkeit fördert auch der Bescheid über eine teilweise Gleichwertigkeit die Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Denn er veranschaulicht die vorhandenen Qualifikationen aber auch die Unterschiede zur deutschen Ausbildung, so dass Unternehmen die neue Mitarbeiterin bzw. den neuen Mitarbeiter gezielt einsetzen und gleichzeitig Anknüpfungspunkte für eine gezielte Weiterbildung identifizieren können.

Weiterhin ist es der Antragstellerin oder dem Antragsteller möglichen durch eine Anpassungsqualifizierung die volle Gleichwertigkeit zu erhalten. Im Rahmen einer Anpassungsqualifizierung werden dann die fehlenden Fähigkeiten, Kenntnisse oder Fertigkeiten, im Vergleich zum deutschen Referenzberuf, nachgeholt.

Weitere Informationen zur Anpassungsqualifizierung finden Sie hier.